Glauburg

Glauberger können ihre Kirche noch immer nicht nutzen

SANIERUNG: Probleme mit dem Putz und ein alter Wasserschaden haben die Arbeiten verzögert

 

Quelle: Kreis-Anzeiger 13.07.2016

 

 

(GLAUBERG/(asl) - Seit gut einem Jahr wird die evangelische Kirche in Glauberg renoviert, länger als anfangs geplant. Eigentlich sollte schon das Weihnachtsfest in einem frisch sanierten Gotteshaus gefeiert werden. Doch es kam anders. Grund für die Verzögerungen war der Kalkputz, der nach den Maßgaben des Denkmalschutzes eigentlich für die Wände verwendet werden sollte, aber nicht trocknete, erklärt Pfarrer Jürgen Füg bei einer Ortsbesichtigung zusammen mit der Restauratorin Christiane Kunz-Weiß, Kirchenvorsteher Erich Kempel und dem Glauberger Baudekorateur Harald Mogk.

 

 

Gleichzeitig wurden weitere unerwartete Reparaturarbeiten notwendig, die nicht mit eingeplant waren.

„Der Kalkputz trocknete nicht so, wie vorgesehen. Die Folge waren durch und durch fleckige Wände. Ich war ein bisschen frustriert“, gibt Mogk angesichts der Ergebnisse seiner mühevollen Arbeit zu. Und Füg ergänzt: „Jeden Sonntag hätten die Leute in der Kirche gesessen und gefragt, was hat denn der Mogk da gemacht. Das wollten wir auch nicht.“

 

Vorgesehen war, so die Restauratorin, den Kirchenraum mit Kalkfarbe zu streichen, so wie er bei einer Erweiterung in den Jahren 1732/33 gestrichen worden war, eine für die Barockzeit typische Farbe, so Kunz-Weiß. Wie damals, sollte wieder Kalkfarbe zur Verwendung kommen, um sich dem historischen Konzept zu nähern. Nach den wenig zufriedenstellenden Ergebnissen habe man sich nun, auch nach Rücksprache mit den Verantwortlichen bei der Landeskirche, der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), auf eine Silikatfarbe auf mineralischer Basis verständigt.

 

Bei den umfangreichen Arbeiten sei außerdem festgestellt worden, dass ein Deckenbalken aufgrund eines Wasserschadens morsch war. Das Kirchendach war vor rund zehn Jahren aufwendig erneuert worden, doch offenbar hat es undichte Stellen gegeben. Das dürfte ein Grund für die hohe Luftfeuchte gewesen sein. Der Schaden sei umfassend behoben worden. Eine weitere Ursache sei die schlechte Durchlüftung. Deshalb sollen in einige der Kirchenfenster kleine Kippfenster eingebaut werden, damit die Luft in dem Gotteshaus zirkulieren kann.

 

Bald werden dann auch die bereits geplanten Arbeiten weiter gehen können. So soll der Altar, dessen Platte wohl noch älter als die Ende des 12. Jahrhunderts urkundlich erwähnte Kirche ist, nach der Renovierung näher an die Kirchenbänke herangerückt werden, und die Stufen zum Altar wird es dann auch nicht mehr geben, berichtet Füg. Das hat den Vorteil, dass sich die Gemeinde beim Abendmahl rund um den Altar versammeln kann und nicht nur davor, so der Pfarrer.

 

Im Rahmen der Renovierungsarbeiten werden auch die Elektrik, die Heizung und die Beschallungsanlage erneuert, Empore und Kanzel gründlich gereinigt. Und die Orgel, die derzeit verpackt an Ort und Stelle steht, muss anschließend einer Überprüfung unterzogen und sicher auch neu gestimmt werden.

 

Der Kostenrahmen in Höhe von 300000 Euro, den Großteil davon bezahlt die EKHN, dürfte nun jedoch nicht mehr einzuhalten sein, befürchtet Füg. Damit werde auch der Anteil der Glauberger Kirchengemeinde an den Kosten, nämlich 80 000 Euro, steigen. Bei einer Haussammlung im vergangenen Herbst seien rund 10000 Euro zusammengekommen, freut sich Kempel. Wann genau Wiedereröffnung gefeiert wird, wollen Füg und Kempel aber nicht sagen. „Nach den jüngsten Erlebnissen halten wir uns lieber zurück.“ Deshalb finden die Gottesdienste weiterhin im Gemeindesaal in der Alten Schule statt, festliche Gottesdienste in der Stockheimer Kirche.