Bewegender Vortrag über Plastikmüll, die Auswirkungen und das Entgegenwirken

Blue awareness im Diakonischen Werk Wetterau

 

12.12.2019

 

(Wetteraukreis/sp) – „Mission Klima“ ist ein seit mehreren Jahren laufendes Projekt im Diakonischen Werk Wetterau. Mit wechselnden Schwerpunkten werden Mitarbeitende für ressourcen- und klimaschonendes Verhalten sensibilisiert. Abläufe und Gewohnheiten im Arbeitsalltag werden verändert. Bei einer dienstlichen Versammlung des Diakonischen Werks Wetterau (DWW)  in Bürgerhaus Blofeld referierte Christian Weigand am 5. Dezember vor knapp neunzig Mitarbeitenden über die Probleme, die der Plastikmüll verursacht. Eckhard Sandrock, Leiter des DWW, und Mathias Koch, Bereichsleiter in Friedberg, initiierten diese Veranstaltung zur Unterstützung der Mission Klima 2019/2020 im DWW. In allen Dienstorten sind die Mitarbeitenden derzeit besonders aufgerufen, Plastikmüll zu vermeiden.

 

Christian Weigand studierte Betriebswirtschaft sowie Umwelt- und Ressourcenökonomie in Marburg und Kiel. Er widmete sich der Gesundheit der Meere und gründete nach seiner Masterarbeit zur nachhaltigen Entwicklung der Meere die Organisation blue awareness. Dies bedeutet blaue Achtsamkeit, Blau bezieht sich auf die Meere. Seinen Vortrag beginnt er ungewöhnlich – er schickt die Zuhörenden mit Musik auf eine gedankliche Reise, zu einem stillen Morgen am Meer und zum Surfen in den klaren Wellen. Jeder soll persönlich berührt sein, eine Freude am Meer fühlen. Dann zeigt er aufwühlende Bilder. Eine Robbe, die in einem Six-Pack Ring eingeschnürt aufwächst (die meisten Wasserlebewesen können nicht rückwärts schwimmen, um sich zu befreien), der Inhalt des komplett mit Plastik gefüllten Magens eines verhungerten Albatross-Kükens, eine Meeresschildkröte mit einem Strohhalm tief in der Nase und Strände mit endlosen Plastikmüllbergen. Weigand möchte  Menschen berühren und ihre Gefühle ansprechen, um sie zu Taten zu bewegen. Denn er stellte fest, dass das – vom Grundschulkind bis zum Erwachsenen – vorhandene Bewusstsein über die Probleme mit dem Plastikmüll bisher keine Änderung zum Positiven bewirkt hat. Offensichtlich berühren uns Zahlen nicht. Zu erfahren, dass fünf Trillionen Plastikteile (eine Fünf mit achtzehn Nullen) in den Meeren schwimmen, bewirkt keine persönliche Betroffenheit. Das Problem scheint zu groß, der eigene Einfluss zu klein. Weigands Gegenargument ist, dass wir alle Teil des Problems sind und genau deshalb auch etwas ändern können.

 

Die Meere scheinen uns Menschen in der Wetterau weit weg. Weigand informiert aber über die große Wichtigkeit der Meeresgesundheit für alle Menschen, an Küsten genauso wie im Landesinneren. Er nennt die Bedeutung des Meeres als Nahrungsquelle, die Wirkung auf das Klima, auf unser Wetter und unsere Unwetter, den Sauerstoff, der zu siebzig Prozent von den Meeresalgen stammt. Weigand beschreibt die Folgen der Überfischung, der CO2-Last, die das Meer aufnimmt und der Überdüngung.

 

Die Mitarbeitenden des DWW lernen im Vortrag, dass das größte Plastikfeld im Meer, das Northern Pacific Garbage Patch zwischen Japan und Kalifornien, so groß ist wie die Fläche von Deutschland, Spanien und Frankreich zusammen.  Deutschland hat jahrelang 850 Tausend Tonnen Gelbe Säcke nach China exportiert. Seit China es wegen der zu schlechten Sortierung nicht mehr annimmt, wird unser Müll nach Thailand und Indonesien exportiert. Es wird als verwertbarer Rohstoff/Brennstoff gekauft - unter den Arbeitsbedingungen und Preisen ist es dort kostengünstiger zu recyclen als hier. Durch Überlastung ist das dortige System jedoch nicht sehr effizient und verursacht soziale und ökologische Probleme. Vieles gelangt dann ins Meer, so dass achtzig Prozent der Teile im Strandmüll tatsächlich Teile aus unserem Alltag sind – Tüten und Plastikflaschen, Zahnbürsten, Strohhalme, Kleidungsstücke. Im Meer baut sich Plastik nur in sehr langen Zeiträumen zu Mikroplastik ab, das heißt, es verschwindet nie mehr ganz. Ein Sixpack-Ring hält sich vierhundert Jahre im Meer.

 

Die Handlungsanleitung zum Entgegenwirken beschreibt Christian Weigand mit den drei Worten reduce, re-use, recycle – also Plastikmaterialien vor allem zu reduzieren, Dinge aus Plastik so lange und vielseitig wie möglich wieder zu verwenden und schließlich den Plastikmüll im Kreislauf wieder zu verwerten. Zum Plastik-Reduzieren empfiehlt er, sich einen Punkt zu suchen, den man ändern kann, sich die Änderung zwei Monate anzugewöhnen und dann einen weiteren Punkt zu ändern. Die Mitarbeitenden des DWW tauschten sich aus über Ideen, im (Arbeits-) Alltag Plastik zu vermeiden und eine große Mehrheit sagte zu, diese wirklich umzusetzen.

 

Christian Weigand bietet Vorträge und Projekte zur Plastikmüllvermeidung für Erwachsene und Schüler. Kontakt zum Referenten erhalten Interessierte über chris@blue-awareness.com und zum Diakonischen Werk Wetterau über info@diakonie-wetterau.de.