Die Ausstellung lade dazu ein, sich an die Reformation und die Werte zu erinnern, für die die Kirche bis heute stehe, sagte Dekanin Birgit Hamrich bei der Eröffnung der Ausstellung im Johanniter-Saal. Lange Zeit sei das Bild des reformatorischen Aufbruchs unvollständig gewesen, da die Leistungen von Frauen kaum wahrgenommen worden seien. Dabei hätten viele von ihnen trotz erheblicher Widerstände den evangelischen Glauben gelebt, Netzwerke aufgebaut und sich theologisch wie diakonisch engagiert.
Die Ausstellung porträtiert vier Frauen, die die Reformation entscheidend mitprägten: Katharina von Bora, Katharina Schütz Zell, Barbara von Wertheim und Elisabeth von Hessen-Rochlitz. Auf Roll-ups und lebensgroßen Aufstellern werden ihre Lebenswege und ihr Wirken anschaulich dargestellt.
Katharina von Bora (1499–1552), Ehefrau Martin Luthers, wird als „Managerin und Seelsorgerin“ vorgestellt. Sie organisierte einen Großhaushalt mit bis zu 50 Personen, bewirtschaftete landwirtschaftliche Flächen und war eine wichtige Gesprächspartnerin ihres Mannes.
Katharina Schütz Zell (1497–1562) aus Straßburg verteidigte ihre Ehe mit dem Münsterpfarrer Matthäus Zell öffentlich, kümmerte sich um Arme, Kranke und Verfolgte und veröffentlichte seelsorgerliche Schriften sowie ein Gesangbuch.
Barbara von Wertheim (1500–1561) führte nach dem Tod ihres Mannes dessen reformatorisches Werk als Regentin fort und sorgte auch in politisch schwierigen Zeiten für Stabilität in ihrer Grafschaft. Elisabeth von Hessen-Rochlitz (1502–1577) hielt trotz widriger Umstände am reformatorischen Glauben fest und unterstützte während des Schmalkaldischen Krieges die evangelische Seite sogar mithilfe einer selbst entwickelten Geheimschrift.
Elisabeth Engler-Starck, Referentin für Ökumene im Dekanat Büdinger Land, betonte die Bedeutung der Erinnerung an Frauen wie Margaretha Pistorius. Der Aufbruch der Reformation habe von Frauen und Männern gelebt, die Verantwortung für Kirche und Gesellschaft übernommen und sich öffentlich eingebracht hätten.
Die Ausstellung ist noch bis zum 19. Juni im Margaretha-Pistorius-Haus zu sehen. Sie lädt dazu ein, die vielfältigen Rollen von Frauen in der Reformationszeit neu zu entdecken und ihren Beitrag zur Kirchen- und Gesellschaftsgeschichte sichtbar zu machen.
Hier finden sie den Vortrag von Elisabeth Engler-Strack in voller Länge.