Kirche ist Teil der Gesellschaft

Dekanat feiert mit vielen Akteuren in der Stadtkirche Nidda 75 Jahre Grundgesetz

5. Juni 2024

Die Rocker vom Rauhen Berg mit ihrem Bandleader Thomas Appel (l.) machen Musik bei der Veranstaltung zum Grundgesetz-Jubiläum in der Stadtkirche Nidda. Foto: Appel

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Kaum ein Satz ist in den zurückliegenden Tagen häufiger zitiert worden als Artikel 1 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. Denn am 23. Mai vor 75 Jahren trat unsere Verfassung in Kraft, die das Zusammenleben in unserem Staat regelt. Landauf, landab wurde und wird seither die Demokratie gefeiert. Auch das Evangelische Dekanat Büdinger lädt für Montag, 17. Juni, ab 19 Uhr in die Stadtkirche Nidda zu einer Veranstaltung mit Musik und Texten ein, in deren Mittelpunkt die zentralen Grundrechte stehen.

 

Dekanin Birgit Hamrich nennt Artikel 1 „einen der stärksten Sätze unserer Demokratie. Was für ein Privileg, unter diesem Grundgesetz leben zu dürfen“. Allerdings erlebten wir aktuell in bedrückendem Maße, „wie gefährdet und zerbrechlich dieser Satz ist“, so die Dekanin weiter. Deshalb sei es wichtig und richtig, dass Kirche Räume öffne für den gesellschaftlichen Diskurs. In Gesprächen mit Menschen, die sich politisch engagieren, erfahre sie immer wieder, dass diese Öffnung nicht nur dankbar angenommen, sondern geradezu erwartet werde. Kirche sei ein Teil der Gesellschaft. „Die Demokratie zu schützen ist unser aller Auftrag“, bekräftigt Hamrich.

 

Ein weiterer Satz ist der Dekanin wichtig. In Artikel 3, Absatz 2 heißt es: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ Nur vier Frauen gehörten neben 61 Männern dem Parlamentarischen Rat an, der das Grundgesetz erarbeitet hat. In einem harten Kampf setzten sie die Gleichberechtigung durch. „Und heute“, so Hamrich, „scheint es, als erlebten wir eine Rolle rückwärts“.

 

Würde, Gleichberechtigung und die Gottesebenbildlichkeit der Menschen stehen im Mittelpunkt der Veranstaltung am 17. Juni.  „Uns ist es wichtig, in dieser Veranstaltung die Vielfalt und den Reichtum unserer Gesellschaft widerzuspiegeln“, sagt Rita Stoll, Referentin für Bildung und Gesellschaftliche Verantwortung im Dekanat. So werden junge und alte Leute, evangelische und katholische Christinnen und Christen, Menschen muslimischen Glaubens von der Ahmadiyya Gemeinde Nidda und der türkisch-islamischen Moscheegemeinde Nidda, Vertreterinnen der Bürgerinitiative „Nidda solidarisch“ sowie Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Konradsdorf aus dem Grundgesetz lesen und diese Artikel in Bezug setzen zu Texten aus der Bibel, dem Koran und der Literatur. Musikalisch umrahmt wird die Veranstaltung von Herbert Vonhof (Orgel) und Volker Bilz (Oboe) sowie von der inklusiven Band „Rocker vom Rauhen Berg“.

Wer mag, ist im Anschluss zum Gedankenaustausch in der oder vor der Kirche (je nach Wetter) eingeladen. (jub)

 

INFO – Der 17. Juni

 

Am 17. Juni 1953 kommt es in der DDR zu einem Volksaufstand: Hunderttausende demonstrieren gegen die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in der Deutschen Demokratischen Republik. Die überforderte sozialistische Führung lässt den Aufstand niederschlagen. Etwa 50 Menschen sterben. Neue Forschungen gehen von weit mehr als hundert Opfern aus. Noch im gleichen Jahr erklärt die Bundesrepublik Deutschland den 17. Juni zum gesetzlichen Feiertag, der bis zur Wiedervereinigung als „Tag der Deutschen Einheit“ begangen wurde. 1990 wurde im Einigungsvertrag der 3. Oktober als Tag der Deutschen Einheit zum gesetzlichen Feiertag bestimmt. Der 17. Juni ist weiterhin Gedenktag. (jub)


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