„Es ist geschafft“, freut sich Pfarrer Klaus Willms über die neue Photovoltaikanlage (Leistung 22,5 Kilowatt in der Spitze) auf dem Dach des Pfarrhauses der Evangelischen Kirchengemeinde St. Nikolai in Altenstadt. Auch eine Batterie mit 15 Kilowattstunden (kWh) Speicher steht nun im Keller des Gebäudes, fängt tagsüber Teile der Sonnenenergie ein und gibt sie in der Nacht und an bewölkten Tagen wieder ab. Auf dem Weg dorthin gab es ein paar Stolpersteine aus dem Weg zu räumen. „Zuallererst musste die Tragfähigkeit des Daches geprüft werden. Ohne das ,Okay‘ einer Statikerin oder eines Statikers kann es nicht losgehen“, so Willms. Dies sei auch Voraussetzung für die Förderung der Landeskirche im Rahmen des 100-Dächer-Programms in Höhe von 5000 Euro, die es zu beantragen galt.
Unterstützung bekam die Kirchengemeinde von Dr. Werner Neumann, unter anderem Vorsitzender des BUND-Kreisverbands Wetterau, der geeignete Lieferanten für die Anlage identifizierte und Ausschreibung sowie Installation begleitete. „Ich wurde vom Kirchenvorstand angesprochen und habe gerne meine Erfahrungen eingebracht.“ Das Dach bringe mit seiner Ost-West-Ausrichtung die optimalen Voraussetzungen mit, um relativ gleichmäßig über den Tag verteilt Sonnenstrom zu ernten.
Werner Neumann beleuchtet die Wirtschaftlichkeit: „Die Anlage produziert im Mittel pro Jahr circa 18.000 kWh Strom. Damit lässt sich mithilfe der Batterie der Eigenverbrauch in Höhe von rund 3.000 kWh fast vollständig decken. Dies führt zu einer Einsparung von 1.000 Euro pro Jahr. Die Überschüsse werden zur aktuellen EEG-Vergütung in das öffentliche Stromnetz eingespeist, und liefern gut 1.000 Euro pro Jahr an zusätzlichen Einnahmen. Nach zehn Jahren amortisiert sich damit die Investition, die darauffolgenden zehn Jahre steht der Gemeinde jährlich mindestens 2.000 Euro pro Jahr mehr Geld zur Verfügung.“ Weiter steigern ließen sich die Erträge durch einen höheren Eigenverbrauch. Dies könne durch Ersatz der Ölheizung durch eine Wärmepumpe oder durch Anschaffung eines Elektroautos realisiert werden. Eine passende Wallbox ist bereits installiert.
Auch zum Schutz des Klimas liefert die Anlage einen wichtigen Beitrag. Andreas Hlasseck, Klimaschutzkoordinator des Evangelischen Dekanats Büdinger Land, weiß: „Die mit der Anlage in einem einzigen Jahr vermiedenen Treibhausgasemissionen entsprechen etwa einer kompletten Umrundung unseres Planeten mit einem gewöhnlichen Benziner- oder Diesel-PKW.“ Mit den 18.000 kWh Sonnenstrom könne man mit einem vergleichbaren Elektroauto 100.000 Kilometer weit fahren. Dies sei ein weiterer Schritt in Richtung unabhängige Energieversorgung, insbesondere mit Blick auf die erneut stark steigenden Spritpreise.
„Auch wenn uns die Bundesregierung Steine in den Weg zu legen scheint, der Weg zu einer sauberen und unabhängigen Energieversorgung lässt sich kaum noch aufhalten, da die Kosten für Strom aus Sonne, Wind und Batterie einfach unschlagbar günstig sind“, so Hlasseck. Aktuell wird das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) im Bundestag diskutiert. Möglicherweise falle die Einspeisevergütung ab 2027 auch für Kleinanlagen weg. Die wäre ein unnötiger Dämpfer für den Ausbau von Sonnenstromanlagen. Egal wie die neue Regelung aussehen werde: „Bei hohem Eigenverbrauch lohnt sich die Photovoltaikanlage auf dem Dach weiterhin. Amortisationszeiten von weniger als zehn Jahren werden auch zukünftig keine Seltenheit sein. Es bleibt eine lohnende Investition, die viele tätigen, ein weiterer Schritt hin zur Energieunabhängigkeit und ein Beitrag zum Klimaschutz“, ist Hlasseck überzeugt.