DRIN-Projekt

Wo sich Familien erholen können, ohne wegzufahren

KULTURBAHNHOF Dekanat lädt zum „Urlaub ohne Koffer“ ein / Gefördert von der Landeskirche

 

Quelle: Kreis-Anzeiger - 23.07.2016

 

 

(BLEICHENBACH/det) - Die Rollos sind halb heruntergezogen, nach der Hitze draußen ist es angenehm temperiert im Jugendkulturbahnhof. Das Essen mit den beliebten Waffeln mit Kirschsoße ist verzehrt, die Küche aufgeräumt. Jetzt eine ruhige Phase: Kleine und Große in zwei verschiedenen Räumen gestalten die Monatsblätter, die zu einem Kalender zusammengefügt werden sollen. Sieben Familien mit Kindern und Jugendlichen zwischen vier und 14 Jahren nehmen eine Woche lang an der Aktion „Urlaub ohne Koffer – Erholen ohne wegzufahren“ des evangelischen Dekanates Büdinger Land teil. Eine Großmutter mit Enkeln ist dabei, ein Vater mit seinen Kindern, einige Alleinerziehende. „Szenenwechsel ohne großen Fahrtaufwand, Austausch in der Gruppe, Raum für Kreativität, gegenseitige Anregung, Entspannung und das Spielbedürfnis der Kinder“ beschreibt die Sozialarbeiterin Karin Kornelia Brückmann (Begleitung von Müttern in Konfliktsituationen und von Alleinerziehenden im evangelischen Dekanat Büdinger Land) das Angebot. Zusammen mit den Gemeindepädagoginnen Renate Nagel-Kroll und Ruth Weyel-Bietz begleitet sie „Urlaub ohne Koffer“. Unentbehrlich sind aber auch die Ehrenamtlichen im Team, drei Mädchen und ein Junge kurz vor dem Abitur. Ob Hilfe bei der Kalendergestaltung oder Wasserschlacht draußen auf der Wiese – immer sind sie Ansprechpartner, Spielgefährten. Das ist gut so, denn die Kinder sind von Alter und Interessen sehr unterschiedlich, manche brauchen viel Unterstützung.

 

Gefördert wird „Urlaub ohne Koffer“ durch das Projekt „Drin“ der Evangelischen Landeskirche in Hessen und Nassau. Die Buchstaben stehen für „Dabei sein – Räume entdecken –Initiativ werden –Nachbarschaft leben“. „,Drin’ lässt Gestaltungsraum“, lobt Brückmann. „Im Dekanat Wetterau wird ein Interkultureller Garten gefördert, in Gießen ein Nachbarschaftsnetz, in Grünberg ein Treffpunkt mit dem hübschen Namen Sofa (Sozialer Ort für alle), bei uns die Ferienaktion.“

 

 

Diese beginnt täglich um 10.30 Uhr. Vor dem Jugendkulturbahnhof ist ein Haltepunkt, so kommen manche Familien mit dem Zug an. In einer gemeinsamen Runde stimmen sich alle auf den Tag ein, zeigen mit Smileys, die auch traurig dreinsehen können, wie es ihnen geht, singen, machen sich Gedanken über das Tagesmotto. Das Mittagessen wird gemeinsam vorbereitet, auch die Kinder sind dabeiv. Eine Mutter: „Es ist angenehm, gemeinsam zu essen, sich zu unterhalten, ohne Telefongeklingel, ohne Stress und Eile.“ Im folgenden Kreativabschnitt arbeiten Kinder und Eltern in verschiedenen Räumen an Kalenderblättern. Papierbatik, Spritzdruck, Mandalas: Die Eltern probieren gern aus, wie mit gestalterischen Techniken Individuelles entsteht. Eine Kaffee- und Teepause folgt, aber meist zieht es die Kinder zum Spielen, am liebsten nach draußen: Fußball auf der Wiese, Frisbee und Wasserspiele. Müde Kinder oder allzu aufgedrehte können mit den jugendlichen Betreuern nach oben in einen ruhigen Raum gehen, sich eine Auszeit nehmen. Für die Eltern ist das eine Gelegenheit, sich auszutauschen. Ernsthafte Probleme, Sorgen um den Arbeitsplatz etwa, kommen genauso zur Sprache wie Alltägliches. Dann sind Eltern und Kinder Seite an Seite bei einem weiteren Kreativabschnitt mit den Kalendern beschäftigt. In einem abschließenden Blitzlicht tauschen sich alle in der Runde noch einmal über den Tag aus. Das geht bis Samstag, dann wird mit einem gemeinsamen Fest, zu dem weitere Angehörige eingeladen sind, der „Urlaub ohne Koffer“ beendet.