Eigentlich würde Lara Weller am liebsten sofort loslegen. „Ich bin voller Tatendrang“, sagt die neue Vikarin der Kirchengemeinde Konradsdorf. Gleichzeitig weiß sie, dass sie erst einmal ankommen muss: Menschen kennenlernen, zuhören und ein Gespür dafür entwickeln, was die Gemeinde bewegt. Was ist den Menschen wichtig? Wie nehmen sie die Veränderungen in der Kirche wahr? Und was verbinden sie mit ihrer Kirche vor Ort?
Seit dem 1. September ist die 27-Jährige in Konradsdorf tätig, ihre Lehrpfarrerin ist Regine Jünger. Die ersten Monate werden vom Religionsunterricht an der Grundschule in Ortenberg und von den regelmäßigen Seminarwochen im Theologischen Seminar in Herborn geprägt sein. Dort werden die Vikarinnen und Vikare während ihrer praktischen Ausbildung auf die verschiedenen Aufgaben des Pfarrberufs vorbereitet und können ihre Erfahrungen aus dem Gemeindealltag gemeinsam reflektieren.
Dass Lara Weller einmal Pfarrerin werden würde, wusste sie schon als Jugendliche. Allerdings fehlten ihr damals im Westerwald, wo sie geboren und aufgewachsen ist, die weiblichen Vorbilder. Wenn sie sagte, dass sie Theologie studieren wolle, habe sie nicht selten vernommen: „Ah, du willst Religionslehrerin werden.“ In der Oberstufe traf sie dann auf eine Religionslehrerin, die ihr Mut machte. Später lernte sie noch eine Vikarin kennen und plötzlich war da die Gewissheit: „Es geht ja doch.“
Die endgültige Entscheidung für das Theologiestudium fällte Lara Weller später auf einem Friedhof bei einer Beerdigung. „Da habe ich gemerkt, wie wichtig es ist, Menschen in der Trauer gut zu begleiten und ihnen dabei zu helfen, Halt zu finden.“ Seelsorge ist deshalb auch im Vikariat ein Bereich, auf den sie sich besonders freut. „Ich glaube, da kann ich gerade von Pfarrerin Jünger sehr viel lernen.“
Dass Kirche für sie kein fremdes Terrain ist, hat mit ihrer Familie zu tun. Ihr Großvater war Pfarrer, ihre Eltern sind kirchlich sehr engagiert. Sie selbst hat ihre „Karriere“ in der Kirche bereits als Kleinkind in der Krabbelgruppe gestartet und alle Stationen bis zur Jugendarbeit durchlaufen. Theologie studierte sie in Bonn und Marburg. Ein Auslandssemester führte sie nach Prag. „Ich war total glücklich, dort zu sein.“ Besonders die erlebte Gemeinschaft mit Menschen aus aller Welt hat sie begeistert.
Für die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat sie sich bewusst entschieden. Das liberale Profil der Landeskirche, das Platz für viele und für vieles lasse, ist ihr wichtig. Einen besonderen Bezug zum Dekanat Büdinger Land hatte sie bislang nicht. Ihr erster Eindruck: „Es ist schön hier.“
Offenheit für Menschen und unterschiedliche Lebenswirklichkeiten bringt sie aus ihrem Studium mit. In Marburg engagierte sie sich ehrenamtlich sozial und politisch, unter anderem bei Medinetz Marburg. Der Verein vermittelt Unterstützung für Menschen, die keinen geregelten Zugang zur medizinischen Versorgung haben. Auch in ihrem Vikariat möchte sie den Blick auf Menschen richten, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt sind: „Das ist mir wirklich eine Herzensangelegenheit, gerade sie in den Blick zu nehmen.“
Die große Frage, die über ihrem Vikariat steht, lautet ungefähr so: Wie kann man eine lebendige Gemeinde in der Fläche gestalten, die für Menschen tatsächlich eine Heimat ist? Das Verkündigungsteam der großen Kirchengemeinde Konradsdorf, die erst seit Beginn dieses Jahres existiert, verfolge das Ziel mit viel Engagement und Herzblut – das erlebt die 27-Jährige schon in ihren ersten Wochen. Sie fühle sich herzlich aufgenommen und ist motiviert bis in die Haarspitzen: „Ich freue mich auf so vieles und würde am liebsten alles gleichzeitig tun.“
Die private Lara Weller ist gern in der Natur unterwegs, wandert oder fährt mit dem E-Bike – und erschließt sich auf diese Weise gerade Stück für Stück das Dekanat. Außerdem singt sie und backt gern.
INFO: Offiziell vorgestellt wird die neue Vikarin Lara Weller im Gottesdienst am 17. Januar 2027 in der Ortenberger Kirche.