TSCHERNOBYL:  Kinder aus Weißrussland wieder in Schotten / Veranstaltungsreihe

Erinnerungen an die Zukunft

31.05.2016

 

Quelle: Kreis-Anzeiger 31.05.2016

 

(SCHOTTEN/em) - Vom 12. Juni bis zum 4. Juli sind zum 13. Mal Kinder aus dem weißrussischen Ort Mertschitzy zum Erholungsaufenthalt im Schottener Dekanatsjugendhaus. Weißrussland war von der Tschernobyl-Strahlenkatastrophe am 26. April 1986 stark betroffen. Der Super-GAU hat insbesondere in den umliegenden Gebieten die Erkrankungszahlen steigen lassen und wird noch Generationen belasten. Auch wenn viele Kinder nicht manifest erkrankt sind, sind sie kleiner als Gleichaltrige, infektanfälliger, haben Zahn- und Knochenschäden. Um sie durch Erholungsaufenthalte in wenig belasteten Gegenden zu stabilisieren, entstanden Initiativgruppen, die Einladungen organisierten. So auch im ehemaligen Evangelischen Dekanat Schotten. Im Oktober 1992 trafen sich neun Engagierte und gründeten die Initiativgruppe „Hilfe für Tschernobylkinder“, 1993 waren 45 Kinder aus Mertschitzy und dem Nachbarort Logoschin im Freizeitheim Ulrichstein zu Gast. Unter dem Motto „Erinnerungen an die Zukunft“ gibt es nun eine Veranstaltungsreihe anlässlich der 30. Jahrestags des Reaktorunglücks. Organisatoren sind die Initiativgruppe und das Evangelische Dekanat Büdinger Land in Kooperation mit der Stadt Schotten und weiteren Gruppen.

 

„Erinnerung an die Zukunft“ ist auch der Titel einer Ausstellung, die von der Friedensbibliothek und dem Antikriegsmuseum der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg zusammengestellt wurde. Aufnahmen von Menschen, Städten und Landschaften nach Auswirkungen von Nuklearwaffeneinsatz, aber auch von zivilen Reaktorunglücken werden gezeigt, Aussagen Betroffener und beteiligter Wissenschaftler stehen daneben. An die ungelösten Fragen der Nukleartechnologie, militärisch wie zivil, soll erinnert werden. Die Präsentation ist von Montag, 6. Juni bis Donnerstag, 23. Juni im Bürgerbüro der Stadt Schotten zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Montag bis Mittwoch von 7.30 bis 16.30 Uhr, Donnerstag 7.30 bis 19 Uhr, Freitag 7.30 bis 12.30 Uhr und Samstag von 9 bis 11 Uhr.

Die Tschernobyl-Katastrophe – nur eine Folge der „qualitätsmäßig unterlegenen“ sowjetischen Kernkraftwerke? Der Dokumentarfilm „Die Wolke Tschernobyl und die Folgen“, 2011 nach dem Reaktorunglück von Fukushima gedreht, zeigt die Gefahren der Kernkraftnutzung auch in anderen Ländern. Anschließend ist Gelegenheit zum Gespräch über Konsequenzen und Energiewende. Der Filmabend am Mittwoch, 8. Juni, um 19 Uhr in der Forstschule wird vom Verein Erneuerbare Energien in Kooperation mit Dekanat und Initiativgruppe organisiert, der Eintritt ist kostenlos.

Musikfreunde sollten sich das Benefizkonzert des Heart-Chores zugunsten der Tschernobyl-Initiative am Freitag,17. Juni, um 19.30 Uhr in der Liebfrauenkirche vormerken. „Lieder, die uns bewegen“: Dieser junge Chor unter dem Dach des Gesangvereins Kefenrod bietet ein mitreißendes Programm aus moderner Chorliteratur, Gospels und mehr.

 

Riskante Kernkraftnutzung , aber kein Ausweg? Im Gegenteil: Beim Vortragsabend „Die unerträgliche Nachhaltigkeit des Seins“ am Montag, 20. Juni, um 20 Uhr im Dietrich Bonhoeffer-Haus geht es um intelligente Alternativen zu Energieverschwendungsgesellschaft und Raubbau an der Natur. Der Referent Frank Uwe Pfuhl, Diplom-Agraringenieur, Gründer der „Umweltwerkstatt Wetterau und Nabu-Aktivist, zeigt Projekte eines gewandelten Lebensstils auf: Solidarische Landwirtschaft, engeres nachbarschaftliches Zusammenleben mit Community Gardening, Mobilität ohne Auto und vieles andere mehr. Anschließend ist Gelegenheit zur Diskussion. Der Eintritt ist kostenlos.

 

 

Die Engagierten der Tschernobyl-Initiative sind dankbar, dass Vereine und Einzelne schon Freizeitangebote für die weißrussischen Kinder planen: Besuch auf dem Bauernhof, gemeinsames Backen und mehr. Doch der Aufenthalt ist aufwendig und weitere Spenden werden gebraucht. Die Konten sind bei der VR-Bank Main-Kinzig-Büdingen BLZ 506 616 39, Konto 72172118, oder bei der Sparkasse Oberhessen, BLZ 518 500 79, Konto 1200043630; Kuchenspenden für die Zwischenmahlzeiten der Kinder werden gern entgegengenommen, um Absprache bittet die Vorsitzende der Tschernobylinitiative, Annelore Beljanski, (06044/1061).

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