Dekanin Sabine Bertram-Schäfer

Foto: Gert Holle
Foto: Gert Holle

Das neue Evangelische Dekanat Büdinger Land mit seinen 79 Kirchengemeinden und insgesamt 61.500 evangelischen Gemeindegliedern besteht offiziell seit dem 1. Januar 2016. In der konstituierenden Sitzung der Dekanatssynode am 13. Februar wurde Sabine Bertram-Schäfer für die kommenden sechs Jahre zur neuen Dekanin gewählt. Ihre Aufgaben: Von der Förderung geistlichen Lebens bis zur Fortsetzung ökumenischer Zusammenarbeit, von der Pflege der kirchlichen Partnerschaften bis zu einem Predigtauftrag an der Schottener Liebfrauenkirche. Vorgesehener Amtsantritt ist der 1. Mai 2016.

 

(Nidda/gho) - Sabine Bertram-Schäfer, am 9. Oktober 1966 in Seefeld / Landkreis Starnberg geboren, sagt auf die Frage, wo denn ihre Heimat ist: „Obwohl ich in Bayern zur Welt kam und im Westerwald aufgewachsen bin, habe ich mich bisher in keiner Region so heimisch gefühlt wie hier in der Propstei Oberhessen und am Rande des Vogelsberges“. 1997 ist sie nach dem Theologiestudium in Mainz und Marburg und ihrer Vikariatszeit in Usingen in Dauernheim ordiniert worden. Ihre beiden Kinder Anna (17) und Simon (15) wurden in Schotten geboren, ihr Mann Peter arbeitet als Direktor einer Gesamtschule in Friedberg. Acht Jahre hat sie als Gemeindepfarrerin in den Kirchengemeinden Dauernheim und Blofeld gearbeitet, bis sie dann ab dem Frühjahr 2005 für zehn Jahre das Amt der Dekanin im ehemaligen Dekanat Büdingen bekleidete. Zusätzlich war sie mit einer Viertel-Stelle Gemeindepfarrerin in Usenborn, wo sie auch weiterhin mit ihrer Familie im Pfarrhaus wohnen wird. „Für uns ist die östliche Wetterau beruflich und privat ein fruchtbarer Boden geworden.“ Als Ort der Freude, der Glaubensgemeinschaft und der lebendigen Gemeinde habe sie Usenborn erlebt. Viele Familiengottesdienste seien ihr in bleibender Erinnerung geblieben. „Am schönsten ist es, einen Gottesdienst gemeinsam mit Ehrenamtlichen zu gestalten und zu feiern“, sagt sie und strahlt dabei.

 

„Salomo sprach: So wollest du deinem Knecht ein gehorsames Herz geben!“ - (1.Kö.3,9)  Dieses Leitwort steht ihr vor Augen, wenn sie an die Zukunft im Evangelischen Dekanat Büdinger Land denkt.  Ein gehorsames Herz oder ein hörendes Herz gehöre für sie zu den grundsätzlichen Aufgaben einer Dekanin. Mit einem hörenden Herz wolle sie die Menschen in den Kirchenvorständen und Gemeinden, die Pfarrerinnen und Pfarrer, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die vielen Ehrenamtlichen begleiten, ihnen zuhören und die vielen Schätze aus den Gemeinden und Arbeitsgebieten ebenso in die Entwicklung des neuen Dekanates einbringen, wie die Bedürfnisse und Anfragen. Überhaupt: Begegnungen mit Menschen sind ihr wichtig. Da ist sie in ihrem Element als Seelsorgerin. Mit ihren Gaben und Fähigkeiten möchte sie dem Dekanat dienen. Dazu gehöre auch, wertschätzend und mit aufbauender Kritik den Menschen zu begegnen. Gerade im Prozess des Zusammenwachsens im neuen vereinigten Dekanat sei eine Öffnung für ein neues Miteinander unerlässlich. Einem Kirchturm-Denken müsse entschieden entgegen getreten werden. „Die Zukunft der Kirchengemeinden und der Kirche im ländlichen Raum sehe ich darin, dass wir unsere Gaben, die wir empfangen haben, über die Grenzen unserer Kirchengemeinden anbieten und gemeinsam in Erscheinung treten. Dabei möchte ich für einen Prozess der Regionalentwicklung werben und gemeinsam mit dem Synodalvorstand, der Synode und den Mitarbeitenden gestalten.“

 

Als Dekanin möchte sie am liebsten in jedem Alltagsgeschäft die Frage nach Gott stellen können und die Lebenssituationen von Kindern, Jugendlichen, Frauen und Männern, Alten und Kranken, Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen eines Dekanates soweit wie möglich vor Augen haben. So lehnt sie eine starre Abgrenzung zwischen Glaubenswelt und Alltagswelt kategorisch ab. Die Frage: „Was würde Jesus dazu sagen?“ müsse immer gestellt werden dürfen. Eine Auseinandersetzung mit Einflüssen und Anforderungen, die von außen kommen, sei dabei notwendig. Dies zeige die gegenwärtige Diskussion in der Flüchtlingshilfe beispielhaft. Gerade Christenmenschen hätten einen besonderen Auftrag, sich um die an den Rand gedrängten Menschen zu kümmern. Dass dies nicht nur fromme Worte sind, hat die engagierte Theologin in der Vergangenheit vielfach gezeigt: ob im Kampf gegen Armut auf dem Lande als Mitgründerin der Büdinger Tafel oder als Impulsgeberin für den Jugendkulturbahnhof Bleichenbach, in der Zusammenarbeit mit dem Diakonischen Werk Wetterau oder als Mitglied im Verein Oberhessen. „Alleine geht heute nichts mehr. Sich miteinander auf den Weg machen, füreinander einstehen“ – dies sei schon der Schlüssel in der ehemaligen Arbeitsgemeinschaft der drei Dekanate Büdingen, Nidda und Schotten gewesen. Und so will sie die Menschen in der Region für neue Ideen begeistern und mit ihnen gemeinsam das neue Evangelische Dekanat Büdinger Land gestalten: „Das Dekanat Büdinger Land ist reich an Menschen, die mit mir zusammen das neue Dekanat entwickeln möchten. An erster Stelle denke ich da an Wolfgang Keller, der als Dekan des Dekanates Schotten auf fast ein viertel Jahrhundert Dekanetätigkeit zurückblicken kann. Als Team mit verschiedenen Aufgaben können wir unsere Gaben für das neue Dekanat einbringen. Ich würde mich über diese Zusammenarbeit sehr freuen. Dazu möchte ich gerne beitragen, ganz im Sinne Salomos mit einem hörenden Herzen.“

Wolfgang Keller, stv. Dekan

Foto: Gert Holle
Foto: Gert Holle

Auf der konstituierenden Dekanatssynode am 13. Februar 2016 wurde Wolfgang Keller zum stellvertretenden Dekan gewählt.

Fakten zu Wolfgang Keller

  • Geburtstag: 08.08.1956
  • Theologiestudium in Marburg
  • Examensarbeit über Albert Schweitzer
  • Pfarrvikariat in Wetterfeld und Rödges
  • Spezialvikariat im Jugendgefängnis in Rockenberg
  • Ordination: 5.05.1985
  • Erste Pfarrstelle in Rudingshain (mit Götzen, Betzenrod) (seit 1985)
  • 1990 zum Vorsitzenden der Zweckverbandsversammlung der Diakoniestation gewählt
  • Dekan im Dekanat Schotten (1992 - 31.12.2015)
  • Kommissar. Dekan im Dekanat Nidda (1.01.2012 - 31.12.2015)
  • Geschäftsführender Dekan im Evangelischen Dekanat Büdinger Land (1.01.2016 - 30.04.2016 / kommissar. zuständig für die Regionen Schotten und Nidda)
  • stv. Dekan im Evangelischen Dekanat Büdinger Land (seit 1.05.2016)
  • Verheiratet
  • 2 erwachsene Töchter
  • Sammelt Biographien von deutschen Politikern
  • Hundeliebhaber
  • Feierte im Mai 2010 sein 25-jähriges Ordinationsjubiläum

 

Wolfgang Keller will auch künftig die Kirche im ländlichen Raum stark halten

Ein sehr guter Religionsunterricht in der gymnasialen Oberstufe weckte Kellers Interesse an wissenschaftlicher Theologie und führte zu seiner Berufsentscheidung. Doch schon während seines Studiums in Marburg zog es ihn weit eher zu sozialethischen Fragen hin. Professoren wie von Oppen und Pfürtner mit ihrer diakonisch-pragmatischen Orientierung prägten ihn. Seine Examensarbeit schrieb er über Albert Schweitzer. Das Spezialvikariat machte Keller im Jugendgefängnis in Rockenberg. Ein Praxisschock? „Nicht nach dem Grundwehrdienst in der Bundeswehr. Da lernt man Standfestigkeit“ meint Keller in der Rückschau. Gut begleitet fühlte er sich dann im Pfarrvikariat in Wetterfeld und Rödges: „Die erste Beerdigung, Taufe, Trauung, das erste seelsorgerliche Gespräch, das waren beeindruckende Aufgaben für mich!“

 

Sein erstes selbstständiges Amt war 1985 die Übernahme der neu zusammengefassten Gemeinden Betzenrod, Götzen und Rudingshain als Gemeindepfarrer. Schon 1990 wurde er zum Vorsitzenden der Zweckverbandsversammlung der Diakoniestation gewählt. Damit kam eine große, verwaltungstechnisch nicht immer einfache Aufgabe auf ihn zu, mit er bis heute stark identifiziert ist: „Der Dienst an kranken und alten Menschen braucht eine verlässliche Struktur“. So ist Keller froh, dass mit der Fusion der Stationen Schotten und Grebenhain eine stabile Größen- und Verwaltungsstruktur erreicht wurde. Schon 1992 wurde Wolfgang Keller an die Spitze des Dekanats Schotten gewählt. Mit der geänderten Pfarrstellenbemessung kam eine neue große Aufgabe auf Dekan und Dekanatssynodalvorstand zu. Das Dekanat Schotten verlor fast ein Drittel seiner Pfarrstellen, Neustrukturierungen standen an. „Aber“ so Keller, „ich habe in den vielen nötigen Gesprächen die Kirchenvorstände als sachlich und loyal erlebt. Das war eine große Hilfe!“ Auch dass man mit der Dekanats-AG Büdingen, Nidda und Schotten eine Übergangsform fand, die die aktuellen Bedürfnisse des ländlichen Raumes traf, sei eine gute Sache gewesen. Offen sei die zukünftige Entwicklung. „Die nachlassende volkskirchliche Bindung selbst hier in der überschaubaren Welt des Vogelsbergs macht mir Sorgen. Die Kirche wird nach wie vor gebraucht. Angesichts der Verödung des ländlichen Raums muss die Kirche weiter da sein und die Menschen begleiten.“  (Quelle: Kreis-Anzeiger 25.08.2010)


 

Dekanin Sabine Bertram Schäfer und stv. Dekan Wolfgang Keller haben ihren Amtssitz im Haus der Kirche und Diakonie in der Bahnhofstraße 26, 63667 Nidda. Sie sind über die Zentrale 06043-8026-0 telefonisch erreichbar.