„Unser Dekanat ist ein weites fruchtbares Feld“, sagt Gemeindepädagoge Gerhard Griestock. Mehr als 38 Jahre lang hat er dieses Feld in ganz unterschiedlichen Funktionen mitgestaltet und geprägt. Nun verabschiedet er sich in den Ruhestand – und möchte das große Dekanat Büdinger Land, das sich von Ulrichstein bis Langen-Bergheim und von Gettenau bis Burgbracht erstreckt, noch einmal auf besondere Weise erleben: pilgernd, Schritt für Schritt, begleitet von Weggefährtinnen und Weggefährten aus seinem Berufsleben. „Für mich ganz persönlich ist das auch ein langes Dankgebet mit den Füßen. Und hilft mir, beim Gehen gute Übergänge zu spüren, die jetzt in meinem Leben dran sind.“
1987 ist Gerhard Griestock als Dekanatsjugendreferent in die Dienste des damals selbstständigen Dekanats Büdingen getreten. Studiert hat er an der Evangelischen Hochschule in Darmstadt und im Anschluss zunächst als Gemeindepädagoge in Weiterstadt gearbeitet. Im Jahr 2016, nach der Fusion der Dekanate Büdingen, Nidda und Schotten zum Dekanat Büdinger Land, arbeitete er mit einer Kollegin und einem Kollegen im Team.
Nur zwei Jahre später wandte er sich einem neuen Aufgabenfeld zu, überschrieben mit „Sozialraum und Integration“. Diese Stelle fördert das Zusammenleben von geflüchteten, benachteiligten und sozial etablierten Menschen mit dem Ziel einer gleichberechtigten gesellschaftlichen Teilhabe aller. Dazu werden Projekte und Beteiligungsprozesse im Gemeinwesen initiiert und begleitet, die den interkulturellen Dialog stärken, Vielfalt fördern und den gesellschaftlichen Zusammenhalt unterstützen. Eine Arbeit, die Gerhard Griestock „mit sehr viel Herzblut“ ausgeübt habe, sagte der stellvertretende Dekan Ulrich Bauersfeld bei der Verabschiedung.
In den letzten Monaten seiner Berufsausübung gehörte der Gemeindepädagoge zudem mit halber Stelle dem Verkündigungsteam des Nachbarschaftsraums Niddaer Land an.
Besonders erwähnte Ulrich Bauersfeld das Engagement von Gerhard Griestock für den Jugendbahnhof Bleichenbach, heute Jugendkulturbahnhof. „Sie haben dort intensiv mit Jugendlichen gearbeitet und dabei auch viel an der äußeren Gestaltung des Bahnhofs gewirkt“, so Bauersfeld wörtlich. Als Geschäftsführer des Evangelischen Jugendverbands im Büdinger Land hat Griestock dort viele Jahrgänge von konfirmierten Jugendlichen und jungen Erwachsenen begleitet. Zum Beispiel sind im Herbst 2005 die Jugendvertreter selbst mit einer großen Gruppe vor die Dekanatssynode gezogen, haben ein Rederecht ausgehandelt und in ihrer eigenen Sprache die Bedeutung des Jugendbahnhofs als Identifikationsort und Ehrenamtszentrum im Dekanat verständlich gemacht. Über zwei Jahrzehnte neuer Praxis an diesem Standort und Perspektiven evangelischer Bildungsarbeit haben sich aus dieser Initiative entwickelt.
Auch die Arbeit mit geflüchteten Menschen habe dem Gemeindepädagogen am Herzen gelegen. „Sie haben sich hier an verschiedenen Stellen in unserem Dekanat eingebracht und dabei nicht immer auf die Uhr geschaut, sagte Bauersfeld. So habe Griestock sich im Team mit anderen empathisch und stets seelsorgerlich um „Gäste gekümmert, die wir zeitweise im Dekanat beherbergt haben“.
Das, was er in den insgesamt 40 Jahren in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau geleistet habe, sei das, was letztendlich zählt und bleibt. „Sie haben viel bewirkt, kleine und große Samen ausgestreut, die vielleicht schon lange aufgegangen sind – in den Leben anderer Menschen“, schloss Bauersfeld.
Ähnliche Worte der Wertschätzung fand auch Präses Rolf Hartmann: „Sie hinterlassen Spuren, die lange sichtbar sein werden.“
Und der Neu-Ruheständler selbst? Er freut sich aufs Pilgern. „Mir ist es wichtig, dass es im Dekanat gut weitergeht. Menschen gehen, Menschen kommen, aber das Schiff fährt weiter.“