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© Birgit Arndt / fundus.media
Manchmal beobachte ich meine Enkelkinder beim Spielen im Garten. Darunter vier Jungs im Alter zwischen drei und zehn Jahren.
„So, wie ich es sage, wird es gemacht!“ – „Nein, so wie ich es sage ist es richtig!“
Da geht es schnell hoch her, wer sich von ihnen im Recht glaubt und meint, seine Meinung sei die allein richtige. Und es kann dann vorkommen, dass der, der sich im Recht glaubt, zum Opa kommt und einfordert: „Sag du ihnen doch mal, dass ich Recht habe!“
„Schaffe mir Recht!“, so auch der Name des morgigen Sonntags „Judika“, dem 5. Sonntag in der Passionszeit.
„Schaffe mir Recht!“, so auch die ersten Worte des 43. Psalms, der an diesem Sonntag in den Gottesdiensten gelesen wird und von dem der Sonntag seinen Namen ableitet. Es ist der Ruf des Psalmbeters an seinen Gott im Gegenüber zu einem Volk, das dieser Beter als „unheilig“ oder auch gottlos bezeichnet.
Und ich höre dieses Wort in unseren Tagen immer öfter – immer lauter – immer fordernder;
Ich höre es in den Medien und Nachrichten, an den Arbeitsplätzen und in den Nachbarschaften, in den Vereinen und Familien.
„Schaffe mir Recht!“, und jeder glaubt mit seinem Denken, mit seiner Meinung oder seiner politischen Überzeugung im Recht zu sein oder es zumindest einfordern zu müssen. Das eigene Recht wird über das Recht der Andersdenkenden gestellt, denn denen fehlt ja (aus der eigenen Sicht) der Durchblick. Wir leben in einer Zeit, in der es zunehmend nur noch um das eigene Recht und um die eigene Sichtweise geht. Das fängt in der großen Politik an und hört beim Streit um die Höhe des Gartenzauns in der Nachbarschaft auf.
Der Sonntag „Judika“ lädt uns aber auch dazu ein, einmal die Perspektiven des Gegenübers einzunehmen und die Sachverhalte unseres Zusammenlebens aus deren Blickwinkel zu betrachten. Kein Mensch hat das Recht für sich gepachtet, sondern wir alle stehen – seien wir nun gläubig oder nicht – unter dem Recht, das Gott über die Menschen gesetzt hat: das Recht auf Liebe und Akzeptanz, auf Würde und der Achtung voreinander.
Zu Durchsetzung dieses Rechts hat Gott Jesus Christus seinen Weg an das Kreuz gehen lassen. Und in ihm hat Gott uns längst unser Recht verschafft. Vielleicht sollten wir dies einmal bedenken, wenn wir das nächste mal glauben, unser persönliches Recht einklagen zu müssen, sei es vor Gott, vor Gericht oder einfach nur im Streit der Enkelkinder vor dem Opa.
Dieter Wichihowski ist Pfarrer im Nachbarschaftsraum Evangelische Kirchen am Limes
Tobias Frick/fundus-medien.deHier finden Sie weitere „Gedanken zum Sonntag" von Pfarrerinnen und Pfarrern sowie Mitarbeiterinnen aus dem Dekanat Büdinger Land.
