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© Birgit Arndt / fundus.media
Ein schickes Großessen. Viele Leute. Biblisches Personal kümmert sich um ihr Wohl. So erinnere ich ein jiddisches Lied, das ich vor Jahren im Radio gehört habe. Joram besorgte mir jetzt den Text. Da wird der Rabbi gefragt: Was wird geschehen, wenn der Messias kommt? Die Antwort lautet: Wir werden ein Fest feiern, werden den wilden Ochsen und den Leviathan essen, werden Wein aus der Zeit der Schöpfung trinken. Moses, unser Lehrer, wird uns das Gesetz erklären. König David wird für uns musizieren. König Salomo wird uns weise Worte sagen. Die Prophetin Miriam wird für uns tanzen.
Den wilden Ochsen und den Leviathan habe ich gegoogelt. Das sind riesenhafte Ungeheuer aus der jüdischen Überlieferung. Sie symbolisieren das Böse. Der Ochse heißt anderswo Behemoth und treibt sein Unwesen auf dem Land. Der Leviathan ist im Wasser. Es gibt noch eine dritte Bestie: Sis wirkt in der Luft. Allerdings kommt er im Lied nicht vor. Das Böse ist sozusagen in drei Aggregatzuständen allüberall. Bei der Ankunft des Messias wird es unschädlich gemacht und durch gemeinschaftliches Verspeisen beseitigt. Eine tolle Vorstellung.
Ich weiß nicht, ob die drei jüdischen Ungetüme mit dem christlichen Höllendrachen verwandt sind. Der gehörte im Mittelalter zum Inventar der Bilder vom Weltgericht. Hier wird er aber nicht aufgegessen, sondern frisst selbst. Er verschlingt die Bösen, die der Weltrichter verurteilt hat. Während die Erlösten in den Himmel einziehen, ist sein Maul der Eingang zur Hölle. In der nahen Kirche aus dem 15. Jahrhundert kommt er mir nicht wirklich unsympathisch vor. Er erinnert hier ein wenig an den Glücksdrachen Fuchur in der Verfilmung von Michael Endes unendlicher Geschichte. Na ja. Wie dem auch sei. Ich habe mir vorgenommen, gelegentlich der Sache nachzugehen.
Aus meiner Grundschulzeit erinnere ich das Gleichnis vom großen Abendmahl. Lukas vierzehn. Ein Mensch lädt zum schicken Großessen ein. Die Geladenen enttäuschen ihn. Nacheinander entschuldigen sie sich mit fadenscheinigen Ausreden. Sie können nicht kommen wegen Ackerkauf, Ochsenkauf oder Heirat. Die Hochmögenden springen ab. Der Hausherr zürnt. Dann sollen eben andere kommen. Zuerst die Beschädigten, schließlich alle, alle. Ich weiß noch genau, dass ich damals kein Bild der Feiernden in mein Reli-Heft gemalt habe. Ich malte zwei feiste Bauern und ein Hochzeitspärchen. Im Herzen bewegte ich derweil flotte Ausreden, um dem Besuch des Kindergottesdienstes am nächsten Sonntag zu entkommen. Heute denke ich: Ei verflixt noch mal!
Das Festmahl gehört für mich zu den schönen Bildern für Gottes Reich. Die beisammen sind, haben nichts gegeneinander vorzubringen. Ihre Wunden sind verheilt. Freude ist da. Fragen sind beantwortet oder spielen keine Rolle mehr. Die Sorgen sind verschwunden. Alle haben genug. Die Atmosphäre stimmt. Wenn ich Trauerfeiern leite, spreche ich öfter davon. Das Stück Zeit eines Menschen ist verbraucht. Er geht von hier nach dort. Von Wilfried weiß ich, dass er gern gefeiert hat. Er war gesellig im wirklich guten Sinn. Würde ich gefragt, wo er jetzt ist, wäre ich um eine Antwort nicht verlegen. Ich nehme an, er ist zu Tisch.
Friedrich Fuchs ist Pfarrer im Nachbarschaftsraum Büdingen
Tobias Frick/fundus-medien.deHier finden Sie weitere „Gedanken zum Sonntag" von Pfarrerinnen und Pfarrern sowie Mitarbeiterinnen aus dem Dekanat Büdinger Land.
