Wolken am Himmel angestrahlt von untergehender Sonne. © Birgit Arndt / fundus.media

Himmlische Impulse

Gedanken zum Sonntag

Mehr als Konfetti

von Alexander Starck
für den 15. Februar 2026

In den vergangenen Wochen war die Faschingsfreude schon spürbar: Sitzungen, Kinderfasching, Faschingsgottesdienste und vieles mehr gab es zu feiern. Und nun stehen die närrischen Tage mit zahlreichen Umzügen an.
Die Tage sind voller Farben, Musik liegt in der Luft, und die Vorfreude auf das große Faschingswochenende ist überall spürbar. Straßen und Säle werden zu Bühnen, der Alltag darf Pause machen.

Es ist gut, dass es diese Zeiten gibt: Zeiten zum Lachen, zum Ausgelassensein, zum gemeinsamen Feiern. Am Aschermittwoch ist dann das närrische Treiben schon wieder vorbei und die Passionszeit beginnt. Was bleibt übrig, wenn das rauschende Fest vorüber ist? Oft folgt ja auf eine durchfeierte Nacht der Kater. Manchmal ist er mehr als nur körperlich. Vielleicht lohnt es sich schon mitten in der Vorfreude, darüber nachzudenken, was uns trägt – nicht nur heute, sondern auch morgen. Was trägt uns, wenn Konfetti und Luftschlangen wieder weggefegt sind? Was trägt uns, wenn uns der Alltag wieder fest im Griff hat?

Die Bibel kennt diese Spannung zwischen Fest und Ernüchterung gut. Sie erzählt von Menschen, die das Leben feiern, die Gemeinschaft suchen, die satt werden wollen – und die doch spüren, dass äußere Fülle allein nicht genügt. 
Jesus selbst zieht sich immer wieder zurück, besonders nach intensiven Momenten. Nicht, weil ihm das Leben zu viel wäre, sondern weil er weiß, dass der Mensch mehr braucht als Lärm und Ablenkung. „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“, sagt er, sondern von dem, was ihm wirklich Halt gibt.

Mit dem Aschermittwoch beginnt die Passionszeit – keine freudlose Zeit, sondern eine ehrliche. Eine Zeit, in der gefragt werden darf: Was nährt mich? Was lasse ich an mich heran? Worauf verlasse ich mich, wenn die rauschenden Feten vorbei sind? Die Einladung der kommenden Wochen ist leise, aber klar: innehalten, nüchtern werden, das Wesentliche wieder entdecken.

Vielleicht ist die Passionszeit so etwas wie ein Gegenmittel gegen den Kater danach. Kein schneller Trost, sondern ein Weg, der Tiefe schenkt. Ein Weg, auf dem Gott uns nicht als perfekte Feiernde begegnet, sondern als Menschen mit Sehnsucht. Und der uns zusagt: Du musst dich nicht betäuben oder verstellen, um das Leben zu ertragen. Ich bin da, ich sehe dich – auch dann, wenn der Konfetti-Boden leergefegt ist.

Alexander Starck ist Pfarrer im Nachbarschaftsraum Niddaer Land

Auf einem Tisch liegen eine Bibel und ein Block. Man sieht zwei Hände, die einen text schreiben.Tobias Frick/fundus-medien.de

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