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© Birgit Arndt / fundus.media
„Ich sah, dass es ein Mensch war.“ Dieser Satz ist der Titel eines Buches aus den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts, verfasst von einem Autor namens H. W. Preuß. Es handelt von Menschen, die Verfolgten in der Zeit der Diktatur Zuflucht gewährt haben. Worum es in den Kapiteln des Buches im Detail ging, weiß ich nicht mehr. Doch den Titel, den habe ich nicht vergessen: „Ich sah, dass es ein Mensch war.“ In den letzten Wochen muss ich vermehrt an diese wenigen Worte denken.
Uns bewegen derzeit viele Fragen in unserem Land. Wie kann es mit unserer Gesellschaft weitergehen? Wie kann es gelingen, dass alle genug zum Leben haben? Wie werden die Ärmeren oder die am Rand Lebenden oder „Abgehängten“ ausreichend versorgt? Manche von uns haben Angst vor der Zukunft, wissen nicht, wie das alles noch werden wird – auch für sie persönlich.
Und viele Menschen machen sich Gedanken, haben Ideen, versuchen neue Wege zu gehen. Nicht alle Wege gefallen allen von uns. Manches, was gedacht, geäußert, geplant wird, sehen andere sehr kritisch.
Doch vielleicht müssen wir neue Ideen, ungewohnte Gedanken wagen, darüber reden und das eine oder andere ausprobieren. Und vielleicht führt die eine oder andere Idee, Änderung oder Reform tatsächlich zu einem guten Ergebnis. Ja, vielleicht müssen wir alle offen sein für Neues. Und wenn der eine Weg nicht gelingt, dann muss nach einem anderen gesucht werden.
Eins aber dürfen wir, da bin ich sicher, bei all dem nicht aus dem Blick verlieren: „Ich sah, dass es ein Mensch war.“ Wir dürfen den anderen als Menschen nicht aus dem Blick verlieren. Alle Menschen haben die gleiche Würde. Davon bin ich als Christ fest überzeugt. Es gibt niemanden, dem wir die Menschenwürde oder das Recht zu leben absprechen dürfen. Wenn politische Ideen beinhalten, dass andere Menschen würdelos behandelt werden, dann dürfen wir diese Ideen nicht zulassen und erst recht nicht ausführen oder unterstützen.
Ich bete dafür, dass die Verantwortlichen in unserer Gesellschaft gute Wege finden, die offenen Fragen zu lösen. Ich bete dafür, dass sie dabei immer im Blick behalten, dass alle Menschen die gleiche Würde haben. Und ich bete dafür, dass wir alle die Weisheit bekommen, die richtigen Wege zu erkennen und zu unterstützen.
Ulrich Bauersfeld ist stellvertretender Dekan im Dekanat Büdinger Land und Pfarrer im Nachbarschaftsraum Evangelische Kirche zwischen Nidder und Bracht
Paul Seling/Pexels.comOb eine schwere Krankheit, ein Trauerfall in der Familie, das belastende Gefühl, einsam zu sein, oder einfach nur ein Coffee-to-go und Feierabend, – nehmen Sie sich einen Moment Zeit, um Impulse für Glauben und ihren Alltag mit seinen Herausforderungen und Freuden aufzugreifen.
Tobias Frick/fundus-medien.deHier finden Sie weitere „Gedanken zum Sonntag" von Pfarrerinnen und Pfarrern sowie Mitarbeiterinnen aus dem Dekanat Büdinger Land.
