Evangelisches Dekanat Büdinger Land: Israel-Reise 24.11. – 01.12.2018 „Auf biblischen Spuren im Heiligen Land“

Eine Woche Pilgern durch das Heilige Land - Abenteuer, Anstrengung und Andacht

Foto: Evangelisches Dekanat Büdinger Land
Foto: Evangelisches Dekanat Büdinger Land

Bericht von Anna Julia Schmidt - Januar 2019

 

 

 

 

„Jallah, Jallah“ - Wir, die Reisegruppe des Ev. Dekanats Büdinger Land, haben innerhalb einer einwöchigen Reise durch Israel vom 24.11.2018 bis zum 01.12.2018 leider nicht viele Wörter der dort gesprochenen Sprachen lernen können, aber „jallah“ zu Deutsch: „schnell“ blieb den meisten von uns in Erinnerung. So war dies eine Woche voller Eindrücke und Erlebnisse, geplant und getaktet, im Schnellschritt ausgeführt, durch Gegensätze und Gemeinschaft geprägt.

 

Unser Tagesprogramm war vielfältig, aber auch sicher, durchdacht und herzlich. Dies zeigte sich bereits beim Empfang am Flughafen. Der Reiseleiter holte uns direkt am Flughafen ab, nur wenige Meter laufen und der Bus stand vor uns - mit WLAN. Nach einer dreistündigen Busfahrt erreichten wir unser erstes Hotel.

 

Am nächsten Morgen - frühen Morgen (7:30 Uhr) - begann unser Abenteuer. Wir waren wirklich im Heiligen Land angekommen. Die Winterjacken wurden gegen T-Shirts getauscht und die Landschaft war mit Palmen anstatt mit Schneematsch überzogen. Erster Tag, volles Programm: Der See Genezareth, eine Fahrt durch Magdala auf den Berg der Seligpreisung, durch Tabgha, Besichtigung der Primatkapelle und des Petrushauses, eine Bootsfahrt auf dem Galiläischen Meer, Besichtigung der Verkündigungskirche, der Josefkirche und der Gabrielkirche. Viele beeindruckende Kirchen, viele Orte, viele Menschen. Einer der schönsten Momente war wohl die Andacht während der Bootsfahrt. Wasser um uns herum, am Horizont der Landstreifen mit  Bananenplantagen, Sonnenschein, 25 Grad, gemeinsames Innehalten, den Moment spüren, verstehen, auf welchen geschichtsträchtigen Spuren man gerade wandelt bzw. Schiff fährt. Die Dankbarkeit wahrnehmen, dieses Land erfahren zu dürfen, wenn auch nur ausschnitthaft, als Collage.

 

Am nächsten Tag besuchten wir Haifa, für viele von uns eine der schönsten Städte Israels. Die Gartenarchitektur erinnerte ein wenig an den Herkules in Kassel. Tausende Kilometer von Deutschland entfernt und doch so nah in dem Moment. Wir besichtigten die Persischen Gärten und den Bahai-Tempel. Danach fuhren wir weiter über Muchraka, ans Wasser! Hallo Mittelmeer. Wir hielten am herodianischen Aquädukt und besichtigten die Cäsarea Maritima. Endlich war der Lateinunterricht in der Schule nicht mehr umsonst. Was man sonst in Büchern gelesen und in Vokabeln wiedergegeben hat, war nun greifbar, mit allen Sinnen zu erfahren. Eine beeindruckende Anlage, die wir nutzten, um in dem ehemaligen Theater zu singen, uns über die damaligen Toiletten informieren zu lassen (und natürlich über noch vieles mehr), die Füße ins Mittelmeer zu halten, sowie den Sonnenuntergang am Meer in all seinen Farben zu bestaunen. Die Freiheit des Meeres, dort war sie greifbar. Danach fuhren wir nach Jerusalem. Das erste Mal durch die Mauer nach Bethlehem. Wo gerade noch Freiheit spürbar war, rückte nun ein Gefühl der Anspannung an dessen Stelle.

 

Am nächsten Tag besuchten wir Bethlehem, die Geburtskirche und - grotte. Dort wurde Jesus geboren, dort will jeder hin: eine japanische Reisegruppe, die während des Wartens mehr Selfies gemacht hat, als ich in meinem ganzen Leben, ein englisches Paar, das es nach 20 Minuten anstehen bereits bereut hat, sich anzustellen, Schülergruppen, Jugendgruppen, Rentnervereine und natürlich wir. Es war voll, sehr voll. Resultat nach über einer Stunde des Wartens und Gedrückt Werdens: Wir sind wohl auf sehr vielen japanischen Reisefotos verewigt, ich konnte für das nächste Festival trainieren wie ich mich in drückenden Massen behaupte und wir durften 10 Sekunden den Geburtsort von Jesus fotografieren. Nach diesem Prototyp des Massentourismus folgte eine beeindruckende Begegnung mit Lifegate, einem Verein, der in Palästina ein Zentrum für behinderte Kinder betreibt. Zuletzt besuchten wir das Hirtenfeld, die Herodeion Festung, die Judäische Wüste und das Herodesgrab.

 

Den nächsten Tag verbrachten wir in Jerusalem. Wir besuchten den Ölberg, die Himmelfahrtskapelle, die Paternoster-Kirche, die Kapelle Dominus flevit, den Garten Gethsemane, die Kirche aller Nationen, die Verratsgrotte, das Mariengrab, die Kirche St. Peter, die Dormitioabtei und das Davidsgrab. Kirchen, sehr viele Kirchen. Beeindruckende Kirchen und doch war es irgendwann schwer, all diese Eindrücke, all diese Kirchen in ihrer Einzigartigkeit wahrzunehmen, die Eindrücke vermischten sich, die Kirchen gingen ineinander über. Der Spaziergang durch das jüdische Viertel zur Klagemauer war daher eine gute Möglichkeit, die Eindrücke ein wenig zu ordnen und in die Atmosphäre des Ortes einzutauchen.

 

So freuten sich viele darüber, dass auch der nächste Tag mit einem Spaziergang durch die Stadt Jerusalem begann. Wir besichtigen den Teich Bethesda, die Kreuzfahrerkiche St. Anna, die Via Dolorosa, die Geißelungskapelle, die Grabeskirche und die Erlöserkirche. Zudem erhielten wir die Möglichkeit mit Vikar Jonathan Stoll zu reden, welcher seit August sein Vikariat in der Erlöserkirche versieht. Leider war diese Begegnung viel zu kurz, doch selbst diese wenigen Momente, die Schilderung seiner ganz persönlichen Erfahrungen in Israel, waren beeindruckend. Auch der folgende Besuch der Gedenkstätte Yad Vashem war viel zu kurz. Yad Vashem ist eines der beeindruckendsten Museen der Welt. Einer der beeindruckendsten Orte der Welt. Grausam, erschütternd, emotional. Nicht in Worte zu fassen.

 

Unser vorletzter Tag in Israel war für viele durch das Schwimmen im Toten Meer geprägt. Doch auch die anderen Erlebnisse waren prägend. So besuchten wir die Herodesfestung Masada. Da es eine Festung war, lag sie sicher auf einem Berg, da sie sicher auf einem Berg lag, musste dieser erst mit einer Seilbahn "bestiegen" werden. Für Menschen mit Höhenangst war das weniger schön, doch die Aussicht von oben entschädigte für die Anspannung während der Seilbahnfahrt. Danach besichtigten wir die Essener Siedlung und durften zum Abschluss des Tages im Toten Meer schwimmen - wobei, "treiben lassen" es wohl besser trifft. Eine einsame Bucht war das zwar nicht, es ähnelte eher einer Touri-All-inclusiv-Hotelanlage mit mehreren Bars und Geschenkshops. Aber die Umkleidekabine mit Frauen aus allen Nationen, allen Altersklassen, allen Hintergründen und Motiven zu teilen, war genauso beeindruckend wie das Schwimmen im Toten Meer. Es gab keine ethnischen Konflikte, keine religiösen Spaltungen, es waren alle nackt, so einfach, so gleich, alle teilten die Vorfreude auf das Treiben lassen.

 

Unser letzter Tag in Israel sollte ein weiteres Highlight für uns bereithalten: Jaffa, Tel Avis Altstadt. Verwinkelte Gassen, alte Mauern, unbekannte Gerüche, vielfältige Eindrücke. Zudem besichtigen wir in Jaffa die Petruskirche sowie in Tel Avis das ehemals deutsche Viertel und sahen die Bauhausarchitektur auf dem Rothschild Boulevard.

 

Was bleibt nun nach dieser Woche Israel? In einer Woche ist es nicht ansatzweise möglich, dieses vielfältige Land zu erkunden. Doch wir haben viel, sehr viel gesehen. Manchmal fehlten die Momente, um innezuhalten, um die Eindrücke auf sich wirken zu lassen, um diese einzigartige, magische Atmosphäre Israels aufzunehmen. Aber wir hatten ein Abenteuer, das uns alle für immer mit Israel/Palästina verbinden wird.