Wolken am Himmel angestrahlt von untergehender Sonne. © Birgit Arndt / fundus.media

Himmlische Impulse

Gedanken zum Sonntag

Zwischen Himmel und Erde

von Wilfried Schutt
für den 14. Mai 2026 – Christi Himmelfahrt

Die Bibel erzählt an Christi Himmelfahrt von einer seltsamen Szene: Die Freunde Jesu stehen da und schauen in den Himmel. Ratlos. Wie soll es jetzt weitergehen? Da hören sie die Frage: „Was steht ihr da und seht zum Himmel?“

Diese Frage trifft auch unsere Zeit. Der Himmel scheint voller Rauch zu sein. Über der Ukraine. Über dem Nahen Osten und dem Iran. Und auch bei uns wächst die Unruhe: wirtschaftliche Sorgen, Angst vor gesellschaftlicher Spaltung, die Frage, wie stabil Demokratie und Zusammenhalt noch sind. Da fällt Hoffnung schwer.

„Was steht ihr da und seht zum Himmel?“ Himmelfahrt ist kein Abschiedsfest. Der, der geht, lässt nicht einfach los. Die Jünger und Jüngerinnen damals bekommen keine einfachen Antworten. Kein Versprechen, dass nun alles gut wird. Stattdessen werden sie zurückgeschickt ins Leben. In eine unsichere Welt, mit ihren Kriegen, ihrer Erschöpfung, ihren Ängsten.

Sie gehen anders zurück. Nicht angstfrei. Doch mit der Ahnung: Wir sind nicht allein. Das ist unbequem. Denn wir würden manchmal lieber warten. Auf bessere Zeiten. Auf jemanden, der es richtet. Auf den Himmel, der eingreift.

Genau darin liegt die Kraft von Christi Himmelfahrt. Der Glaube lenkt den Blick nicht weg von der Wirklichkeit. Er schickt Menschen hinein in diese Wirklichkeit – zu den Verängstigten, den Erschöpften, den Suchenden, den Wütenden.

Hoffnung bedeutet nicht, die Welt schönzureden. Hoffnung heißt: der Wirklichkeit standhalten, ohne zynisch zu werden. Oder mit den Worten des Schriftstellers Kurt Marti: „Gott ist ein Tätigkeitswort.“

Der Himmel Gottes beginnt nicht erst irgendwann über den Wolken. Himmelfahrt heißt nicht: Gott hat sich verzogen. Es heißt: Gott traut uns etwas zu. Gottes Himmel berührt die Erde dort, wo Menschen einander nicht aufgeben. Wo sie widersprechen, wenn Hass laut wird. Wo sie trösten, helfen und Frieden suchen.

Unsere Zeit braucht genau das: Menschen, die den Himmel nicht vergessen – und gerade deshalb Verantwortung auf der Erde übernehmen.

Wilfried Schutt ist Pfarrer im Nachbarschaftsraum Evangelische Kirchen am Limes sowie Pfarrer für Innovation und die Landesgartenschau Oberhessen 2027

Das Foto zeigt einen schwarzen KopfhörerPaul Seling/Pexels.com

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Auf einem Tisch liegen eine Bibel und ein Block. Man sieht zwei Hände, die einen text schreiben.Tobias Frick/fundus-medien.de

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