Der 9. November ist ein wichtiger Tag in der deutschen Geschichte. Novemberpogrom 1938 und Maueröffnung 1989 stehen nebeneinander. Wie jedes Jahr gedenkt die Stadt Nidda an diesem Tag der vertriebenen und ermordeten jüdischen Mitbürger am Gedenkstein beim Johanniterturm. In diesem Jahr bereits um 17 Uhr.
Im Anschluss an diese Gedenkfeier am Montag, 9. November, findet die nächste Veranstaltung der Reihe „Talk am Turm“ im Margaretha-Pistorius-Haus des Evangelischen Dekanats Büdinger Land in Nidda, Bahnhofstraße 26, statt. Beginn ist dieses Mal bereits um 18 Uhr. Dr. Ulrich Schneider, Kassel, geht der Frage nach: Wie konnte es dazu kommen, dass Juden und andere Minderheiten ausgegrenzt, vertrieben und ermordet wurden? Er widmet sich der Entwicklung des Antisemitismus im Dritten Reich, der gegenwärtig wieder viele Diskussionen bestimmt.
Am Anfang von Schneiders langer Beschäftigung mit dem Antisemitismus stand eine Arbeit über die Bekennende Kirche und den antifaschistischen Widerstand. 1933 war ein Gesetz über die Wiederherstellung des Berufsbeamtentums und in den evangelischen Kirchen der sogenannte „Arierparagraph“ erlassen worden, der einerseits zur Entstehung der „Deutschen Christen“ und andererseits der Bekennenden Kirche führte.
Die weitere antisemitische Entwicklung dieser frühen Formen der Ausgrenzung sahen wohl nur wenige Menschen voraus. Ulrich Schneider wird in seinem Vortrag die wachsende Ausgrenzung und Entrechtung jüdischer Menschen im Dritten Reich bis hin zur Massenvernichtung und zugleich Beispiele der Hilfe und des Widerstandes entwickeln. Das alles wirft Schlaglichter auf aktuell wachsende Tendenzen des Antisemitismus.
Gemeinsam mit ihrem Ruhestandskollegen Hans Hamrich sind Rainer Böhm und Konrad Schulz Initiatoren und Programmgestalter des Gesprächsforums „Talk am Turm“, mit dem sich das Dekanat Büdinger Land in loser Folge religiösen und aktuellen gesellschaftlichen Themen widmet. Die nächste Veranstaltung versucht ein dickes Brett zu bohren, das viele zu kennen meinen. Man darf gespannt sein.
Zum Referenten: Dr. Ulrich Schneider studierte Deutsch, Geschichte und Sozialkunde in Marburg/Lahn und promovierte dort mit der Dissertation „Die Bekennende Kirche zwischen ‚freudigem Ja‘ und antifaschistischem Widerstand“. Nach längerer Tätigkeit an der Universität Kassel war er ab 2003 als Deutsch- und Geschichtslehrer am Beruflichen Gymnasium in Bebra tätig und Mitglied der Schulleitung. Seit seinem Ruhestand 2019 arbeitet er als freier Journalist für verschiedene Tageszeitungen und Fachzeitschriften.