Wolken am Himmel angestrahlt von untergehender Sonne. © Birgit Arndt / fundus.media

Himmlische Impulse

Gedanken zum Sonntag

Ein Baumeister, ein Schmied

von Friedrich Fuchs
für den 20. September – 16. Sonntag nach Trinitatis

Jesus begann seine öffentliche Tätigkeit mit einer Auszeit. Nach der Taufe im Jordan ging er in die Wüste. 40 Tage Fasten, Besinnen und dergleichen. Schließlich besuchte ihn der Teufel mit drei Versuchungen. Jesus konterte mit klugpassenden Sätzen aus der Bibel. Der Teufel verschwand. Dienstbare Engel erschienen.

Diesmal predige ich Klartext! Keine mühsamen Versuche, die Versuchungen Jesu als Versuchungen für uns in die heutige Zeit zu aktualisieren. Steine in Brot verwandeln, ein schadloser Sprung von der Tempelmauer, die Weltherrschaft. Das liest sich wie aus Tausendundeine Nacht. Der Teufel und die Engel ebenso. Matthäus vier hat eine Botschaft. Die lautet: Das Böse ist besiegt! Das weiß es nur noch nicht. Aber Du – Christ, Christin – weißt es! Hab deshalb keine Angst! Sei getrost! Sei mutig!

Moni fragte, ob ich denn Leute kenne, bei denen diese Botschaft an- und ausschlüge. Gute Frage. Da muss ich nachdenken. Thomas kam mir zu Hilfe. Er wisse zwar keinen realexistierenden Menschen, aber zwei Geschichten wären ihm spontan eingefallen. In der einen geht es um einen Baumeister, in der anderen um einen Dorfschmied. 

Als gegen Ende des 15. Jahrhunderts der Bau der Münchner Frauenkirche kurz vor der Fertigstellung war, besuchte der Teufel den Baumeister. Er wolle sich das Werk einmal ansehen. Der Baumeister führte ihn zu einer bestimmten Stelle. Von hier aus habe er die beste Sicht. Der Teufel schaute sich um. Dann lachte er schadenfroh. Nirgendwo ein Fenster! Welch ein Murks! Er stampfte auf und verschwand. Sein Fußabdruck ist noch heute im Boden vorhanden. Selbstverständlich hat die Kirche Fenster. Nur hatte der Baumeister dem Teufel einen Platz angewiesen, von dem aus keines zu sehen ist.

Auch ein Schmied erhielt teuflischen Besuch. Drei Jahre darfst du in Saus und Braus leben. In dieser Zeit ersinnst du drei Aufgaben. Wenn ich sie löse, gehört deine Seele mir. Wenn nicht, dann nicht. Dann bist du frei. Der Schmied ließ sich darauf ein. Der Teufel bescherte ihm ein Leben auf großem Fuß. Dann kam er zur Abrechnung. Schon bei der ersten Aufgabe scheiterte er. Der Schmied hatte sich ein paar seiner krausen Haare ausgerissen. Schmiede sie gerade! Für die zweite Aufgabe hatte er ein Werkzeug gemacht. Was ist das? Eine Schippe, sagte der Teufel. Ein Schlag auf dem Amboss und es war eine Hacke. Da schau! Zuletzt führte ihn der Schmied in den Garten. In einem Baum saß ein riesiger Vogel. Sag mir seinen Namen! Der Teufel musste passen. Es war die Frau des Schmieds. Sie hatte sich zuerst in Teig, dann in Federn gewälzt. Da kann einem der Teufel beinahe leidtun.

Schicke Geschichten. Predigttauglich. Wir waren uns einig. Klugheit und List und das Bewusstsein, dass der Versucher ohnehin schon besiegt ist, bewähren sich. Hans sagte noch etwas zu den Engeln. Anscheinend treten sie ihren Dienst erst nach bestandener Versuchung an. Die meisten Leute wünschen die Engelhilfe aber schon als vorbeugende Maßnahme. Ab der Taufe sozusagen. Na ja. Ich denke mir: Hilf dir selbst, dann helfen dir auch mal die Engel. Moni lachte.

Friedrich Fuchs war Pfarrer im Nachbarschaftsraum Büdingen. Seit wenigen Wochen ist er im Ruhestand.

Das Foto zeigt einen schwarzen KopfhörerPaul Seling/Pexels.com

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Auf einem Tisch liegen eine Bibel und ein Block. Man sieht zwei Hände, die einen text schreiben.Tobias Frick/fundus-medien.de

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