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© Birgit Arndt / fundus.media
Am Sonntag „Exaudi“ steht alles noch im Zeichen von Jesu Abschied an Himmelfahrt. Aber eigentlich ist es kein Grund zum Traurig-sein, denn Jesus sagt zu seinen Jüngern: „Ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.“ Wenn das nur immer so einfach wäre.
Meistens schwingt beim Abschied eine Welle der Traurigkeit mit. Jemand verlässt uns, etwas verändert sich, Liebgewonnenes muss losgelassen werden. Keine einfache Aufgabe. Und ein Prozess, in dem wir uns gefühlt ständig befinden, seitdem wir Nachbarschaftsräume bildeten und damit konfrontiert sind, dass es in unserer Kirche nicht so bleiben kann, wie es war. Ich muss zugeben, dass auch ich mich manchmal der Wehmut hingebe.
Und dann habe ich Schwester Maria Magdalena aus der Abtei Kloster Engelthal beim Frauenmahl sprechen gehört und das hat mich ein paar Tage begleitet. Vielleicht haben Sie es in der Presse verfolgt: Die Benediktinerinnen verlassen das Kloster in wenigen Monaten und die Diakonie möchte den Standort übernehmen und dort u.a. ein Hospiz einrichten. Ich dachte, das muss doch für die Nonnen ein schwerer Schritt sein und bestimmt sind sie traurig.
Aber Schwester Maria Magdalena hat uns eine neue Perspektive auf das Leben im Kloster und das Danach gegeben. Sie erzählte davon, wie sie ins Kloster gezogen ist und sie die anderen Schwestern „vorgefunden“ hat. Sie verdeutlichte, dass dort Frauen unterschiedlicher Prägung und Alters zu einer Gemeinsamkeit zusammenfinden: der Suche nach Gott. Das sei unglaublich entlastend, denn man muss Gott nicht gefunden haben, sondern man ist gemeinsam auf dem Weg. Alles ist im Fluss, in Bewegung auf dieser Suche. Sie leben miteinander, sie arbeiten miteinander, sie beten miteinander und dann gibt es auch Zeiten der Ruhe und die Möglichkeit des Rückzugs. Sie sind keine Freundinnen, aber sie sind Gefährtinnen, die nach den benediktinischen Regeln zusammenleben, manche schon eine sehr lange Zeit.
Sie wurden nicht gedrängt, das Kloster zu verlassen, sondern haben sich frei und nach vernünftiger Überlegung dazu entschlossen, zu gehen. Schwester Maria Magdalena gab zu, dass es beim Abschied Tränen geben wird, aber auch ein gutes Gefühl, denn sie machen den Platz frei, damit Neues entstehen kann.
Ich muss sagen, diese Frau, ihre Haltung und das Gesagte haben mich tief beeindruckt. Abschied muss nicht traurig sein oder mit Bitterkeit verbunden. Man gibt den Raum frei, damit Neues entstehen kann. Das müssen wir uns viel öfter vor Augen führen, wenn die Traurigkeit und Wehmut uns im Augenblick eines Abschieds überwältigen wollen.
Übrigens werden die Nonnen nach Bingen ziehen und die Jüngeren sich um die Älteren kümmern. Ich finde, das sind wirklich schöne Aussichten und das kann uns zum Vorbild dienen.
Tanja Langer ist Pfarrerin im Nachbarschaftsraum Evangelische Kirchen am Limes
Paul Seling/Pexels.comOb eine schwere Krankheit, ein Trauerfall in der Familie, das belastende Gefühl, einsam zu sein, oder einfach nur ein Coffee-to-go und Feierabend, – nehmen Sie sich einen Moment Zeit, um Impulse für Glauben und ihren Alltag mit seinen Herausforderungen und Freuden aufzugreifen.
Tobias Frick/fundus-medien.deHier finden Sie weitere „Gedanken zum Sonntag" von Pfarrerinnen und Pfarrern sowie Mitarbeiterinnen aus dem Dekanat Büdinger Land.
