„Es kommt auf jeden und jede einzelne an“

veröffentlicht 23.10.2026 von Judith Seipel, Kirche im Evangelischen Dekanat Büdinger Land

Die Kirchenvorstandswahl 2027 stand im Mittelpunkt der Arbeitstagung des Dekanatssynodalvorstands mit den Vorsitzenden der Kirchenvorstände aus dem Dekanat.

Alle Plätze im kleinen Saal des Bürgerhauses Nidda waren besetzt: Die jährliche Arbeitstagung des Dekanatssynodalvorstands mit den Vorsitzenden der Kirchenvorstände im Evangelischen Dekanat Büdinger Land stieß auf großes Interesse. Im Mittelpunkt standen die Kirchenvorstandswahl 2027 und eine Frage, die viele Gemeinden beschäftigt: Wie gewinnen wir Menschen, die bereit sind, für sechs Jahre Verantwortung zu übernehmen?

„Das Thema ist bei vielen auf der Agenda weit oben“, sagte Dekanin Birgit Hamrich. Daran knüpfe oft die Frage an: „Wen können wir denn noch fragen? “ Wie spricht man Menschen auf eine Kandidatur an? Wie erklärt man knapp, was ein Kirchenvorstand eigentlich tut? Und warum lohnt es sich, dort mitzuarbeiten? 

Ina Wittmeier, Referentin der Ehrenamtsakademie der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), beleuchtete das Amt und seine Aufgaben. Ihr Impuls „Kirchenvorstand als Leitungsamt im Umbruch“ richtete den Blick auf das Selbstverständnis der Kirchenvorstände und auf die Veränderungen durch den Transformationsprozess „ekhn2030“. Die vergangenen Jahre waren für viele Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher anstrengend. Sie mussten neue Strukturen entwickeln, Zuständigkeiten klären und Entscheidungen treffen. Vieles drehte sich darum, die Voraussetzungen für die künftige Arbeit zu schaffen. 

Jetzt ist das Feld bereitet. Die kommenden Kirchenvorstände können sich stärker der Frage widmen, wie sie das Leben in ihren Nachbarschaftsräumen gestalten wollen und welche Menschen sie dafür brauchen. 

Danach ging es um die Frage, wie sich Interessierte ansprechen lassen und was sie zur Mitarbeit bewegen könnte. Maria-Louise Seipel, Referentin für Bildung und Gesellschaftliche Verantwortung, hatte den Themenschwerpunkt vorbereitet und moderierte den Austausch. 

An mehreren Thementischen sprachen die Teilnehmenden in wechselnden Gruppen miteinander. Sie überlegten, was nach sechs Jahren Kirchenvorstandsarbeit in guter Erinnerung bleibt, was die eigene Gemeinde ausmacht und wie ein Gespräch bei einer Tasse Kaffee vor der Kirche zu einer Kandidatur führen könnte. Auch die Fragen, warum Menschen Ja sagen und was sie künftig brauchen, um ihre Aufgabe gut erfüllen zu können, kamen auf den Tisch. 

Der Austausch war intensiv. Viele brachten eigene Fragen und Erfahrungen mit. Genau darin lag eine Stärke des Formats. Die Teilnehmenden hörten voneinander, was sich bewährt hat, wo es Schwierigkeiten gibt und welche Ideen sich für die eigene Gemeinde aufgreifen lassen. 

Susanne Kuzinski, Transformationsunterstützerin der EKHN, informierte über Materialien, Unterstützungsangebote und Ansprechpersonen für die anstehende Wahl. Dabei ging es auch um die Beteiligung junger Menschen und um die Frage, wie Kirchenvorstände demokratische Werte stärken können. Die EKHN hat dazu ihre Wahlordnung präzisiert: Wer extremistische, antisemitische, rassistische oder sonst menschenverachtende Positionen vertritt, kann nicht in einen Kirchenvorstand gewählt werden. 

In ihrem Resümee griff Dekanin Birgit Hamrich den geistlichen Kern der Aufgabe auf. Im Kirchenvorstand gehe es nicht nur darum, eine Gemeinde zu organisieren und Entscheidungen zu treffen. Es gehe vor allem um geistliche Leitung: Wie wollen wir Kirche vor Ort sein? Dazu gehöre, Haltung zu zeigen und als Botschafterinnen und Botschafter Jesu Christi das Leben in der Region mitzugestalten. „Es kommt auf jeden und jede einzelne an“, betonte Hamrich. 

Dabei müsse niemand schon heute die Kraft besitzen, die morgen gebraucht werde. Hamrich erinnerte an einen Gedanken Dietrich Bonhoeffers: Gott gebe die Kraft nicht im Voraus, sondern im jeweiligen Moment, wenn sie gebraucht werde. Daneben stellte sie ein Bibelwort aus dem Johannesevangelium. Jesus sagt zu seinen Jüngern: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und gesetzt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt.“ 

Beide Gedanken verbindet das Vertrauen, dass nicht alles allein von der eigenen Leistung abhängt. Das kann auch für Menschen wichtig sein, die überlegen, ob sie sich eine Mitarbeit im Kirchenvorstand zutrauen. 

„Dieser Abend war wichtig, um miteinander ins Gespräch zu kommen“, bilanzierte Dekanin Hamrich. Kandidierende zu gewinnen heiße nicht nur, Namen für eine Liste zu finden. Es gehe darum, Menschen einzuladen, ihre Fähigkeiten und Ideen einzubringen und gemeinsam zu überlegen, wie Kirche vor Ort in Zukunft aussehen soll. 

INFO: Am 6. Juni 2027 werden in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) die neuen Kirchenvorstände gewählt. Sie gestalten das Gemeindeleben und entscheiden über wichtige Fragen, etwa zu Gottesdiensten, Finanzen und Gebäuden. Mit ihrer Stimme können Gemeindemitglieder die Zukunft ihrer Kirchengemeinde mitbestimmen. Die Stimmabgabe ist bereits vor dem offiziellen Wahltag möglich: Vom 26. April bis zum 23. Mai 2027 findet die Online-Wahl statt. Die Wahlberechtigten erhalten dafür eine Wahlbenachrichtigung mit persönlichem Wahl-Code. Alternativ ist Briefwahl möglich. Eine Wahl an der Urne gibt es nicht. Am 6. Juni werden die Stimmen ausgezählt.