„Trauer braucht einen Menschen, der zuhört“

veröffentlicht 19.05.2026 von Judith Seipel, Kirche im Evangelischen Dekanat Büdinger Land

Ein neues Angebot auf dem Friedhof Nidda schafft Raum zum Reden, Schweigen und Zuhören. Die Trauerbank ist ein bislang einmaliges Projekt des Evangelischen Dekanats Büdinger Land.

Die Farbe fällt sofort ins Auge: Seit wenigen Tagen steht auf dem Friedhof in Nidda eine lila Trauerbank mit der Aufschrift „Evangelisches Dekanat Büdinger Land“. Hinter dieser auffälligen Bank verbirgt sich weit mehr als ein neuer Sitzplatz – sie ist ein offenes Angebot für Menschen in Trauer und ein Ort des Zuhörens mitten auf dem Friedhof.

Initiiert wurde das Projekt von Astrid Pfarschner, die seit Anfang des Jahres die Fachstelle für Alten-, Demenz- und Hospizseelsorge im Dekanat leitet. Mit ihrer Idee, auf dem Friedhof einen niedrigschwelligen Anlaufpunkt für Trauernde zu schaffen, stieß sie bei Bürgermeister Thorsten Eberhard sofort auf offene Ohren. Begleitet wurde das Projekt von Jessica Riva von der Friedhofsverwaltung der Stadt Nidda. Der Hospizverein Schotten – Nidda hat die Anschaffung der Bank finanziell unterstützt.

„Trauer braucht Raum, Zeit und manchmal einfach einen Menschen, der zuhört“, beschreibt Astrid Pfarschner die Grundidee des Angebots. Viele Menschen fühlten sich nach einem Verlust allein oder wüssten nicht, wie sie ihre Gefühle ausdrücken sollen. Die Trauerbank wolle deshalb bewusst kein Beratungsangebot im klassischen Sinn sein, sondern ein unkompliziertes Angebot zum Innehalten und Reden – oder auch zum gemeinsamen Schweigen.

Der dazugehörige Flyer beschreibt das Angebot mit den Worten: „Setz dich. Wir hören zu und helfen Dir, auszuhalten.“ Menschen dürfen dort erzählen, schweigen, weinen, lachen oder einfach nur einen Moment nicht allein sein. „Nichts ist richtig oder falsch“, so Astrid Pfarschner. Künftig wird sie jeden zweiten Mittwoch von 15.30 bis 18 Uhr auf der Trauerbank anzutreffen sein. Bei Regen finden die Gespräche in der Trauerhalle statt. Der erste Termin ist am 20. Mai, der nächste am 3. Juni.

Bei der Umsetzung des Projekts wurde auf Gemeinschaft und Teilhabe gesetzt: Gebaut wurde die Bank im Inklusionsbetrieb Hirzenhainer Werkstätten der Teilhabe Wetterau. Mitarbeiter des Bauhofs Nidda stellten sie auf dem Friedhof auf und pflanzten zusätzlich eine kleine Hecke. Ein neu angebrachter Schaukasten an der Trauerhalle informiert Besucherinnen und Besucher über das Angebot.

Bislang handelt es sich um ein einmaliges Projekt des Dekanats Büdinger Land. Astrid Pfarschner hofft, dass die Trauerbank zu einem sichtbaren Zeichen dafür wird, dass Trauer nicht versteckt werden muss – und dass niemand mit seinem Schmerz allein bleiben soll.