Wolken am Himmel angestrahlt von untergehender Sonne. © Birgit Arndt / fundus.media

Himmlische Impulse

Gedanken zum Sonntag

Eine Frage an uns

von Wilfried Schutt
für den 3. April 2026 (Karfreitag)

Karfreitag erinnert an Verrat, Verhaftung und Kreuzigung Jesu. Für evangelische Christen ist es der zentrale Feiertag ihres Glaubens – und zugleich ein stiller Tag.

Mitten in dieser Nacht sagt Jesus einen überraschenden Satz zu dem, der ihn ausliefert: „Freund, wozu bist du gekommen?“ Kein Vorwurf. Keine Abrechnung. Nur eine Anrede – und eine offene Frage.

Das irritiert. Denn wir würden anders reagieren. Wer verraten wird, zieht Grenzen, wendet sich ab. Jesus nicht. Er bleibt im Gespräch. Er spricht den anderen an – als „Freund“, oder genauer: als „Gefährten“. Ein Wort für jemanden, der dazugehört – und sich doch gerade entfernt.

Die Szene zeigt: Der Bruch kommt nicht von außen. Judas gehört dazu. Verrat entsteht in Beziehungen. Das macht die Geschichte unbequem. Denn sie betrifft nicht nur eine ferne Zeit. Wer ehrlich ist, kennt auch heute solche Spannungen – im eigenen Leben, in Familien, in Vereinen,  in unseren Gemeinden. Momente, in denen Worte und Überzeugungen nicht zusammenpassen. In denen Vertrauen brüchig wird.

Und doch bleibt diese Frage stehen: „Freund, wozu bist du gekommen?“ Eine Frage ohne schnellen Ausweg. Aber vielleicht gerade deshalb eine Einladung: innezuhalten, sich ehrlich zu prüfen, sich nicht sofort zu rechtfertigen.

Karfreitag hält diese Spannung aus. Er beschönigt nichts – und bricht die Beziehung nicht ab.

Und vielleicht liegt genau darin eine leise Hoffnung: Dass wir angesprochen bleiben – auch dort, wo nicht alles gelingt. Und dass wir nicht verloren gehen – weder uns selbst noch vor Gott.

Wilfried Schutt ist Pfarrer im Evangelischen Dekanat Büdinger Land für innovative Projekte und die Landesgartenschau 2027

Das Foto zeigt einen schwarzen KopfhörerPaul Seling/Pexels.com

Impulse aufs Ohr

Ob eine schwere Krankheit, ein Trauerfall in der Familie, das belastende Gefühl, einsam zu sein, oder einfach nur ein Coffee-to-go und Feierabend, – nehmen Sie sich einen Moment Zeit, um Impulse für Glauben und ihren Alltag mit seinen Herausforderungen und Freuden aufzugreifen.

Zu den Hörpredigten

Auf einem Tisch liegen eine Bibel und ein Block. Man sieht zwei Hände, die einen text schreiben.Tobias Frick/fundus-medien.de

Gedanken-Archiv

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