- Veranstaltungen
- Arbeitsfelder
- Das Dekanat
- Nachbarschaftsräume
- Evangelische Jugend
- Veranstaltungen
- Arbeitsfelder
- Das Dekanat
- Nachbarschaftsräume
- Evangelische Jugend
© Birgit Arndt / fundus.media
Schon beim Eintreten weht mir der Wind des Atlantik entgegen: Eine kleine Kirche hoch oben in den Westfjorden Islands, darunter das weite Meer. Drinnen: festlich gekleidete Menschen, Trachten, ein Konfirmand im Glitzeranzug, eine freundlich lächelnde Pfarrerin. Und wir zwei – sichtbar fremd in unserer Wanderkleidung, ohne ein Wort Isländisch zu verstehen.
Und doch: Wir verstehen. Die Melodien tragen, das Glaubensbekenntnis, das Vaterunser – an ihrem Klang erkennbar. Kein Wort ist uns sprachlich zugänglich, und dennoch entsteht Gemeinschaft. In diesem Moment ahne ich: So muss es in Jerusalem damals gewesen sein.
Die Bibel erzählt in der Apostelgeschichte (2,1–14), wie Menschen aus vielen Ländern zusammenkommen: Die Freundinnen und Freunde Jesu haben sich zunächst aus Angst zurückgezogen. Zu groß sind Schrecken, Verunsicherung, Orientierungslosigkeit nach dem Sterben Jesu. Dann aber: ein Brausen, eine Kraft, die sie erfasst. Die Angst verliert ihre Macht. Aus Verunsicherten werden Mutige, die reden – und verstanden werden, über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg. Und wie so oft bleibt der Spott nicht aus.
Pfingsten – fünfzig Tage nach Ostern – ist die Hoffnungsgeschichte, die kraftvolle Gegenerzählung zu vielem, was unsere Welt heute prägt: Abschottung, Rückzug, das Errichten von Mauern – in Köpfen, in Herzen, zwischen Nationen. Pfingsten erzählt von Gemeinschaft, von Bewegung, von Verständigung und Mut.
Solche pfingstlichen Momente erlebe ich, wenn aus „euch“ und „uns“ ein „Wir“ wird. Beim Katholikentag in Würzburg hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gesagt: „Wir müssen mehr Ökumene wagen.“ Genau das ist Pfingsten: das Eigene nicht absolut setzen, sondern das Verbindende suchen – über Konfessions- und Ländergrenzen hinweg.
In diesem Jahr erlebe ich Pfingsten in einer kleinen Kirche, die seit Jahrzehnten als Minderheitenkirche lebt. Hier ist spürbar: Es gibt keine Garantien für Gelingen und Harmonie. Aber es wächst die Erfahrung, dass Neues entsteht, wo Menschen sich bewegen lassen – von Vertrauen und von Hoffnung.
Diese weltweite Verbundenheit wird in den kommenden Tagen im Büdinger Land ganz konkret sichtbar: Gäste aus unserer Partnerkirche in East Kerala in Indien werden bei uns sein. Sie besuchen den Evangelischen Jugendkirchentag in Alsfeld, treffen Konfirmandengruppen und Gemeinden, schauen in der Partnerschule in Hammersbach vorbei und im Jugendkulturbahnhof in Bleichenbach. Sie begegnen Ehren- und Hauptamtlichen unserer Kirche – und wir ihnen. Wir werden miteinander ins Gespräch kommen, voneinander hören, einander zuhören und staunen. Und vielleicht werden wir gerade darin spüren, was uns verbindet.
Als wir vor zwei Jahren in Indien waren, gaben sie uns einen Satz mit: „Keep us in your prayers.“ Haltet uns in euren Gebeten. Darin liegt viel von dem, was Pfingsten meint: aneinander denken und einander von der Hoffnung erzählen, die uns trägt.
Pfingsten ist für mich ein tägliches Neu-Ausrichten – und die Erinnerung daran, dass wir als Christinnen und Christen weltweit verbunden sind.
Oder anders gesagt: In Island habe ich kaum etwas „verstanden“ – zumindest nicht im kognitiven Sinn. Und doch habe ich tiefer verstanden, was Gemeinschaft im Glauben bedeutet. Kognitives Verstehen hilft. Doch das Verstehen des Herzens geht weiter.
In diesem Sinn: ein verstehendes und gesegnetes Pfingstfest wünsche ich Ihnen!
Birgit Hamrich ist Pfarrerin und Dekanin im Evangelischen Dekanat Büdinger Land
Paul Seling/Pexels.comOb eine schwere Krankheit, ein Trauerfall in der Familie, das belastende Gefühl, einsam zu sein, oder einfach nur ein Coffee-to-go und Feierabend, – nehmen Sie sich einen Moment Zeit, um Impulse für Glauben und ihren Alltag mit seinen Herausforderungen und Freuden aufzugreifen.
Tobias Frick/fundus-medien.deHier finden Sie weitere „Gedanken zum Sonntag" von Pfarrerinnen und Pfarrern sowie Mitarbeiterinnen aus dem Dekanat Büdinger Land.
