Was haben TikTok-Videos, christliche Influencer:innen und Fundamentalismus miteinander zu tun? Mit genau diesen Fragen beschäftigte sich jetzt eine Gruppe Konfirmandinnen und Konfirmanden aus der Kirchengemeinde Konradsdorf bei einem besonderen Workshop in den Räumen des Jugendkulturbahnhofs Bleichenbach.
Begleitet von Marion Gengel-Knapp, Gemeindepädagogin, Maria-Louise Seipel, Referentin des Evangelischen Dekanats Büdinger Land für Bildung und Gesellschaftliche Verantwortung, Marieke Clotz, Gemeindepädagogischer Dienst, und Referentin Anna Berting vom Zentrum Ökumene der Landeskirche, tauchten die Jugendlichen in ein Thema ein, das sie direkt aus ihrem Alltag kennen: Social Media. Schnell entstand eine offene und engagierte Gesprächsatmosphäre.
Der Tag begann mit einem Blick auf eigene Erfahrungen: Wo begegnet uns Fundamentalismus eigentlich? In Kommentaren, Videos oder scheinbar harmlosen Posts? Die Jugendlichen sammelten Beispiele, recherchierten selbst und brachten ihre Beobachtungen ein.
Eindrücklich war ein Escape-Spiel, das von Referentin Anna Berting entwickelt wurde. Darin begleiteten die Konfis die fiktive Franziska, die drohte, in eine fundamentalistische Gruppe hineingezogen zu werden. Durch das Lösen von Rätseln erschlossen sich die Jugendlichen typische Warnsignale: starre Weltbilder, wörtliche Bibelauslegung, das Ausschließen anderer Meinungen und das Verbot kritischer Fragen. Lernen wurde hier zum Mitmachen.
Nach einer gemeinsamen Koch- und Mittagspause ging es erneut an die Bildschirme: Videos christlicher Influencer:innen auf Instagram und TikTok wurden unter die Lupe genommen. Besonders intensiv diskutierten die Jugendlichen das sogenannte „Tradwife“-Ideal und damit verbundene Rollenbilder. Schnell wurde deutlich, wie stark solche Inhalte Ideale vermitteln, die mit dem echten Leben wenig zu tun haben – und wie wichtig es ist, eigene Entscheidungen treffen zu dürfen.
In der Abschlussrunde zeigte sich ein klares Fazit: Die Jugendlichen wünschen sich mehr Raum für kritische Auseinandersetzung, gerade im Umgang mit Social Media. Der Tag machte deutlich, wie groß das Interesse und der Gesprächsbedarf zu Fragen von Glauben, Einfluss und Selbstbestimmung ist.
Der Studientag war Teil eines Projekts zur politischen Jugendbildung des Dekanats Büdinger Land und setzte bewusst auf aktive Beteiligung, Austausch und kreative Methoden. Ein Tag, der zum Nachdenken anregte und noch lange nachwirkt.
Einige Jugendliche hatten sich bereits am Vortag unter der Überschrift „Was soll ich denn da sagen?“ mit Diskriminierung auseinandergesetzt. Anna Dobelmann, Referentin vom Zentrum Ökumene, sprach darüber, wie man sich selbst und andere stärken kann, wenn man Diskriminierung erlebt oder beobachtet, sei es in der Schule, auf der Straße oder im Netz. Die Rückmeldungen am Ende des Workshops waren alle positiv. Die Schülerinnen und Schüler fanden die Veranstaltung interessant und waren froh zu wissen, wohin man sich wenden kann, wenn man Hilfe braucht.
Die geplante dritte Veranstaltung „Hope speech statt Hate speech – Wir üben hoffnungsfrohes Streiten für Nächstenliebe“ ist krankheitsbedingt ausgefallen und wird nachgeholt.