Dekanatsfrauentag auf den Spuren von Margaretha Pistorius

veröffentlicht 14.06.2026 von Judith Seipel, Kirche im Evangelischen Dekanat Büdinger Land

Das Niddaer Reformationsjubiläum lenkt den Blick auch auf Margaretha Pistorius, die Ehefrau des Reformators Johannes Pistorius. Ihrem Leben und Wirken war jetzt der Dekanatsfrauentag in Nidda gewidmet. Nach einer reich gedeckten Kaffeetafel und bei strahlendem Sonnenschein begaben sich gut hundert Frauen auf Spurensuche.

Beate Harbich-Schönert, Vorsitzende des Dekanatsfrauenausschusses, stimmte die Teilnehmerinnen im Johannes-Pistorius-Gemeindehaus auf das Thema ein. Zunächst erinnerte sie an Katharina von Bora, die Ehefrau Martin Luthers, die als erste evangelische Pfarrfrau gilt. 

Katharina führte einen großen, arbeitsreichen Haushalt, kümmerte sich um Garten und Vieh und bewirtete Gäste sowie Bedienstete. Ähnlich, so Harbich-Schönert, könne man sich das Leben von Margaretha Pistorius vorstellen. Überliefert ist, dass Margaretha Bedürftige unterstützte, besonders Witwen und Waisen, und so das soziale Leben der Stadt prägte. Als Niddas erste Pfarrfrau gehört sie damit zu jener Generation von Frauen, die diese neue gesellschaftliche Rolle ausfüllten.

Um Margarethas Spuren zu folgen, hatte Harbich-Schönert mit ihrem Team ein vielseitiges Programm organisiert. In kleinen Gruppen erkundeten die Teilnehmerinnen verschiedene Stationen in Nidda, die Einblicke in Margarethas Leben und ihre Zeit boten. 

Am Johannes-Pistorius-Haus begann eine Führung, die Andrea Jungnick-Hoeltgen in der Rolle der Margaretha Pistorius leitete. Margaretha wurde 1515 in Ober-Schmitten als Tochter des Stadtschreibers Rullmann geboren. Mit 20 Jahren heiratete sie Johannes Pistorius, den Reformator und späteren Superintendenten. 

Von den acht Kindern des Paares starben 1555 während einer Pestepidemie innerhalb weniger Tage fünf Kinder. Zwei weitere waren zuvor schon im Kleinkindalter gestorben. Überlebt hat nur der Sohn Johannes, der später als der Arzt, Historiker und Theologe Johannes Pistorius der Jüngere Berühmtheit erlangte.

Margaretha starb 1560 mit nur 45 Jahren bei einem tragischen Unfall: Beim Abbau von Lehm für ein Bauvorhaben stürzte eine Lehmwand ein und begrub sie unter sich. 

Lange stand in Nidda ihr Mann im Mittelpunkt der Erinnerung. Erst in jüngerer Zeit wird Margarethas Bedeutung mehr Beachtung geschenkt. So trägt seit 2023 das Gebäude des Evangelischen Dekanats Büdinger Land in der Niddaer Bahnhofstraße den Namen Margaretha-Pistorius Haus. 

Dort war während des Dekanatsfrauentages die Ausstellung „Reformatorinnen? – Und ob!“ geöffnet. Sie porträtiert vier Frauen, die die Reformation prägten: Katharina von Bora, Katharina Schütz Zell, Barbara von Wertheim und Elisabeth von Hessen-Rochlitz. Margaretha Pistorius ergänzt nun diese Reihe. 

Gegenüber, im Johanniter-Turm, konnte man bis unters Dach steigen und den Blick auf Nidda genießen. Vor dem Turm stand Reinhard Pfnorr, Ehrenbürger der Stadt Nidda und ehemaliger Stadtarchivar, Rede und Antwort zu Fragen über das Reformationszeitalter in Nidda. Geöffnet war zudem das Heimatmuseum, in dem die Ausstellung „Johannes Pistorius und seine Zeit“ noch bis November zu sehen ist.

Wer eine Erinnerung an Margaretha Pistorius mit nach Hause nehmen wollte, konnte eine eigens auf ihren Namen getaufte Rose oder ein T-Shirt mit Bezug zu der Rosentaufe erwerben. 

Der Dekanatsfrauentag endete mit einem Gottesdienst in der Stadtkirche, den neben Pfarrerin Hanne Allmansberger auch Kornelia Brückmann, Anette Henrich, Petra Stöppler, Beate Harbich-Schönert, Maria-Louise Seipel und Bärbel Wilhelm gestalteten. Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst von Dunja Isheim, Padma Reimers und Tyron Unger.

Der Dekanatsfrauentag in Bildern