Schöpfungstag 2016 in Bad Salzhausen

Urbestandteile der Schöpfung

7.09.2016

 

Quelle: Kreis-Anzeiger 7.09.2016

 

 

 

(BAD SALZHAUSEN/mü) - „Die ganze Schöpfung – Lobpreis Gottes“ lautete das Motto des ökumenischen Tages des Schöpfung der – von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen 2010 ins Leben gerufen – alljährlich am 2. September begangen wird. Das Thema entstammt einer Komposition der Ordensgründerin, Äbtissin, Musikerin, Mystikerin, Naturforscherin und Heilkundigen Hildegard von Bingen.

 

Der ökumenische „Arbeitskreis Schöpfungstag“ um Bildungsreferentin Rita Stoll vom Dekanat Büdinger Land – bestehend aus Mitarbeiterinnen der evangelischen Dekanate Büdinger Land und Wetterau sowie des katholischen Dekanats Wetterau/Ost – hatte den Kurpark für einen Spaziergang mit dem Thema „Die vier Elemente“ ausgewählt. Denn Feuer, Wasser, Luft und Erde sind es, die nach Hildegard von Bingen die Urbestandteile der Schöpfung verkörpern und jeweils in ihrer speziellen Art das Lob Gottes anstimmen. Etwa 50 Interessierte, darunter evangelische und katholische Pfarrer der Umgebung sowie Dekanin Sabine Bertram-Schäfer waren der Einladung gefolgt. Spontan kam das Altenstädter Musiktrio Udo Engelhardt und Marion Muthler (Gitarren) sowie Martina Engelhardt (Flöte) hinzu, das unterwegs für eine stimmige Untermalung der Gesänge und den musikalischen Ausklang in der Kirche sorgte.

Die erste Station des spirituellen Spaziergangs war dem Element Wasser gewidmet. An der Lithiumquelle verlas das Team um Rita Stoll zum Teil selbst formulierte, zum Teil zitierte Texte rund um das Urelement des Lebens, mit dem die Kirchen taufen, das in Bad Salzhausen der Erfrischung und Heilung dient und das als kostbares Trinkwasser in die Verantwortung des Menschen gegeben ist. Dort wie an den drei weiteren Stationen wurde die Bedeutung der Elemente als Gabe und ökologische Aufgabe deutlich sowie die Tatsache, dass der Mensch Teil der natürlichen Kreisläufe auf der Erde ist.

 

Am Kräutergarten hinter der Trinkkuranlage, der durch die Maßgaben Hildegards von Bingen inspiriert ist, erläuterte Gast-Rednerin Helga Stede, wie sie selbst als Rheumatikerin die wohltuende Wirkung von Heilkräutern am eigenen Leib erfahren habe. Heute betreut sie den Kräutergarten – Sinnbild für das Element Erde, seine Pflanzen und seine Früchte – sorgfältig, oft zusammen mit Übersiedlern und Flüchtlingen, die sich für ihre Arbeit interessieren und spontan erklären, dass sie unentgeltlich helfen möchten.

 

 

Am Gradierwerk verdeutlichte Isabelle Melloni, einen zarten Fächer in der Hand, die Bedeutung des Elements Luft. „Es steht für den Atem und damit für das Leben, für Wolken, Wind, Wetter, aber auch für die Kraft des Unsichtbaren und damit für Gott selbst. Wie kostbar das Element Luft ist, spüren wir erst, wenn es uns fehlt oder wenn wir es durch Verschmutzung zu zerstören drohen.“ Zehn Minuten lang umrundeten die Teilnehmer, ruhig und tief ein- und ausatmend, das Gradierwerk – so wie sie zuvor vom Wasser der Lithiumquelle gekostet und am Kräutergarten der Vorstellung nachgegangen waren, mit der Erde verwurzelt zu sein.

 

Die letzte Station, unmittelbar vor der evangelischen Kirche, war dem ambilvalenten Element Feuer gewidmet, mit dessen zerstörerischen Seiten der Mensch sich genauso auseinandersetzen muss wie mit den nützlichen Aspekten: Wärme, Licht, Schutz vor wilden Tieren, Möglichkeit zur Bereitung von Speisen, Energiequelle des technischen Fortschritts.

 

 

In der Kirche erläuterte das Vorbereitungsteam die dort ausgestellten Gemälde der seit zehn Jahren in Deutschland lebenden indischen Künstlerin Lucy d’Souza-Krone. Vier Bilder, die in leuchtenden Vogel- und Spiralformen die vier Elemente darstellen, hatte das Team am Altar und in Korrespondenz zu den Glasfenstern der Kirche arrangiert. In diversen Texten erläuterten die Rednerinnen die Bedeutungen der Gemälde, den Werdegang der Künstlerin, ihre vielschichtige religiöse Entwicklung und ihr Engagement für den Schutz der Schöpfung. Den Ausklang bildete das irische Tanzlied „The King of the Fairys“, unter Begleitung der Gitarren betörend intoniert von Martina Engelhardt auf der Flöte.