Wolken am Himmel angestrahlt von untergehender Sonne. © Birgit Arndt / fundus.media

Himmlische Impulse

Gedanken zum Sonntag

Ich darf scheitern

von Dr. Detlef Metz
für den 11. Januar 2026

Na, wie sieht es an Ihrer „Vorsatz-Front“ aus, zehn Tage nach Neujahr? Dieses mehr: etwa Bewegung; hierfür mehr Zeit; dieses weniger; jenes gar nicht mehr. Das wollten Sie. Und nun? Noch gut dabei, oder schon wieder passé? Ja, es ist wohl ein Kampf.

Auf die Frage nach den Ursprüngen der guten Vorsätze gibt es in der Kulturgeschichtsforschung nicht die eine Antwort, aber dass es viel mit Religion zu tun hat, auf ein gottgefälliges Leben zielte, darüber besteht Einigkeit. Ebenso darüber, dass auch die Vorsätze das durchgemacht haben, was man Säkularisierung nennt: Sie haben sich von der Religion gelöst und dienen heute bei vielen dem, was als Selbstoptimierung bezeichnet wird. Es geht vornehmlich um Fitness, körperliche und mentale Gesundheit.

Vorsätze hatten immer etwas mit dem Übergang über eine Schwelle zu tun: dem Übergang in ein neues, unbekanntes Land, von dem niemand weiß, was es bringen wird. Daher gilt es – so der im Hintergrund stehende Gedanke – das, was dem Menschen möglich ist, in die eigene Hand zu nehmen, um so zumindest ein Stück weit das eigene Glück zu beeinflussen. Indem ich eine positive Richtung einschlage, hoffe ich auch, auf einen positiven Weg zu kommen, der am Ende gekrönt wird.

Es ist gut, sich Gedanken zu machen über das eigene Leben, den Lebensstil, gut auch, andere da mit einzubeziehen, etwa beim Vorsatz: mehr Zeit für Familie, für die Menschen, denen ich verbunden bin, für ehrenamtliche Tätigkeit zu Gunsten anderer. Ein Jahreswechsel bietet dazu einen guten Anlass.

Keiner der üblichen Vorsätze ist „daneben“. Aber, dessen sollte ich mir bewusst sein: Das Umsetzen keines Vorsatzes birgt eine wirkliche Erfüllung in sich. Und: Wer sich auch noch so sehr selbst optimiert, empfängt daraus nicht (sein) Leben, vielmehr bleibt er, sie letztlich auf sich selbst zurückgeworfen. Es fehlt die Dimension nach oben – und die nach der Seite. Umgekehrt bedeutet das aber auch: Scheitere ich an meinem Vorsatz, ist davon mein Selbstwert nicht berührt. Ich darf scheitern.

Dem Apostel Paulus gelang es auch nicht, alle seine Vorsätze umzusetzen. Im 17. Psalm bitten die Betenden Gott um Hilfe, dass ihr Vorsatz, ihr Mund solle sich nicht vergehen, gelingt. Gott: Er allein ist seiner selbst mächtig. Er hält seine Vorsätze, nimmt sie nicht zurück. 2026 denken wir in den Kirchen an den so tröstlichen, Hoffnung machenden Vorsatz Gottes: „Siehe, ich mache alles neu!“

Detlef Metz ist Pfarrer im Nachbarschaftsraum Schotten – Ulrichstein

Auf einem Tisch liegen eine Bibel und ein Block. Man sieht zwei Hände, die einen text schreiben.Tobias Frick/fundus-medien.de

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