Tschernobyl-Initiative Schotten

Wie ein Vaterhaus für junge Weißrussen

EMPFANG:  Zum 13. Mal kommen Kinder zum Erholungsaufenthalt nach Schotten / Herzliche Worte zur Aufnahme

 

Quelle: Kreis-Anzeiger 17.06.2016

 

(SCHOTTEN/em) -  „Wir freuen uns, dass ihr gut und gesund bei uns angekommen seid“ – Annelore Beljanski, Vorsitzende der Initiativgruppe „Hilfe für Tschernobylkinder“, konnte als 13. Erholungsgruppe 16 Mädchen und neun Jungen aus Weißrussland im Dekanatsjugendhaus offiziell begrüßen, dazu die begleitenden Lehrkräfte der Neun- und Zehnjährigen: Angela Zubko, Aljona Poljak und Michail Koschewski. Und wie hätte Galina Kutscherowa fehlen dürfen, Lehrerin und unermüdliche Dolmetscherin, schon 1993 bei der ersten Erholungsmaßnahme in Ulrichstein dabei und seither Begleiterin aller Gruppen, die nach Schotten kamen? 1996 organisierte der damalige Dekanatsjugendreferent Hans Joachim Adolph den Erholungsaufenthalt im Schottener Dekanatsjugendhaus – später Gelegenheit für ein kleines 20-jähriges Jubiläum mit einer stolzen Doppeltorte. Doch zunächst schloss Beljanski die Begrüßung mit Dankesworten an alle Initiative-Mitglieder und Förderer der Erholungsaufenthalte.

 

Es war voll im großen Raum des Dekanatsjugendhauses. Vertreter von Dekanat und Stadt wie auch der ehemalige Initiative-Gründer Hans Joachim Adolph waren gekommen. Als Dolmetscher fungierte Willi Lückel, langjähriges Mitglied und Leiter der Vogelsbergschule. Freundlich wandte sich der stellvertretende Dekan Wolfgang Keller an Kinder und Lehrkräfte: „Zwölf mal war das Dekanat Schotten Gastgeber, dieses 13. Mal ist es das Dekanat Büdinger Land, und ihr werdet ein ebenso tolles Programm haben wie die Kinder vor euch.“ Er schloss mit Dankesworten an die Initiativgruppe für ihr zuverlässiges Engagement. Diesen Gedanken griff Dekanin Sabine Bertram-Schäfer auf: „ Ich bin stolz, dass es in unserem Dekanat Menschen gibt, die so langjährig bei einem Hilfsprojekt tätig sind.“ Den Kindern wünschte sie gute Erlebnisse hier und eine Stärkung ihrer Gesundheit. Wertschätzung der Initiativgruppe sprach auch Bürgermeisterin Susanne Schaab aus. Als Willkommensgeschenke hatte sie Eisdielengutscheine für die Gruppe mitgebracht und weitere zum Einkaufen für die Erwachsenen. Sie erinnerte an das wieder geöffnete Schwimmbad und wünschte den Kindern viel Freude in Schotten: „Kommt einmal wieder!“ „Dankeschooooon!“ riefen die Kinder im Chor. Einige deutsche Worte hatten sie schon gelernt, nur die Umlaute sind noch sperrig.

 

 

„Die Kinder kommen mit Vorfreude, sie haben von früheren Besuchergruppen viel Schönes über Schotten und den Vogelsberg gehört“, betonte Galina Kutscherowa. Was sie von der Ruine des Kernkraftwerks Tschernobyl mit dem schadhaften Betonsarkophag und der belasteten Umgebung berichtete, war sehr ernst. Viele Hintergründe höre die Bevölkerung erst jetzt, im offiziellen weißrussischen Fernsehen sei gesagt worden: „Mindestens sieben Generationen werden noch unter der Belastung zu leiden haben.“ Seit dem Super-GAU hätten dank der Hilfe von 30 Ländern eine Million ukrainischer und weißrussischer Kinder an Erholungsmaßnahmen teilnehmen können. Die meisten Erholungsaufenthalte hätten Deutschland, Italien und Nordirland geboten. „Das Dekanatsjugendhaus ist für die Kinder wie ein Vaterhaus, deren Eltern sind ihnen unendlich dankbar“ – bewegt wandte sich Galina Kutscherowa direkt an die Gastgeber. Sie übersetzte das Segenslied, das Michail Koschewski zur Gitarre sang: „Ihr seid Leute, deren Herzen nicht für Leidende verschlossen sind...“ Auch die Gruppe hatte Gastgeschenke mitgebracht. Ein kleiner Wisent aus Glas ging an die Bürgermeisterin: „So stark soll ihre Kommune sein.“ Für die Dekanin und ihren Stellvertreter gab es drollige Koboldfiguren, als gute Hausgeister in den Kamin zu stellen. Ein deutsches Lied der Kindergruppe leitete zum gemeinsamen Essen über.