Nidda: Benefizkonzert zugunsten der neuen Orgel

Ernst, ironisch, sanft, rebellisch

BENEFIZ Frederik Ritter konzertiert zugunsten des Orgelprojekts

 

Quelle: Kreis-Anzeiger - 31.08.2016

 

(NIDDA/em) -  Pfarrerin Hanne Allmansberger konnte in der Niddaer Stadtkirche zu einer Benefizveranstaltung begrüßen, die den Zeiger der Orgeluhr dem Ziel wieder ein Stückchen näher rücken ließ. 60 Zuhörer waren zum zweiten Solo-Konzert des 20-jährigen Frederik Ritters gekommen. Auch jetzt in der Ausbildung fühlt er sich noch der Kirchengemeinde verbunden, an deren Musikleben er im Kinder- und Jugendchor teilnahm. Gesangsunterricht bei Ronny Rickfelder, Klavierunterricht bei Thomas Kiersch trugen dazu bei, dass Frederik Ritter einen eigenständigen Weg zur Musik fand und sich zum Singer-Songwriter entwickelte.

 

 

Nun brachte er in seinem Programm „Meine Welt 2.0“ neue und ältere Songs, begleitete sich zunächst am E-Piano und bot gleich im ersten Lied ein ironisches Selbstporträt: „Manche Leute glauben, ich wär ganz normal“, dann, mit Rock-Akkorden untermalt, „Ich mach halt gern verrückte Sachen“. Ritter steht dazu, ein Individualist zu sein: „Mein Leben ist frei... ich bin nicht wie die andern. Ich hab klare Sicht, ich will weiterwandern“ hieß es im zweiten Titel. Unbeschwerte Reiselust prägt einen neuen Song, seinem Lieblingsgetränk Apfelwein gewidmet: „Den besten gibt’s in Irland.“ Und dann eine lautmalerische Melodie, ein kleines Forte bei der Schilderung des Thekengetümmels: „Bist du noch immer nüchtern/ Und weißt nicht weiter/ Dann geh zur Bar, bestelle/ just one pint of Cider.“ Das Publikum ließ sich gern auf eine so beschwingte Reise mitnehmen.

 

Fabulieren, Texte erfinden, Liebe zur Musik spielen eine unverzichtbare Rolle im Leben des jungen Mannes. Schon als Achtjähriger habe er sich sein erstes Lied ausgedacht, aber noch heimlich für sich gesungen, bekannte er in einem früheren Gespräch, „wenn ich traurig war, wenn ich Ärger hatte“. „Auch heute entstehen in einem Jahr mehrere Lieder“, berichtete er jetzt, „genug auch für ein drittes Programm, das ,Boden unter den Füßen‘ heißen könnte“. Viele Zuhörer, die ihn von klein auf kennen, fanden es anrührend, wie seine Songs, die Nuancen seiner Tenorstimme das Sinnieren über sich selbst, über die Widersprüche der Welt wiedergeben. „Sind wir nicht alle Menschen?“, fragte er in einem Lied zur Flüchtlingskrise. Mit Gitarrenbegleitung sang Frederik Ritter Hannes Waders Antikriegslied „Es ist an der Zeit“. Der Refrain „...warst Soldat nur um zu sterben, nicht um jung zu sein“, hatte große Eindringlichkeit.

 

Der 20-Jährige verfügt über eine nuancenreiche Tenorstimme, brachte „Die Gedanken sind frei“ mit dem stimmigen Beiklang von Unbekümmertheit und Rebellion. Wieder am E-Piano kam er auf „das Wunderschönste auf der Welt“ zu sprechen: die Liebe. Das hinderte ihn aber nicht, auch ein ironisches Liebeslied zu verfassen: „Danke, dass Du weg bist. So gut ging‘s mir noch nie“. Als Kontrast erklang dann mit einer zärtlichen Melodie „Wir liegen uns in den Armen nach einer langen Zeit“. Ein spezielles Lied durfte nicht fehlen: „Danke, dass Du mir inn´ren Frieden verleihst, Niddaer Orgelklang zum Heiligen Geist“.

 

Ritter schloss mit Dankesworten an Dominik Bingel, der die Aufnahmen für die Live-CDs und DVDs machte, an Hanne Allmansberger und die evangelische Kirchengemeinde wie auch an seine Eltern. Mit einem sanften melodischen Abendlied schickte er die Besucher auf den Heimweg: „Denn die Nacht hat sich über uns gelegt“.

 

„Deine Lieder waren gerade bei den ernsten, leisen Stellen besonders eindringlich“, dankte Pfarrerin Allmansberger für den Abend.