Rainrod

Wiegende Traurigkeit und helle Hoffnung

BRASILIANISCHE IMPRESSIONEN:   Begegnung mit dem Gastgeberland der Olympiade in Rainröder Kirche

 

24.08.2016

 

Quelle: Kreis-Anzeiger

 

(RAINROD/em) -  Der sanfte eindringliche Klang einer Sologitarre des Gitarristen Baden Powell de Aquino stand am Anfang einer sommerlichen Abendandacht „Brasilianische Impressionen“ in der eangelischen Kirche Rainrod. Pfarrer Dr. Peter Möser und Kirchenvorsteherin Ingrid Schmoranzer hatten zum Schluss der Olympiade diese Begegnung mit dem Gastgeberland zusammengestellt, aber ganz ohne Glanz, Glamour und Kampf um Medaillen. „Traurigkeit hat immer eine Hoffnung“ – eine Gedichtzeile von Vinicíus de Moraes war das Motto der meditativen Stunde mit Musik und Lyrik Brasiliens und der zugrunde liegenden Botschaft. Dieter Stamm spielte die Orgel, auch die Gemeindelieder waren auf die abendliche Stunde eingestimmt. „Du großes Geheimnis, das ich in der Stimme des Windes vernehme“ – Schöpfungsbilder prägten ein schönes indianisches Gebet, das Ingrid Schmoranzer vortrug. „Die Traurigkeit, das Wissen um die Vergänglichkeit des Glücks und das Festhalten an der Hoffnung spielen eine große Rolle in den Liedern Brasiliens“, betonte Pfarrer Möser. Er schilderte kurz das Auf und Ab im Leben des Meistergitarristen Powell, in dessen Werk Barockmodulationen wie Motive von Jazz und Samba auftauchen sowie afrobrasilianische und europäische Stilelemente verbunden sind. Powells Solo-Komposition „Sentimentos“ mit hellen Staccatoläufen und dunklen, weichen Abschnitten wurde eingespielt. Mit der Lesung aus dem Johannes-Evangelium sprach Pfarrer Möser die Agape an, „die Liebe, die den anderen in seiner Lebendigkeit unterstützt und Frieden in eine friedlose Welt bringt“. „Ein guter Samba ist eine Art Gebet, ist wiegende Traurigkeit und helle Hoffnung“: Kernstück der Andacht war die Aufnahme „Samba des Segens“ mit Powells Gitarrenspiel. Von einer Gruppe mit Rhythmusinstrumenten begleitet, sang und sprach er zugleich Verse von Moraes. Statt des gewohnten Fürbittegebets gab es Worte von Hans Dieter Hüsch: „Gott nimmt uns in seinen Arm, wenn wir müde sind.“ Ingrid Schmoranzer hatte als Abschlussgebet einen „Segen für die Welt“ gewählt, Länder rund um den Erdball waren angesprochen. Die Zuhörer schätzten die intensive Atmosphäre der Andacht, es gab Dankesworte. Mehrfach schon gab es in der Rainröder Kirchengemeinde solche abendlichen Sommerandachten, die in einer freieren Form besondere Musik und entsprechende Texte wählen.