Dem kalten Wetter getrotzt

AnRadeln-Gottesdienst in Bad Salzhausen ohne Picknick, aber mit Touren

24. April 2024

Pfarrer Alexander Starck (linkes Foto, rechts) und Prädikant Peter Berthold hielten den trotz des unfreundlichen Wetters recht gut besuchten Gottesdienst im Kurpark Bad Salzhausen. Und sogar eine kleine Ausfahrt war im Anschluss noch drin. Fotos: Starck

Auch wenn der Wintereinbruch im April den Pfarrer und die Organisatoren vor eine Herausforderung stellte: Der erste AnRadeln-Gottesdienst in Bad Salzhausen war ein schöner Erfolg. Trotz kalter Temperaturen und abgesagtem Picknick feierten gut 30 Menschen einen lebendigen Gottesdienst mit Pfarrer Alexander Starck und Prädikant Peter Berthold im Kurpark, um gesegnet in die neue Fahrradsaison zu starten. Im Anschluss haben alle noch eine kleine Ausfahrt gewagt. Schnell hatten sich dafür Gruppen gefunden, die ganz nach Neigung und Können mal sportlich und mal eher gemütlich unterwegs waren. Dem Vernehmen nach soll es nicht der letzte Fahrrad-Gottesdienst in Bad Salzhausen gewesen sein. (jub)


Flagge zeigen

Evangelische Gemeinden treten ein für eine solidarische Gesellschaft

21. April 2024

Die Kirchengemeinde Nidda von Pfarrerin Hanne Allmansberger ist eine von vielen im Dekanat Büdinger Land, die sich an der Aktion "Unser Kreuz hat alle Farben!" beteiligen. Foto: red

Kirchengemeinden zeigen Flagge, überall im Evangelischen Dekanat Büdinger Land und weit darüber hinaus. An die 400 violette Banner mit einem bunten Kreuz und der Aufschrift „Unser Kreuz hat alle Farben! Für Demokratie, Menschenwürde und eine offene Gesellschaft“ wehen im Gebiet der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) von Kirchtürmen oder hängen gut sichtbar vor kirchlichen Einrichtungen. Die Idee zu dieser Aktion hatte Christoph Gerdes, Pfarrer der Gemeinde in Ober-Eschbach – Ober-Erlenbach: „Wir wollen überzeugen und nicht ausgrenzen. Deshalb stehen wir ,für´ etwas ein und nicht dagegen“, so der Theologe.

 

Sein Vorstoß zog weite Kreise: Rund 200 Gemeinden und Einrichtungen der EKHN griffen die Idee auf, darunter zum Beispiel die Kirchengemeinde Hitzkirchen. „Die vielen Kundgebungen und Demonstrationen für Demokratie, auch in unserer Region, und der große Drang der Gesellschaft nach rechts machen mir Angst und stimmen mich nachdenklich. Das hat mich bewegt, diese Fahne zu bestellen“, sagt Silke Sinner, Vorsitzende des dortigen Kirchenvorstands. „Wir haben ein Foto der Fahne in unsere Kirchenvorstand-Gruppe gestellt und sofort kamen die Redaktionen, dass sie es gutheißen. Wir stehen hinter dieser Flagge. Wir alle wünschen uns Frieden und Gerechtigkeit auf der Welt“, so Silke Sinner.

 

Auch in Geiß-Nidda, Rommelhausen oder Gedern, um nur einige Orte zu nennen, wehen die Flaggen oder sind die Banner mit dem bunten Facettenkreuz aufgehängt. „Wir haben das Transparent an der Kirchenmauer angebracht. Damit sprechen wir uns deutlich gegen alle Formen von Rassismus, Diskriminierung und Verachtung von Menschenrechten aus“, sagt Pfarrer Markus Christ aus Langen-Bergheim und nennt den Apostel Paulus für Christen wegweisend, wenn dieser im Galaterbrief formuliert: „Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Jesus Christus.“

 

„Ich freue mich wirklich sehr, dass sich so viele Kirchenvorstände dieser Aktion angeschlossen haben“, sagt Dekanin Birgit Hamrich. „Unsere Welt braucht keine Hassredner. Unsere Welt braucht Brückenbauer und Friedensstifterinnen“, so Hamrich weiter, die in diesem Zusammenhang auch auf die Resolution für Menschenwürde und Demokratie verweist, die von der Dekanatssynode im Februar dieses Jahres verabschiedet und inzwischen auch von anderen Dekanaten aufgegriffen worden ist.

Kirchenpräsident Volker Jung ist ebenfalls begeistert, dass sich die Initiative einer Gemeinde auf dem gesamten Gebiet der EKHN ausbreitet: „Viele Menschen sehen mit großer Sorge auf rechtsextreme Gedanken. Zum Glück auch mit Trotz und Widerstand.“ (jub)


Ausflug ins Eis

Gemeindepädagoginnen besuchen mit Familien Ausstellung in Fulda

20. April 2024

Foto: Nagel-Kroll
Foto: Nagel-Kroll

„Expedition ins ewige Eis– Dem Forschungsschiff Polarstern und dem Klimawandel auf der Spur“ - so lautet der Titel einer inzwischen beendeten Sonderausstellung in der Kinderakademie Fulda. Die beiden Gemeindepädagoginnen Renate Nagel-Kroll und Ruth Weyel-Bietz hatten einen Besuch dieser Ausstellung für eine Gruppe von Kindern mit deren Eltern oder Großeltern organisiert. 

 

Schon auf der Zugfahrt von Gelnhausen nach Fulda galt es ein „Eiskaltes Quiz“ zu lösen. Welche Hautfarbe hat der Eisbär? Wie kalt ist das kälteste Eis? Leben Pinguine am Süd- oder Nordpol?

 

Vor Ort gab es schließlich noch viel mehr als nur Antworten auf diese Fragen. Ein echter Sextant durfte ausprobiert werden und ebenso konnten die Stiefel und Handschuhe der Schutzkleidung von Polarforschern anprobiert werden. Eindrucksvoll war auch die Eisbär-Zeichnung in Originalgröße: Aufgerichtet kann ein männlicher Eisbär bis zu vier Meter Höhe erreichen. An einer großen Tafel konnte mit Magnet-Kärtchen der möglichst kalorienreiche Speiseplan für die Schiffs-Crew zusammengestellt werden. Mehrere Klein-Darstellungen gewährten einen Einblick das Leben auf der „Polarstern“. Die Erklärungen eines Museumspädagogen, der durch die Ausstellung führte und dabei die Kinder mit ihrem zum Teil erstaunlichen Vorwissen einbezog, ließen keine Langeweile aufkommen.

 

Fast atemberaubend waren zwei riesengroße Bilder des Fuldaer Fotografen Michael Gutschke, der die Mosaic-Expedition miterlebte. Eine Video-Simulation veranschaulichte deutlich die Eisschmelze im Verlauf der letzten Jahrzehnte. Wie sehr der Müll die Arktis und unsere Meere bedroht, hatte eine Künstlerin imposant dargestellt: ein riesiger Narwal – das sogenannte „Einhorn der Meere“ – gestaltet aus Plastikabfällen. Dieses Objekt hing von der Decke im abgedunkelten Raum, wo eine dicke Matte zum Ausruhen einlud und die Gesänge der Wale zu hören waren. Nach so vielen Eindrücken wurden die Picknickdosen vor dem Museum im Sonnenschein geleert, bevor sich die Gruppe wieder Richtung Bahnhof aufmachte. Bei der Rückfahrt im Zug durften sich alle - als kleine Erinnerung - noch eine Delphin-Karte aussuchen. (red)


Über die Grenze schauen

„Talk am Turm“ widmet sich dem Mysterium von Tod und Auferstehung in der Kunst

26. März 2024

Mit Pfarrer David Schnell (l.) wurde die zweite Veranstaltung von "Talk am Turm" zu einer virtuellen Führung durch Frankfurter Museen, vornehmlich dem Städel und dem Liebighaus. Rechts die drei Initiatoren des Gesprächsforums Hans Hamrich, Rainer Böhm und Konrad Schulz (v.r.). Dekanin Birgit Hamrich begrüßte die Gäste im Margaretha-Pistorius-Haus. Foto: Seipel

Über die Grenze schauen, dem Mysterium von Tod und Auferstehung ein Stück näherkommen, wenigstens für einen Moment, dazu hatte das Evangelische Büdinger Land in das Margaretha-Pistorius-Haus in Nidda eingeladen. Unter dem Titel „Das Unsichtbare sichtbar machen“ widmete sich das Gesprächsforum „Talk am Turm“ einem schwierigen Thema, dem nicht zu greifenden Phänomen Tod und der Hoffnung auf ein ewiges Leben, die Christinnen und Christen trägt und die sich ebenfalls nur schwer in Worte fassen lässt. Denn es gibt kein theoretisches Wissen darüber, keine „Erfahrungsberichte“.

 

„Die Kunst aber“, sagt David Schnell, „kann uns ein Stück dorthin führen.“ Schnell ist Theologe. Als Pfarrer am Museumsufer organisiert er Führungen in den Frankfurter Museen zu theologischen Fragestellungen, auch für Kinder und Jugendliche, und ermöglicht so den Dialog zwischen den beiden Feldern Religion und Kunst. Auf diesem Weg erreiche er auch Menschen, „die glauben, mit Kirche nicht so viel zu tun zu haben“, wie er es ausdrückte.

 

Seine Zuhörerinnen und Zuhörer im gut besuchten Johanniter-Saal nahm Schnell mit in die bedeutende Gemälde-Ausstellung im Frankfurter Städel und die Skulpturensammlung im benachbarten Liebig-Haus. Die Werke, die er auf einem großen Bildschirm zeigte, umspannen den Bogen der Karwoche und versuchen das Geschehen, das durchaus verstörend ist, verständlich zu machen. Das Projizieren der Bilder könne freilich die direkte Begegnung mit den Kunstwerken nicht ersetzen, lud Schnell nach Frankfurt ein. Am Main reihen sich die Museen nur so aneinander, weswegen das Museumsufer Frankfurt zu den wichtigsten internationalen Museumsstandorten zählt.

 

Die Karwoche, in süd- und osteuropäischen Ländern auch „Heilige Woche“ genannt, ist eine Zeit zwischen den Extremen. Darauf hatte Dekanin Birgit Hamrich in ihrer Begrüßung hingewiesen. Die Zeit von Palmsonntag bis Ostersonntag entwickle eine besondere Dynamik: von der Bedrohung über das Aushalten von Leid und Schmerz und Ungerechtigkeit bis zum Sterben. „Wir wissen heute, dass die Geschichte gut ausgeht. Die Menschen damals wussten das nicht.“

 

Über die Jahrhunderte hinweg haben sich Künstler mit dem Thema Tod und Auferstehung befasst und immer neue Ausdrucksformen gefunden. Diese waren auch Spiegel ihrer Zeit. Während Jesus in der Romanik selbst im Tod noch souverän als „Herrscher der Welt“ dargestellt worden sei, der nicht am Kreuz hängt, sondern zu schweben scheint, habe sich das in der Gotik gewandelt: Jesus, ans Kreuz genagelt, ein leidender, ausgelaugter Körper. Es war eine Zeit der Kriege, Hungersnöte und der Pest. „Den Menschen war wichtig, dass Christus mit ihnen leidet und sie tröstet“, erklärte Schnell die Botschaft: „Jesus hat Leid extrem erlebt, aber Leid und Tod sind nicht die letzte Station.“

 

Auch die Pietà, die Darstellung Marias mit dem toten Sohn in ihren Armen, sei im 13. Und 14. Jahrhundert sehr populär gewesen. Mütter hätten häufig um ihre Kinder trauern müssen, „die Pietà hat sie getröstet, weil sie das auch erlebt hat und weiß, wie die Geschichte weitergeht“. Einer solchen Darstellung aus dem späten 14. Jahrhundert aus dem Liebighaus stellte David Schnell eine zeitgenössische Skulptur gegenüber: täuschend echt wirkende Figuren des Künstler Sam Jinks mit dem Titel „Still Live (Pietà)“ aus dem Jahr 2007. Ein alltäglich gekleideter Mann mittleren Alters hält in seinem Schoß den gebrechlichen nackten Körper eines Greises, der offensichtlich tot ist. Diese Skulptur zeige die Realität des Todes, „und es bleibt offen, ob die Erlösungshoffnung noch hineinspielt“.

 

Was geschieht nach dem Tod? David Schnell antwortete unter anderem mit einem „Schmuckstück“ aus dem Städel: „Das Paradiesgärtlein“, das Gemälde eines Oberrheinischen Meisters, entstanden vermutlich um das Jahr 1420, zeige „ganz viel von der Vorstellung der Menschen, was man nach dem Tod erwarten kann“, so der Theologe. Maria und Jesus als Kind im Paradies, umgeben von Heiligen und Engeln, vielen Tieren und Pflanzen.

 

Auch moderne Gemälde ordnete Schnell diesem Kontext zu, „Abstract Painting“ von Ed Reinhardt, eine quadratische, vermeintlich schwarz bemalte Leinwand. Bei genauer Betrachtung erkennt man neun Quadrate in unterschiedlichen Grautönen, die ein Kreuz darstellen. Indem man genau hinschaue und sich auf ein Bild einlasse, könne man dem Göttlichen, dem Ewigen begegnen und dann es gelinge es vielleicht, „über die Grenze zu schauen“. (jub)


"So viel Du brauchst"

Klima-Nachtgebet an der Glasarche

26. März 2024

Die Evangelischen Kirchengemeinden Langen-Bergheim und Eckartshausen, das Evangelische Dekanat Büdinger Land und die Bewegung „Christians for Future“ luden im Rahmen der ökumenischen Aktion „Klimafasten“ zu einem Klima-Nachtgebet an die Glasarche ein. Foto: Markus Christ                                                                           

An der Regionalparkroute Rhein-Main, Hohe Straße bei Hammersbach-Hirzbach, steht zurzeit das Kunstwerk „Glasarche“. Sie wurde von bayerischen Glaskünstlern hergestellt als Sinnbild dafür, dass die zerbrechliche Arche dem Menschen mittlerweile aus den Händen gleitet. Für ihr Wohl und Wehe, so die Botschaft, sind wir alle verantwortlich sind.

 

Die Evangelischen Kirchengemeinden Langen-Bergheim und Eckartshausen, das Evangelische Dekanat Büdinger Land und die Bewegung „Christians for Future“ nahmen dies zum Anlass, um im Rahmen der ökumenischen Aktion „Klimafasten“ zu einem Klima-Nachtgebet an die Glasarche einzuladen. Vorbereitet und durchgeführt wurde das Klima-Nachtgebet von Pfarrer Markus Christ, Linda Schäfer und Susanne Götz (Langen-Bergheim), Pfarrerin Tanja Langer (Eckartshausen), Michael Streubel und Lutz Neumann („Christians for Future“) sowie Rita Stoll, Friedegard Enders und Barbara Unger (Dekanat Büdinger Land). Musikalisch unterstützt wurden sie von einer Posaunen-Bläsergruppe, geleitet von Susanne Ludwig. 

 

Im Klima-Nachtgebet stand – passend zum Kunstwerk- die biblische Arche-Noah-Geschichte im Mittelpunkt. Wie deutlich spricht diese Geschichte gerade in die Gegenwart hinein: Wasser, die so dramatisch steigen, dass eine Katastrophe in sintflutartigem Ausmaß droht. Noah, dem aufgetragen wurde, von jedem Getier mit in die Arche zu nehmen. Er wird damit gewissermaßen zum ersten Artenschützer der Menschheitsgeschichte, so Dr. Michael Streubel, von den „Christians for Future“. Gott, der seinen Bund nicht nur mit dem Menschen schließt, sondern mit „allem lebendigen Getier“ 1. Mose 9,12).

 

„Das Verhältnis von Bebauen und Bewahren der Schöpfung ist in den letzten Jahrzehnten in den Industriestaaten aus dem Ruder gelaufen. Sichtbar weltweit wie auch unmittelbar vor Ort. Unser Wirtschaften hat die Erde an den Rand des Abgrundes gebracht, und schafft weltweit Ungerechtigkeiten. Jede und jeder einzelne ist Teil dieser Zusammenhänge. Nur durch Einsicht und Umkehr können wir Menschen noch umsteuern, wenn wir es denn wirklich wollten“, so Pfarrer Markus Christ.

 

Klage, Einsicht und Buße wurden darum im Klima-Nachtgebet vor Gott gebracht. Die Frage nach den Grenzen und nach dem „was ist genug?“ gestellt. In meditativen Sequenzen wurde durch Sehen, Hören und Fühlen nachgespürt, wie wir Menschen Teil der Schöpfung sind. Nachgedacht wurde auch über eigene Schuldverstrickungen und über neue Möglichkeiten qualitativ besseren Lebens, in dem manches „Weniger“ durchaus ein „Mehr“ an Lebensqualität sein könne.

 

Dem Lob des Schöpfers müsse ein Respekt vor der Schöpfung und ihren natürlichen Ordnungen folgen, betonte Pfarrer Markus Christ.

 

Mit der Kollekte wurde die Diakonie-Katastrophenhilfe unterstützt, die neben vielem anderen auch denen hilft, die Opfer der Klimakatastrophe geworden sind. (red)

 

Informationen zur Glasarche findet man hier.