25. August 2025
Die eine oder andere Kiste ist noch durchs Treppenhaus zu tragen: Wilfried Schutt richtet gerade sein Büro im Niddaer Margaretha-Pistorius-Haus ein. Die ersten Kontakte in der Region sind bereits geknüpft. Foto: Judith Seipel/Dekanat Büdinger Land
Die Kirche steht vor tiefgreifendem Wandel. „Wir haben weniger Mitglieder, weniger Personal, weniger Geld. Also rücken wir zusammen. So schmerzhaft dieser Prozess manches Mal auch ist, er eröffnet neue Wege und Chancen“, sagt Dekanin Birgit Hamrich zuversichtlich. Ihre Zuversicht hat Gründe: Seit dem 1. August verstärkt Pfarrer Wilfried Schutt das Evangelische Dekanat Büdinger Land. Sein Auftrag: „Wir wollen unter veränderten Bedingungen weiterhin gut Kirche sein“, erklärt Hamrich.
Schutt verantwortet die 50-Prozent-Pfarrstelle für Innovation und die Landesgartenschau 2027. Gemeinsam mit den Teams im Dekanat und in den Nachbarschaftsräumen entwickelt und erprobt er neue Formen kirchlichen Lebens. Mit der anderen Hälfte seiner Stelle betreut er den Seelsorgebezirk Heegheim und Rodenbach im Nachbarschaftsraum Evangelischen Kirchen am Limes.
Doch nicht nur die Kirche verändert sich, betont Hamrich. Auch die Bedürfnisse der Menschen seien heute andere. „Bei unserer Aktion ‚einfach heiraten‘ im Juli in Dauernheim haben wir erlebt, dass Segen nicht zwingend ein Kirchendach braucht.“ Es gebe viele kreative Ansätze, „wie wir als Kirche zu den Menschen gehen und unseren Verkündigungsauftrag erfüllen können“.
Wilfried Schutt bringt dafür eine ungewöhnliche Berufsbiografie und große Freude an der Arbeit im Spannungsfeld zwischen klassischer Gemeindearbeit und neuen Gestaltungsmöglichkeiten mit. „Die Menschen suchen nach Spiritualität und Religiosität“, sagt er, „aber das passt nicht immer in unser Konzept.“ Genau dort will er ansetzen.
Sein erster Schwerpunkt im Dekanat liegt auf der Landesgartenschau, die im April 2027 beginnt. Wie wird sich die Kirche in Bad Salzhausen, dem Hauptschauplatz, und darüber hinaus präsentieren? Schutt knüpft bereits Kontakte: mit der Landesgartenschau gGmbH, der Landeskirche, ökumenischen Partnern, Kolleginnen und Kollegen im Dekanat sowie den Kommunen.
Das Leben des 63-Jährigen ist bunt und voller Geschichten. Schon sein Heimatdorf „Ohne“ nahe der holländischen Grenze sorgt für Schmunzeln. Fünf Kinder und neun Enkel prägen seinen turbulenten Familienalltag. Auch sein beruflicher Weg ist alles andere als gewöhnlich: Nach dem Theologiestudium in Göttingen arbeitet Schutt in verschiedenen Gemeinden. Früh lernt er, „dass man auf die Menschen zugehen muss“. Spontan klingelt er an Haustüren, um neue Gemeindemitglieder zu begrüßen.
Erfahrungen sammelt er auch außerhalb der Gemeindearbeit. Als Leiter einer Arbeitsstelle für Frieden und Gerechtigkeit im Konziliaren Prozess der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen beschäftigt er sich mit gesellschaftlichen und Umweltthemen. So engagiert er sich gegen die Versenkung der Ölplattform Brent Spar in der Nordsee.
Ende der 1990er Jahre sieht Schutt für sich keine Zukunft in der Kirche und wagt einen Neuanfang. Er wechselt in die Wirtschaft, arbeitet international in der IT-Branche und übernimmt eine leitende Position in einem indischen Großkonzern. Dabei bleibt er dem Sozialen treu: Er gründet den Betriebsrat der deutschen Tochtergesellschaft und wird dessen Vorsitzender. „Ich habe nie verschwiegen, dass ich Theologe bin“, sagt er. Seine seelsorgerische Ausbildung öffnet ihm Türen, auch in schwierigen Momenten wie bei Kündigungen.
Der Kirche bleibt Schutt stets verbunden, zuletzt als ehrenamtlicher Pfarrer und Synodaler der EKHN-Kirchensynode. Über seine Frau, ebenfalls Pfarrerin und inzwischen im Ruhestand, findet er den Weg in die hessische Landeskirche. Nun schließt sich der Kreis: Seine neue Stelle vereint seine Erfahrungen, Kompetenzen und seine Vision einer Kirche, die nah bei den Menschen ist. „Gemeindeanbindung ist mir wichtig, denn vor Ort liegt der Kern unserer Arbeit. Gleichzeitig kann ich kirchliches Leben und gesellschaftliche Prozesse gestalten. “ (jub)
Evangelisches Dekanat Büdinger Land | Bahnhofstraße 26 | 63667 Nidda
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