Wolken am Himmel angestrahlt von untergehender Sonne. © Birgit Arndt / fundus.media

Himmlische Impulse

Gedanken zum Sonntag

Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit

von Hanne Allmansberger
für den 26. Juli 2026 – 8. Sonntag nach Trinitatis

Die Fußballweltmeisterschaft ist vorbei, so viele Länder wie nie zuvor haben mitgespielt. Es gab doch einige Besonderheiten, die uns als Beobachtende dieser Spiele zum Nachdenken brachten. 

Manche waren rein kommerzieller Natur: Wen wundert es noch, wenn aus dem Fußballgeschäft immer mehr Geld gemacht wird mit Trinkpausen und Halbzeitspektakel? 

Erschreckend und abschreckend war jedoch, dass ein Politiker einen Fußballfunktionär nur einmal anrufen muss, um die geltenden Regeln außer Kraft zu setzen. Nicht nur die Fußballwelt fragt sich: Was gilt noch? Worauf können wir uns verlassen? Welche Regeln gelten im Spiel wie im richtigen Leben? Alle sind gleich, aber manche sind gleicher als andere! 

Der Wochenspruch für die kommende Woche fordert uns auf: „Wandelt als Kinder des Lichts, die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.“ (aus dem Epheserbrief 5,8b.9) Hier erfahren wir klare Hinweise darauf, wie wir die Guten, also die Kinder des Lichts, erkennen können. 

An ihren Früchten können wir sie erkennen. Diese Früchte zeigen, ob jemand auf dem rechten Weg der Kinder des Lichts wandelt oder ob die dunkle Seite der Macht die Person auf ihre Seite gezogen hat. Die Güte braucht oft einen langen Atem. Mit einem kurzen Ruck ist es nicht getan. 

Und dann fragen sich ja auch viele Menschen: Lohnt sich das alles? Was habe ich davon, gütig zu sein? Diese Frage dürfen auch Christinnen und Christen nicht wegwischen. Es kann sein, dass manche Menschen einfach gütig sind. Sie üben sich in Güte und rechnen nicht. 

Andere aber schon. Das sollte man nicht verurteilen. Viele fürchten, ausgenutzt zu werden. Sie wären auch nicht die Ersten. Ausgenutzt zu werden macht misstrauisch. Mit Recht. Man überlegt sich dann zweimal, ob man einfach hilft; und ob man selber etwas davon hat. 

Da ist es gut, wenn Gerechtigkeit und Wahrheit dazu kommen. Sie sichern quasi die Güte ab. Durch Gerechtigkeit wird darauf geachtet, dass die Menschen gleiche Rechte erhalten. Wir alle können unseren Beitrag dazu leisten, dass Menschenwürde geachtet und nicht angetastet wird.

Auch mit der Wahrheit ist es manches Mal schwierig. Ich denke hierbei an die ethische Frage der Leihmutterschaft. Diese zeigt uns, dass ein Politiker auch an seinen Früchten erkannt wird. Die Worte waren dagegen, das Leben war dafür. Mit den Augen der Güte freue ich mich für das Elternpaar, das nun einen Kinderwagen schieben kann. 

Mit den Augen der Gerechtigkeit frage ich mich, warum das nur den Menschen vorbehalten ist, die genug finanzielle Möglichkeiten haben. Mit den Augen der Wahrheit verstehe ich nicht, wie jemand denken kann, das macht doch nichts, das merkt doch keiner. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten geht sehr viel, wenn man sehr viel Geld hat.

Leider sehen wir aber in diesem noch demokratischen Land starke Tendenzen, den Menschen mit wenig Geld auch noch ihre Würde zu nehmen. Der Kampf der Kinder des Lichts gegen Mächte des Bösen, das kennen wir nur zu gut aus den Hollywoodfilmen. Im richtigen Leben geht es oft noch viel brutaler und unbarmherziger zu. 

Ich vermisse eine klare Haltung und Verantwortung für die Werte, die wir als biblische Tradition kennen. Gerade konservative Christinnen und Christen bei uns und anderswo vergessen dann und wann, dass Gott alle Menschen geschaffen und sie mit Würde ausgestattet hat, dass Respekt, Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit nicht verhandelbar sind. 

Zu oft werden Menschenrechte bei uns und weltweit mit Füßen getreten, gehen Menschenrechte im Terror und im Krieg unter. Ich wünschte es gäbe da rote Karten für so manches faule Spiel. Ich wüsste ein paar Leute, die aus dem Spiel genommen gehören. Auf die Ersatzbank, am besten so, dass sie mal in den Genuss kommen, ein faires Spiel zu sehen. Träumen darf ich. Ich träume von Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit für alle Menschen.

Hanne Allmansberger ist Pfarrerin im Nachbarschaftsraum Niddaer Land 

Das Foto zeigt einen schwarzen KopfhörerPaul Seling/Pexels.com

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Auf einem Tisch liegen eine Bibel und ein Block. Man sieht zwei Hände, die einen text schreiben.Tobias Frick/fundus-medien.de

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