Partnerschaft mit East Kerala

Wichtige Aufgabe der Profilstelle „Ökumene“ ist die Pflege und der Ausbau der Kontakte zur Diözese „East Kerala“ in Südindien. Das oberhessische Dekanat Alsfeld und das Evangelische Dekanat Büdinger Land sind mit East Kerala partnerschaftlich verbunden. An die Profilstelle Ökumene ist seit dem 01.01.2006 die Geschäftsführung des Partnerschaftsausschusses gebunden. Weitere wichtige Aufgaben sind die Beratung und Begleitung der Gemeinden zu Themen der Partnerschaft und Ökumene. Zur besonderen Gestaltung der Profilstelle gehören die Durchführung von Kindertagen und Familiengottesdiensten zu Themen der Partnerschaft. Die jährlich stattfindenden Partnerschaftsgottesdienste sind dabei von besonderer Bedeutung. Das Dekanat Büdinger Land feiert diesen Gottesdienst als zentralen Gottesdienst am Trinitatis-Sonntag. 

 

Christen in Indien 

Die Christen in Indien sind mit knapp 3% der Bevölkerung eine kleine Minderheit. Die große Mehrheit der Inder sind Hindus (81%). Die Moslems stellen mit 11% die größte Minderheitsgruppe des Landes.

In Geschichte und Gegenwart liegt das Zentrum der Christen im Süden des Landes, besonders in den Bundesstaaten Tamil Nadu und Kerala, wo sie in einigen Bezirken die Mehrheit der Bevölkerung stellen.

Die größte Gruppe innerhalb der Christen Indiens sind die Katholiken, gefolgt von den Kirchen der Reformation (incl. Anglikaner) und (in Kerala) die syrisch-orthodoxen Kirchen (Thomas-Christen).

Christen haben in Südindien eine lange Tradition, die bis auf die Legenden des Apostels Thomas zurück reicht. Der Apostel soll in Indien gewirkt haben. Die heutigen syrisch-orthodoxen Kirchen berufen sich, auf den Apostel Thomas und sind stolz, in dieser Tradition zu stehen. Historisch gesichert ist, dass spätestens im dritten Jahrhundert das Evangelium durch syrische Händler nach Indien gekommen ist. 

 

Unsere Partnerdiözese East Kerala 

Die protestantischen Kirchen haben sich 1947 in Südindien zu dem Kirchenbund der Church of South India (CSI) zusammengeschlossen. Unsere Partnerdiözese East-Kerala ist eine der heutigen 21 SCI-Diözesen.

Die Gemeinden in East Kerala blicken auf eine relativ junge Tradition aus der britischen Kolonialzeit zurück. Ihr „Apostel“ war der englische Missionar James Backer, der von 1848-1898 in Kerala missionierte. Bis heute haben sich in East Kerala auf aus den kleinen Anfängen rund 200 Gemeinden entwickelt, die von 60 Pfarrern betreut werden. Insgesamt gehören der Diözese 80.000 Menschen an.

Die Gemeinden liegen verstreut in einem Hügel- und Bergland. 80% der Gemeindeglieder gehören den Adivasis (Stämmesvölkern) an, 10% sind Dalits (Kastenlosen). Das System der Kasten ist bis heute die wichtigste Sozialstruktur innerhalb der indischen Gesellschaft. Einzig in Kerala hat das Kastensystem durch den hohen Anteil von Christen und mehreren frei gewählten kommunistischen Regierungen, die das Kastensystem bekämpfte, seine prägende Kraft verloren. Die Christen in East Kerala bleiben trotzdem als Adivasis und Dalits das Schlusslicht der Gesellschaft. Nur wenige besitzen Land, das sie selbst bearbeiten können. Dagegen sind viele Arbeiter und Tagelöhner auf den großen Plantagen (bes. Tee, Ananas, Kautschuk).

In der Arbeit der Diözese spiegelt sich diese Situation wieder: neben der traditionellen Arbeit in den Gemeinde wie Sonntagschule, Chor und Frauengruppen unterstützt die Diözese Dorfentwicklungsprogramme zur Verbesserung der medizinischen und hygienischen Zuständen und der Ernährungssituation ihrer Bewohner. Diese Programme kommen ganzen Dörfern und nicht nur den Christen innerhalb der Dorfgemeinschaft zugute. Weitere Zweige der Sozialarbeit sind u. a. ein Berufsausbildungszentrum und ein Hausbauprogramm. 

 

Ökumene, Partnerschaft und die Arbeit vor Ort

Die Mehrheit der Christen lebt heute in den Ländern, die wir früher als „3. Welt“ bezeichneten. Von dort kommen auch die theologischen Impulse, die seit vielen Jahren innerhalb von Theologie und Kirche für neues Denken und Handeln gesorgt haben, z. B. die „Befreiungstheologie“ (Südamerika) oder „Theologie der Religionen“ (Indien). Papst Johannes Paul II. hat 1999 das 21. Jahrhundert zum „asiatischen Jahrhundert“ erklärt. Das gilt nicht nur kirchlich, sondern ebenso wirtschaftlich und politisch.


Viele große Entscheidungen des 21. Jahrhundert werden in Asien getroffen, z.B.:

  • die Ausgestaltung der Globalisierung, wenn China und Indien zu Weltmächten aufsteigen 
  • die Zukunftsfähigkeit der Demokratien und das Zusammenleben von westlich-christlicher und arabisch- moslemischer Welt. 
  • die großen Konfliktherde der Welt liegen z. Z. in Asien: Irak, Afghanistan, Kaschmir 


In East Kerala ist davon wenig zu spüren. Es ist jedoch nicht zu übersehen, dass z. B.

  • die gut ausgebildeten Menschen die Orte verlassen und in die Zentren ziehen, 
  •  das Zusammenleben von Christen, Hindus und Moslems in jedem Dorf zum Alltag gehört. Das „indische Dorf“ zeigt bis heute große Widerstände gegen eine Radikalisierung einzelner Gruppen. (Diese Radikalisierung gelingt immer wieder.) 
  • die Preisentwicklung bei den Naturprodukten wie Tee und Kautschuk auf dem Weltmarkt lassen in Kerala ganze Regionen aufblühen oder verarmen 


Die Christen in Kerala leben und gestalten in jeden Ort ein Miteinander der Religionen und Volksgruppen. Sie wissen um die Gefährdung von „Integration“ und kennen die kleinen Schritte, die nötig sind, auch schmerzhafte Rückschläge zu überwinden.
Die Erfahrungen unserer indischen Partner sollten wir angesichts unserer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen wie Integration und Globalisierung nicht gering achten. Sie haben uns vieles zu sagen, was vor Ort getan werden könnte, um „Integration“ bei uns zu konkretisieren. Wir sollte diese Chance nutzen.

Unsere Partnerschaft ist ein Lernprozess zwischen einer wachsenden, missionarischen Kirche inmitten schwierigen Lebens- und Gesellschaftsbedingungen in Indien und ev. Dekanaten in Deutschland, die Problemen wie schrumpfende Gemeinden und Finanzen gegenüberstehen.

 

Indien-Kindertage in Hirzenhain im Juli 2005: Susan Samuel zeigt die Kunst des Sari-Wickelns.
Indien-Kindertage in Hirzenhain im Juli 2005: Susan Samuel zeigt die Kunst des Sari-Wickelns.

In der Partnerschaft werden wir zuerst nach unserem Glauben, nach unseren Hoffnungen und Visionen gefragt. (Und das, was wir als Problem auf der Tagesordnung haben, ist weder in Indien noch in Afrika als ein „Problem“ zu vermitteln.) Hier helfen uns die ökumenischen Kontakte, mit unserer Situation gelassener umzugehen und stärker die Chancen und neuen Möglichkeiten zu sehen, als dem Althergebrachten nachzutrauern.

Glaubwürdige Partnerschaft fängt zu Hause an und bewährt sich in Gebet und Fürbitte füreinander, aber auch im Blick auf ein gelingendes Miteinander verschiedener Kirchen und Religionen, auf ein Miteinander von Menschen verschiedener Kulturen, Sprachen und Traditionen bei uns. 

 

 

 

 

 

Angebot

Pfarrer Thomas Philipp ist auf Anfrage gerne bereit, in Kirchenvorständen und Gemeindegruppen, in Familiengottesdiensten und auf Kindertagen von den indischen Partnern zu berichten. Es geht ihm aber nicht nur darum, den Blick nach Indien zu richten, sondern auch nach Möglichkeiten missionarischer und ökumenischer Präsenz in der Region zu fragen.

 

E-Mail: Ev_Kirchengemeinde_Ranstadt@t-online.de