Notfallseelsorge

Begleiter in schweren Stunden: Notfallseelsorge Wetterau sucht ehrenamtliche Mitarbeiter

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Infoabend zum neuen Ausbildungskurs

Wetterauer Notfallseelsorger brauchen Verstärkung

Foto: Annegret Rach
Foto: Annegret Rach

 

 

 

(WETTERAUKREIS/ar) - Die blaugelbe Dienstjacke liegt immer im Kofferraum ihres Autos und der „Pieper“ ist an, denn wenn sie zum Einsatz gerufen wird, muss es schnell gehen: Gabi Tinkl ist Notfallseelsorgerin. Sie begleitet zum Beispiel Polizisten, die eine Todesnachricht überbringen müssen. Und wenn die Polizei wieder weg ist, ist sie immer noch da. Sie und ihre Kollegen werden auch bei schweren Unfällen oder Naturkatastrophen gerufen. Oft sind die Notfallseelsorger dann nicht nur für die Betroffenen Gesprächspartner, sondern auch für die Einsatzkräfte, die manches schlimme Bild verarbeiten müssen.

 

 

 

Kein Ehrenamt wie jedes andere.

 

Wie kommt man dazu und was braucht man, um sich das zuzutrauen? „Erfahrung, gute Kollegen und viel Geduld“, würde Tinkl zusammenfassen. Erfahrung brachte sie schon mit: Die 60-jährige ist Diplom-Pädagogin in der Kita Arche Noah der Bad Vilbeler Christuskirchengemeinde. Und da sie dort im den Integrationsbereich arbeitet, kennt sie die Konfrontation mit Schmerz. „Die Trauer der Eltern ist immer da.“ In dieser Arbeit hat sie auch gelernt, Hilfe „langsam und leise“ anzubieten. Wie Kinder den Tod verarbeiten, hat sie beschäftigt, sie hat Fortbildungen dazu belegt und einiges in ihrer Kita angestoßen.

 

 

 

Gabi Tinkl ist der Typ Mensch, bei dem man denkt „die wuppt das jetzt“, wenn sie zur Tür hereinkommt. Doch sie kann auch still sein und einfach nur zuhören. Das ist das Wichtigste, was sie in ihrer Ausbildung zur Notfallseelsorgerin gelernt hat: Man muss warten können. Nichts tun wird zu einer großen Kunst, wenn man dabei ist, wie für Menschen eine Welt zusammenbricht. Notfallseelsorger drängen sich nicht auf. Sie entfalten keinen Aktionismus. Doch sie sind zur Stelle, wenn Menschen soweit sind, dass sie reden wollen. Manchmal hilft auch ein kleiner Satz aus der Schockstarre: „So ein Scheiß, und das an Fasching.“ hat Tinkl einmal gesagt, als ein junger Mann nach einer Party verunglückt war.

 

 

 

Keiner bleibt allein

 

Woher weiß man, was der richtige Satz in so einer Situation ist? „Bauchgefühl“, meint Tinkl. Sie sagt lieber zuwenig als zuviel. Das Wichtigste für sie ist jedoch, dass niemand in dieser Arbeit alleine ist. Mindestens ein Jahr gehen neue Notfallseelsorger mit einem erfahrenen Kollegen mit. Auch später sind sie häufig zu zweit. Niemand muss tun, was er oder sie sich nicht zutraut. „Ich hab auch schon mal einen Einsatz abgelehnt, weil mir die Situation persönlich zu nahe ging.“ Toll findet Tinkl, dass es dann für die Kollegen keine Frage ist, spontan einzuspringen. Diese Solidarität ist ein Netz, das alle Mitarbeitenden in der Notfallseelsorge trägt. „Man ergänzt sich, man achtet einander und man nimmt den anderen wahr.“ In regelmäßigen Supervisionstreffen wird das Erlebte gemeinsam reflektiert. Ihr persönlich hilft auch ihr Glaube. Sie fände es schwierig, diese Arbeit zu tun, ohne diesen Rückhalt. Notfallseelsorger missionieren jedoch nicht und sie sind für alle Menschen da, völlig unabhängig von deren Religion. Wenn die Angehörigen es möchten, spricht sie auch ein Gebet. „Es ist ein gutes Gefühl, wenn es gelingt, einen Anker zu setzen, dass es irgendwie weitergeht.“ Einmal wurde sie in ein Krankenhaus gerufen, um einen Segen zu sprechen, bevor  der Verstorbene aus dem Raum getragen wurde. Dass sie nur dafür eine ganze Stunde im Auto unterwegs war, findet sie völlig in Ordnung. Es gehe doch darum, den Angehörigen einen guten Abschied zu ermöglichen, das ist ihr wichtig.

 

 

 

Darin liegt vielleicht auch die Antwort auf die Frage nach der Motivation der rund 15 ehrenamtlichen Notfallseelsorgerinnen und –seelsorger in der Wetterau: Sie tun diese Arbeit, weil sie wichtig ist. Allerdings bräuchten sie dringend Verstärkung. Ein neuer Ausbildungskurs soll im Herbst starten.

 

Was muss man dafür mitbringen außer der Fähigkeit, zuzuhören? Ein eigenes Auto ist wichtig, denn die Einsätze erfolgen in der ganzen Wetterau. Und man sollte die Zeit haben, zwei Bereitschaftsdienste zu je 24 h im Monat zu übernehmen. Diese Tage sind flexibel, der Dienstplan wird jeden Monat neu zusammengestellt.

 

 

 

Für alle, die sich im Gespräch mit Notfallseelsorgern informieren möchten, ob diese Aufgabe etwas für sie wäre, gibt es einen Informationsabend am 19.09.2017 um 20 Uhr in der Pfarrscheune Gettenau (Hauptstraße 72, 61209 Echzell/Gettenau)

 


Im Herbst startet Notfallseelsorge-Ausbildung in Friedberg/ Infoabend in Gettenau

Foto: Stefan Frey
Foto: Stefan Frey

(Friedberg/cp) - Sie kommen immer dann zum Einsatz, wenn Menschen in Krisensituationen sind. Etwa wenn die Nachricht vom Tod eines Angehörigen überbracht werden muss. Oder wenn Polizisten und Feuerwehrleute selber Beistand benötigen, weil sie an besonders belastenden Einsätzen beteiligt waren. „Notfallseelsorger halten mit den Betroffenen das Leid eines Schicksalsschlages aus und bieten

Nähe und Beistand an,“ erklärt Pfarrer Stefan Frey vom Evangelischen Dekanat Wetterau. Die Notfallseelsorge Wetterau wird von der evangelischen und der katholischen Kirche getragen und unterstützt Rettungsdienste, Polizei und Feuerwehr. Sie wird über die zentrale Leitstelle in Friedberg alarmiert und ist Teil der Rettungskette. Stefan Frey ist einer von drei Koordinatoren der Notfallseelsorge. Insgesamt kann er auf ein Team von derzeit 17 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zurückgreifen.

 

„Wir suchen Ehrenamtliche mit Interesse an diesem wichtigen seelsorgerlichen Dienst“, sagt Frey. Damit die zukünftigen Notfallseelsorger ihrer verantwortungsvollen Aufgabe gewachsen sind, bieten die Kirchen im Herbst eine sechswöchige Ausbildung an. Die Ehrenamtlichen sollten bereit sein, monatlich insgesamt 48 Stunden Bereitschaftsdienst zu übernehmen. Eine gewisse Anzahl von Stunden ist notwendig, um die nötige Routine zu bekommen,“ so Frey. 

 

„Wir sorgen dafür, dass die Ehrenamtlichen sehr gut ausgebildet werden und begleiten sie in ihrer Tätigkeit“, sagt Stefan Frey. Jedem Einsatz folgt eine Nachbesprechung. Die Kirchen setzen erfahrene Supervisoren ein, die den Helfern beim Verarbeiten ihrer Erlebnisse zur Seite stehen. Nach erfolgreichem Abschluss kommt es zur kirchlichen Beauftragung in den ehrenamtlichen Notfallseelsorgedienst. Die Teilnahme an der Ausbildung ist kostenlos. Eine Anmeldung zum Informationsabend am Dienstag, 19. September 2017 um 20:00 Uhr in der Pfarrscheune Gettenau ist möglich bei Pfarrer Stefan Frey, Telefon 0179-3484734, E-Mail: stefan-frey@t-online.de . Weitere Informationen zur Notfallseelsorge findet man im Internet unter www.notfallseelsorge-wetterau.de.

 

 

 


Fotoquelle: Zentrum Verkündigung der EKHN
Fotoquelle: Zentrum Verkündigung der EKHN

 

Notfallseelsorge ist:

  • Auftrag der Kirche im Sinne von Lukas 10 (Gleichnis vom barmherzigen Samariter)
  • Erste Hilfe für die Seele in akuten Krisensituationen
  • Seelsorgliches Angebot für Betroffene, Angehörige und Hilfskräfte
  • Seelsorgliches Angebot an Menschen unabhängig von ihrer Konfession, Religion oder Weltanschauung
  • Ein Angebot der Kirche, das in Kooperation mit Hilfsdiensten geschieht
  • Ein spezifischer kirchlicher Beitrag bei der psycho-sozialen Notfallversorgung der Bevölkerung
  • Teil des missionarischen Auftrages der Kirche. Sie nimmt Kontakt auf auch zu Menschen außerhalb der Kerngemeinde und sie prägt das Profil der Evang. Kirche in der Öffentlichkeit in besonderer Art und Weise (Hinwendung zum Notleidenden).

Die Notfallseelsorge hat nach wie vor eine fast durchgängig positiven Außenwahrnehmung. Ihre Aktivitäten sind mittlerweile zum annähernd selbstverständlichen Bestandteil der Notfallversorgung geworden. Der Beitrag der Kirchen, um Menschen in Not nicht allein zu lassen, wird von allen Kooperationspartnern und in der Gesellschaft hoch wertgeschätzt und als glaubwürdiges Engagement wahrgenommen. An kaum einer anderen Stelle erreicht die Seelsorge so viele Menschen, die sonst in relativer Distanz zu üblichen kirchlichen Angeboten leben. Die Notfallseelsorge arbeitet professionell und muss sich zunehmend professionellen Standards stellen. Nicht selten ist die Notfallseelsorge die einsatzstärkste Organisation im Vergleich mit anderen ehrenamtlich aktiven Hilfsorganisationen vor Ort. Und noch wird das Angebot flächendeckend erbracht, d.h. eine notfallseelsorgliche Begleitung wird im ganzen Kirchengebiet angeboten, unabhängig davon ob es sich um eine ländliche Region oder eine

Großstadt handelt.