Die Ideen sprudeln nur so aus ihr heraus, sie lacht oft, spricht schnell und springt munter durch ihr 37-jähriges Leben. Wenn Margarita Kappl erzählt, merkt man gleich: Hier beginnt jemand nicht vorsichtig tastend einen neuen Job, sondern startet mit Vollgas. Seit März arbeitet sie als Gemeindepädagogin im Nachbarschaftsraum Büdingen. Für die verheiratete Mutter zweier Kinder im Alter von sechs und drei Jahren ist das mehr als eine neue berufliche Herausforderung. Sie ist angekommen an einem Ort, der sie geprägt hat.
Aufgewachsen ist Margarita Kappl in Orleshausen. „Meine Kindheit dort war ein Geschenk“, sagt sie. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Vonhausen und begleitet ihre eigenen Kinder durch dieselbe Lebenswelt. Ihr Sohn wird im Sommer eingeschult. „Dann lernen wir gemeinsam“, hat sie ihm versprochen. Denn auch sie selbst wird wieder die Schulbank drücken. Berufsbegleitend zu ihrer Teilzeitstelle beginnt sie an der Evangelischen Hochschule in Darmstadt die Ausbildung zur Gemeindepädagogin. Zwei Jahre wird die Qualifizierung dauern. „Ich lerne einfach gern“, sagt sie. Die Arbeit für die Kirche und das Studium seien eine perfekte Ergänzung.
Dass sie einmal mit Menschen arbeiten würde, sei ihr schon früh klar gewesen. Nach einer Ausbildung zur Sport- und Fitnesskauffrau studierte sie Sozialwissenschaften, später absolvierte sie einen Master mit Schwerpunkt Sportpädagogik. Tanz, Yoga und Klettern fanden dabei ebenso ihren Platz wie soziale Arbeit. In Büdingen war sie bereits als Schulsozialarbeiterin und Sozialpädagogin tätig, leitete im Rahmen der Bundesprogramme „Respekt Coach“ und „Mental Health Coach“ Gruppenangebote an weiterführenden Schulen.
Auch im kirchlichen Kontext ist sie vielen Menschen bekannt. Als Kind nahm sie selbst an Kindernachmittagen und Kirchenfreizeiten teil, später engagierte sie sich unter anderem beim Café Hope und im Café La Porta. „Die Kirche hat mich geprägt, jetzt wollte ich gerne etwas machen, das mit meinem Glauben zu tun hat.“
„Das Schönste an der neuen Stelle ist, dass man nicht die eine Zielgruppe hat. Man arbeitet mit der ganzen Gemeinde und die ist so reich und so bunt“, freut sie sich. Vielfalt zeigt sich schon jetzt in ihren ersten Projekten. Neben Ideen für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen startet sie mit dem „Walk’n Talk Treff für Mütter“, ein Angebot für Frauen mit Kindern bis drei Jahren. Dabei treffen sich Mütter alle zwei Wochen draußen im Nachbarschaftsraum zu gemeinsamen Spaziergängen, Bewegungseinheiten, Gesprächen und kleinen Übungen für Körper und Seele – das Kind einfach im Buggy dabei. Das Angebot verbindet Austausch, frische Luft und Entlastung im Alltag und soll bewusst unkompliziert und offen gestaltet sein.
Ganz wichtig ist ihr ein Projekt mit alten Menschen. Im DRK-Seniorenheim in Büdingen singt sie inzwischen regelmäßig mit Bewohnerinnen und Bewohnern meist alte Lieder, die diese sich wünschen. Die Idee dazu entstand durch die alten Gesangbücher ihrer Großmutter, die diese gehütet habe „wie einen Schatz“. Das gemeinsame Singen, dazu ein paar Tanzelemente, schaffe Verbindung und wecke Emotionen. „Damit erfülle ich mir tatsächlich einen kleinen Traum“, bekennt sie.
Margarita Kappl ist eine Macherin. Hat sie eine Idee, die sie gut findet, macht sie sich an die Umsetzung. So wird sie beim Jugendkirchentag vom 4. bis zum 7. Juni in Alsfeld an zwei Tagen einen Flashmob anbieten: Mit leicht erlernbaren Hip-Hop-Schritten sollen die jugendlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einem Workshop eine Performance erarbeiten. Motto: mitmachen – kreativ werden – Spaß haben – Gemeinschaft spüren – eins werden. „Eigentlich hätte ich das gerne gemeinsam mit Konfirmandinnen und Konfirmanden aus dem Nachbarschaftsraum gemacht“, sagt sie, aber denen sei sie vermutlich zu spontan gewesen. Die Teilnahme am Jugendkirchentag gibt sie deswegen nicht auf, sondern schaut, was sie dort erwartet.
„Bisher habe ich immer allein gearbeitet und alles selbst gemacht“, räumt sie ein. „Jetzt lerne ich gerade, dass ich auch fragen und Hilfe annehmen darf und baue mir ein Netzwerk auf. Ich wachse mit ihren Aufgaben.“ Wer wollte daran zweifeln angesichts ihrer Energie, ihrer Offenheit und ihres Wunsches, Menschen zu berühren und mit ihnen unterwegs zu sein. „Ich habe das Gefühl, dass alles, was ich bisher in meinem Leben gemacht habe, eine Vorbereitung auf diese Arbeit in der Kirche war. Das fühlt sich einfach richtig an.“