"Jetzt ist Zeit für etwas Neues"

veröffentlicht 05.01.2026 von Judith Seipel, Kirche im Evangelischen Dekanat Büdinger Land

Die Evangelische Kirchengemeinde Konradsdorf feiert ihren ersten Gottesdienst. Die Stimmung ist gekennzeichnet von Aufbruch, Zuversicht und leisem Wehmut.

Die ehemals selbstständigen Kirchengemeinden Bergheim, Bleichenbach, Effolderbach, Gelnhaar, Glauburg, Ortenberg, Schwickartshausen/Lißberg mit Bobenhausen I und Eckartsborn, Selters/Wippenbach und Usenborn schreiben im Evangelischen Dekanat Büdinger Land Geschichte: Seit dem 1. Januar bilden sie die Evangelische Kirchengemeinde Konradsdorf. Ihren Zusammenschluss haben sie am 4. Januar mit einem festlichen Gottesdienst in der Ortenberger Marienkirche gefeiert. 

Vorfreude, Verunsicherung und Herzklopfen stünden, wie bei einer neuen Liebe, am Anfang dieser neuen Kirchengemeinde, sagte Dekanin Birgit Hamrich in ihrer Predigt. Kaum ein Wort könne in dieser Aufgeregtheit passender sein als die Jahreslosung 2026: „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu.“ Die Losung richte den Blick nach vorn und lade dazu ein, aufmerksam zu werden für das, was jetzt entsteht: „Schau genau hin, mach die Augen auf!“

Viele Menschen hätten in Konradsdorf den Boden für das Neue bereitet, damit es wachsen könne, so Birgit Hamrich weiter. Doch nicht nur Aufbruch kennzeichne den manchmal harten und steinigen Weg zur Fusion, sondern auch Abschied, „Abschied von Gewohntem und von Sicherheiten und Abschied von diesem beruhigenden Satz: Das haben wir immer schon so gemacht“. Jetzt sei Zeit für etwas anderes. „Denn wenn wir jetzt nicht handeln, dann geht es nicht gut weiter“, mahnte die Dekanin. Der Strukturwandel innerhalb der Kirche – weniger Mitglieder, weniger Personal, weniger Geld – verlange Veränderung. „Der Schmerz über das Zurückgelassene darf sein. Denn dieser Schmerz ist ein Zeichen von Liebe und diese Liebe bleibt“, versicherte Birgit Hamrich.

Zuvor hatten die Pfarrerinnen Regine Jünger und Daniela Wieners, die Pfarrer Jürgen Füg und Alexander Wohlfahrt und Gemeindepädagogin Marion Gengel-Knapp (sie sind das Verkündigungsteam) die Jahreslosung 2026 ins Zentrum einer Textcollage gestellt. Verteilt im Altarraum sprachen sie Worte und Sätze wie: „Radikal neu.“ „Total neu.“ „Da bleibt kein Stein auf dem anderen.“ „Denkt nicht daran, wie es früher war.“ „Erkennt ihr es noch nicht?“ „Denn das Alte ist nicht mehr.“ Das Gesprochene lebte von Dynamik, Zuversicht und Mut und machte spürbar: Diese neue Gemeinde versteht sich als Aufbruchsgemeinschaft – offen für Veränderung, getragen von Hoffnung und dem Vertrauen darauf, dass Gott Neues wachsen lässt.

„Ihr könnt euch aufeinander verlassen, das ist ein Geschenk“, wandte sich die Dekanin an das Verkündigungsteam, ehe sie die Fünf für ihre Aufgabe segnete. An die versammelte Gemeinde richtete sie den Appell, das Team zu unterstützen. Es brauche helfende Hände und Mut machende Worte. „Vor ihnen liegen viele Aufgaben, beglückende, aber auch schwierige.“

Wie viele Menschen in der Kirchengemeinde Konradsdorf engagiert sind, wurde deutlich, als Kirchenvorsteher und Kirchenvorsteherinnen, die haupt- und nebenamtlich Tätigen, die Ehrenamtlichen sowie die Lektorinnen und Prädikanten nacheinander gebeten wurden, sich von ihren Plätzen zu erheben, um ihnen mit kräftigem Applaus zu danken. 

Musikalisch gestaltet wurde dieser Gottesdienst von Felix Müller an der Orgel, dem Chor Soulsisters des Gesangvereins Concordia Stockheim unter der Leitung von Friederike Jordan und den beiden Männerchören Concordia Gelnhaar und Liederkranz Usenborn, geleitet von Thomas Löffler.

Im Anschluss an den Gottesdienst fand in der Kirche ein Empfang statt, um auf die neue Gemeinde anzustoßen. Grußworte sprachen in diesem Rahmen der Ortenberger Bürgermeister Markus Bäckel, Imam Arbab Ahmad von der Ahmadiyya Gemeinde Nidda und Andreas Weinthäter von der St. Simon-Judae-Gemeinde Usenborn, die zur Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche gehört. Sie alle betonten das Wir, den Respekt und ein gutes Miteinander als Voraussetzung für eine friedliche und gerechte Gesellschaft.

Hintergrund: 

  • Mit Wirkung zum 1. Januar 2026 haben drei von sieben Nachbarschaftsräumen des Evangelischen Dekanats Büdinger Land ihre jeweilige Rechtsform festgelegt. Mögliche Rechtsformen sind die Arbeitsgemeinschaft, die Gesamtkirchengemeinde sowie die Fusion. Für eine Fusion hat sich der Nachbarschaftsraum Konradsdorf entschieden. Zu der daraus entstandenen Evangelischen Kirchengemeinde Konradsdorf gehören die 14 Ortschaften Bergheim, Bleichenbach, Bobenhausen I, Effolderbach, Eckartsborn, Gelnhaar, Glauberg, Lißberg, Ortenberg, Schwickartshausen, Stockheim, Selters, Usenborn und Wippenbach. Als Verkündigungsteam arbeiten Gemeindepädagogin Marion Gengel-Knapp, die Pfarrerinnen Regine Jünger und Daniela Wieners sowie die Pfarrer Jürgen Füg und Alexander Wohlfahrt kollegial zusammen und tragen gemeinsam Verantwortung. Die unterschiedlichen Perspektiven und Kompetenzen, die sie mitbringen, bereichern die Gemeinde.

  • Die Nachbarschaftsräume Evangelische Kirchen am Limes und Evangelische Kirche in den Auen bilden jeweils Arbeitsgemeinschaften.

Jahreslosung:

  • Die Jahreslosung ist ein ausgewählter Bibelvers, der Christinnen und Christen ein Jahr lang geistlich begleitet und Orientierung gibt. Sie lädt dazu ein, das eigene Leben, kirchliches Handeln und gesellschaftliche Verantwortung im Licht dieses biblischen Wortes zu bedenken.