Partnerschaftssonntag 2016 - Bad Salzhausen

„Malen ist für mich wie beten“

 

PARTNERSCHAFT:  Gottesdienst mit Ausstellung verbunden

 

Quelle: Kreis-Anzeiger 26.05.2016

 

(BAD SALZHAUSEN/det) - Wie feiern und erleben die Menschen in Indien kirchliche Feste? – Diese Frage stand im Mittelpunkt des Partnerschaftsgottesdienstes, der diesmal im Evangelischen Gemeindezentrum Bad Salzhausen stattfand. Die Orgel spielte Katrin Anja Krauße, das Team des Weltladens bot fair gehandelte Waren an.

 

2015 konnte in Nidda das 25-jährige Bestehen der Partnerschaft der Dekanate Nidda, Büdingen, Vogelsberg und Alsfeld mit der Diözese East Kerala in Südindien gefeiert werden. Der erste Partnerschaftsgottesdienst im neuen Dekanat Büdinger Land war jetzt mit über 100 Teilnehmer erfreulich gut besucht. Verbunden war er mit einer Ausstellung der indischen Künstlerin Lucy D‘Souza-Krone. Deren Werke sind noch bis zum 2. Juni wochentags zwischen 16 und 18 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 14 bis 18 Uhr im Gemeindezentrum Bad Salzhausen zu sehen ist. Auch ihre Bilder greifen „Kirchenfeste in Indien“ auf, als zweiten Schwerpunkt das Thema Klimagerechtigkeit.

Licht und Schatten.

 

Reizvolle Berglandschaft, Heimat der traditionellen indischen Heilkunst Ayurveda – aber auch Armut, erschwerter Zugang zu Bildung, Chancenlosigkeit: Pfarrer Thomas Philipp (Profilstelle Mission und Ökumene) stellte Licht und Schatten in East Kerala dar. Die Liturgie gestalteten Dekanin Sabine Bertram-Schäfer und die Pfarrer Eberhard Hampel und Thomas Philipp.

 

„Namasteh“ – mit dem indischen Gruß, der „Meine Seele grüßt die Seele in Dir“ bedeutet, wandte sich Lucy D‘ Souza-Krone an die Gemeinde und führte in ihre Malerei ein. Die in Goa an der Westküste des indischen Subkontinents geborene Frau lebte während des Studiums, während ihrer Tätigkeit in sozialen Initiativen in verschiedenen Staaten Indiens und kam vor 27 Jahren in die Bundesrepublik. „Deutsch ist meine fünfte Sprache.“ Sie sei in einer katholischen Familie aufgewachsen, habe aber Berührung mit mehreren anderen Religionen in Indien gehabt und von jeder etwas mitgenommen. Das habe sie künstlerisch inspiriert. „Malen ist für mich wie beten. In meine Bilder fließen viele Gedanken aus der Bibel ein, aber auch aus Büchern anderer Religionen“, erläuterte sie.

 

Sabine Bertram-Schäfer, Thomas Philipp und Eberhard Hampel lasen Bibelabschnitte, auf die sich Bilder D‘Souza-Krones bezogen, die Künstlerin vertiefte dies mit eigenen Gedanken. So malte sie zur Verheißung des Alten Testaments vom „Land, in dem Milch und Honig fließen“ in vier Kreissegmenten die Natur im Wechsel der Jahreszeiten, im Zentrum steht das Auge Gottes. Im fünften Buch Mose wird dem nach Gottes Gesetzen Lebenden Segen, dem Ungehorsamen Fluch verheißen. Auch dieses Bild ist geteilt, zeigt einen Baum, dessen eine Seite grün, fruchtbehangen ist, die andere vor einem düster rot-grauen Hintergrund welk, mit herabhängenden Ästen dargestellt.

 

Die Malerin sprach Extremtemperaturen in Neu Delhi von 44 Grad Celsius an, schilderte die Not der Kleinbauern, der Armen, die Vernichtung der Ernte durch den Klimawandel. „Unser Lebensstil hat Auswirkungen auf die andere Seite der Welt.“ Von einem Leben spendenden Wasserstrom ist im Buch Ezechiel die Rede. Die Malerin stellte ein Gesicht in den Mittelpunkt des Bildes, umschlossen von kreisförmigen, von Bäumen gesäumten Wasserströmen: „Von Gott kommt Heiliges in unser Herz, unseren Körper. Was von dort fließt, bringt Leben“.

 

 

Nach dem Gottesdienst wanderten die Besucher an den Bildern entlang, bewunderten die kräftigen und doch harmonischen Farben, die feinen Ornamente, die aber nicht mit dem Pinsel, sondern mit einem Spatel gezeichnet wurden.

 

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Die Werke zu den Themen „Die großen Feste des Kirchenjahres im indischen Kontext“ und „Kunst für Klimagerechtigkeit“ sind bis zum 6. Juni wochentags zwischen 16:00 und 18:00 Uhr sowie samstags und an Sonn- und Feiertagen von 14:00 bis 18:00 Uhr in der evangelischen Kirche Bad Salzhausen zu besichtigen.