Kirchenmusik in der Region Büdingen

Anne Wagner, Büdingen

Kantorin in Büdingen und im Dekanat Büdinger Land

Vorstadt 9-11
63654 Büdingen
Tel. 06042 / 9588167

E-Mail: anne.wagner@dekanat-buedinger-land.de


Neue Kantorin in evangelischer Kirchengemeinde Büdingen

  

Von Elke Kaltenschnee

 

( Büdingen/ek) - Lange Jahre war es in Büdingen so: Wer Kirchenmusik sagte, meinte Barbara Müller. Das hat sich am 1. September geändert. Die Kantorin der evangelischen Kirchengemeinde hat sich Anfang Juli mit 64 Jahren in den Ruhestand verabschiedet, und Anne Wagner hat die freigewordene Stelle als Kirchenmusikerin der Gemeinde übernommen.

 

Bevor sie nach Büdingen kam, war Anne Wagner als Krankheitsvertretung in Großenhain bei Dresden tätig gewesen. "Erst am 20. August wurde ich dort verabschiedet. Für den Umzug nach Büdingen blieb mir eine gute Woche Zeit. Das war ein nahtloser Übergang", sagt die junge Frau mit charmant rollendem

"R". "Ich komme aus Nordostoberfranken", erklärt sie auf Nachfrage: "Aus Naila. Aus dem allerletzten Winkel im Dreiländereck Thüringen-Sachsen-Bayern. Naila ist ein beschauliches Städtchen unweit von

Hof." Dort also ist Anne Wagner als Älteste von fünf Geschwistern aufgewachsen. Seit ihrem sechsten Lebensjahr spielt sie Klavier - und das "nicht ganz unbegabt", wie sie betont. Aufgrund ihres Talents

ermöglichten die Eltern ihr denn auch, das Jean-Paul-Gymnasium in Hof zu besuchen, das über einen musischen Zweig verfügt.

 

Mit zehn Jahren nahm sie Orgelunterricht. Ihre Motivation damals: Musik in der Kirche, das klingt so groß, so schön. Doch ihr Lehrer, der Kantor ihrer Heimatgemeinde, habe sie vor allem gottesdienstliche Werke spielen lassen. Sie habe sich bald gelangweilt und gab das Orgelspiel wieder auf. "Jahre später bin ich mit meiner Mutter an einer Kirche vorbeigelaufen, in der jemand auf der Orgel musizierte. Da hat mich wieder die Lust gepackt." Nach dem Abitur studierte sie Kirchenmusik an der Hochschule für evangelische Kirchenmusik in Bayreuth, machte ihren Bachelor- und anschließend ihren Master-Abschluss, B- und A-Kirchenmusiker hießen die beiden Abschlüsse damals noch. Nebenbei erwarb sie je ein Diplom für Klavierpädagogik, Orgel und Künstlerische Chorleitung. "Man muss so vielfältig wie möglich ausgebildet sein" habe sie damals gedacht. "Wenn es nicht geklappt hätte mit der Sakralmusik, hätte ich immer noch an einer Musikschule unterrichten können." Ein Plan B ist in Anne Wagners Metier kein Fehler, denn die Berufssituation von Kirchenmusikern ist nicht rosig. Die Zahl der Hundert-Prozent-Stellen hat sich in den vergangenen zwölf Jahren in der evangelischen Kirche Deutschlands etwa halbiert. "Einige meiner Kommilitonen, die genau das Gleiche gemacht haben wie ich, haben nach wie vor nur befristete 75-Prozent-Verträge." Kein Wunder, dass Anne Wagner sich lange unsicher war, ob sie Schulmusik oder Kirchenmusik den Vorzug geben sollte. "Meine Mama sagte damals: 'Studier' was G'scheit's.' und meinte Schulmusik. Ich sagte: 'Na, will ich nicht' und dachte: 'Zur Not kann ich immer noch Schulmusikerin werden.'" Ihre Eltern hätten eine Anstellung an einer Schule damals lieber gesehen, offenbart Anne Wagner. Doch sie hatte keine Lust, als Musiklehrerin Schülern, "die keinen Bock haben", etwas näherzubringen, was die Kinder und Jugendlichen überhaupt nicht interessiert.

 

"Nach einem Semester in Bayreuth wusste ich genau: Kirchenmusik ist genau das Richtige für mich. Und das habe ich am Ende meines Studiums immer noch gedacht." Kirchenmusiker sei der einzige Beruf, in dem man pure Musik machen könne, schwärmt sie. Deshalb brennt sie für ihn: "Meine Leidenschaft, meinen Enthusiasmus, meine Freude will ich weitergeben." Als Anne Wagner mit 25 Jahren ihr Studium beendet hatte, schloss sie ein Praxisjahr in der St. Michael-Gemeinde in Fürth an. "Als Berufsanfänger ist man allzu oft ziemlich unwissend. Im Studium haben wir nichts über Organisation, Büroarbeit oder Finanzen gelernt. Das fehlt einem dann später." Betreut von einer Mentorin konnte sie in Fürth ihr theoretisches Wissen um praktische Erfahrungen erweitern. Die Unterstützung und das Feedback ihrer Mentorin habe ihr viel gegeben. Sie habe zum Beispiel Konzertprojekte organisiert und gelernt, dass ihr die Arbeit mit Gruppen liegt. Auf das Praxisjahr in Fürth folgte die- zeitlich befristete Anstellung - in Großenhain. Auch dort war der Übergang nahtlos: "Eine Kommilitonin hatte mir die Stelle vermittelt, eine Krankheitsvertretung." Am 22. Oktober 2016 kam sie in Großenhain an; am 24. Oktober war ihr erster Arbeitstag. Ohne Einführung. Nur mit wichtigen Eckdaten ausgerüstet. "Der klassische Sprung ins kalte Wasser. Eine ziemlich gute Schule", kommentiert Anne Wagner lachend. Die junge Frau fühlte sich wohl im Sächsischen. Sie fand sie in der Kleinstadt schnell Anschluss. Nette Kollegen, nette Mitarbeiter, nette Einwohner. Deshalb ist es ihr nicht leicht gefallen, Großenhain nach einem dreiviertel Jahr wieder zu verlassen. Der Trennungsschmerz sei groß, auch wenn die Zeit in Großenhain kurz gewesen sei. Das müsse sie noch verarbeiten. "Drei Umzüge in drei Jahren, das reicht mir", sagt sie denn auch. In Büdingen hat sie eine unbefristete volle Stelle als Kantorin - und sie hat vor zu bleiben.

 

Musikalisch setzt die 28-Jährige auf große Bandbreite und gute Durchmischung. Obwohl sie von sich sagt, sie sei "Fan der urtypischen klassischen Kirchenmusik" und: "Es geht nichts über Bach", kann sie sich auch Gospel- und A Cappella-Gottesdienste vorstellen. Musik aller Epochen, alle Stückgrößen, große Bachwerke und Konzerte mit Chor und Orchester sowieso. Doch sie will sich noch nicht festlegen, sondern sich einen Überblick verschaffen, an die neue Aufgabe herantasten. In den nächsten Wochen werden sich die Kirchengemeinde und die neue Kantorin also erst einmal in den Gottesdiensten beschnuppern. Die Sänger der Chöre - Spatzenchor, Kinderchor, Jugendchor, Kirchenchor und Kantorei - und die neue Chorleiterin werden sich kennenlernen und aneinander gewöhnen. Bis Ende des Jahres will Anne Wagner es behutsam angehen lassen, die Chöre nicht überfordern. Wobei auf einige Sänger und die Leiterin schon eine veritable Herausforderung wartet: Am 12. November singt die Regionalkantorei in der Marienkirche Musik der Reformation aus den fürstlichen Archiven. "Wir müssen jetzt schon voll in die Probenarbeit gehen und uns in kürzester Zeit aufeinander einschwingen." Der Neu-Büdingerin gefällt die kleine Stadt übrigens jetzt schon gut. "Ich bin kein Großstadtmensch", bekennt sie. Büdingen habe genau die richtige Größe. "Außerdem sind alle so freundlich hier. Die Menschen, denen ich begegne, haben so eine Grundfreundlichkeit. Sogar in den Geschäften wünschen mir alle einen schönen Tag." Ja, Anne Wagner ist angetan von der Stadt, der Offenheit ihrer Bewohner, ihrer neuen Wohnung, ihren Nachbarn in Aulendiebach und nicht zuletzt von ihrer neuen Wirkungsstätte, der Marienkirche. "Hier kann ich heimisch werden", sagt sie zum Abschluss bestimmt und wirkt dabei, als wäre es ihr ernst damit.

 


Büdingen: Messkomposition an Palmsonntag

NEUES PROGRAMM: Kirchenmusik im Lutherjahr

 

Quelle: Kreis-Anzeiger 7.02.2017

 

(BÜDINGEN/elk) - Fünf Kirchenkonzerte wird die evangelische Kirchengemeinde im Lutherjahr veranstalten. An Palmsonntag findet das erste Konzert in der Remigiuskirche statt, für alle anderen ist die Marienkirche als Veranstaltungsort vorgesehen. Dekanatskantorin Barbara Müller stellte jetzt das Konzertprogramm vor – im Beisein von Pfarrerin Ina Johanne Petermann, Meike Butt und Christiane Buche-Thomas vom Arbeitskreis Kirchenmusik der Gemeinde und Marie Schäfle vom Freundeskreis Kirchenmusik.

„2017 sind alle Kantoren aufgefordert, musikalisch Passendes zum Lutherjahr anzubieten“, sagte Barbara Müller. Die Dekanatskantorin will sich trotzdem nicht ausschließlich auf die Musik der Reformation konzentrieren, sondern auch die Vorreformation berücksichtigen. „Die Konzerte pendeln zwischen katholischer und evangelischer Kirchenmusik“, so die Kantorin. Das Konzept, sowohl katholische als auch evangelische Musik zu präsentieren, spiegele die Struktur des Kirchenchores wider, befand Marie Schäfle: „Im Chor singen nicht nur Mitglieder der evangelischen, sondern auch Mitglieder der katholischen Kirchengemeinde.“ Christiane Buche-Thomas ergänzte: „Wir sind ein bunter, ein multikultureller Chor.“

Der Kleine Chor an der Büdinger Marienkirche bringt am 9. April (18 Uhr) unter der Leitung von Barbara Müller Teile der „Missa Papae Marcelli“ zur Aufführung – und zwar in der Remigiuskirche. Diese für ihre Textverständlichkeit und Feierlichkeit bekannte Messkomposition wurde 1562 – und damit nach Luthers Tod – von Giovanni Pierluigi da Palastrina komponiert und ist nach Papst Marcellus II benannt. Wie Müller erläuterte, sei die Kirchenmusik in dieser Zeit derart komplex und kunstvoll gewesen, dass sich Bestrebungen entwickelt hätten, diese abzuschaffen. Schließlich habe sich – mit päpstlicher Unterstützung – ein Konzept durchgesetzt, nach dem die Worte so gut wie möglich verständlich sein sollten. In diesem Zusammenhang sei die „Missa Papae Marcelli“ zu verstehen. „Sie ist etwas Besonderes. Da es sich um eine Messkomposition handelt, wird sie in einen Gottesdienst eingebunden“, so Barbara Müller.

Im Mittelpunkt des zweiten Konzerts am 14. Mai (17 Uhr) steht Martin Luther und damit die Reformation. Das weltbekannte Calmus-Ensemble singt musikalische Collagen aus Lutherliedern. In Bearbeitungen von Komponisten wie Johann Sebastian Bach, Johann Hermann Schein, Johannes Brahms oder Arvo Pärt. Diese Choralmotetten trägt die aus fünf Musikern bestehende Vokalgruppe in der Marienkirche vor. „Es ist ganz toll, wie gut diese 500 Jahre alten Lieder dazu geeignet sind, auch heute noch aufgeführt zu werden“, so Müller. Am 11. Juni (17 Uhr) werden die Dekanatskantoren und -kantorinnen der Propstei Oberhessen – ebenfalls in der Marienkirche – die Werke unbekannter Komponisten aus sechs Jahrhunderten singen. „Es handelt sich dabei um schwierige, aber wunderschöne Werke“, schwärmte Müller. Am 25. Juni leitet die Kantorin ihr letztes Konzert: Sie nimmt die Zuhörer auf eine „Reise für die Sinne nach Rom“. Das Konzert sei ein „Nachklang, auf eine Reise, die die Kantorei vor anderthalb Jahren nach Rom unternommen habe, sagte Marie Schäfle. Die Regionalkantorei trage Musikstücke vor, die „in und für Rom“ komponiert wurden, ergänzte Pfarrerin Petermann. Countertenor, Reiseführer und Buchautor Andreas Pehl singt und liest aus seinem Buch „Rom – eine musikalische Entdeckungsreise“. Dazu werden Fotos der Romreise gezeigt. Das Konzert findet in der Marienkirche statt und beginnt um 17 Uhr.

Aus fürstlichem Archiv

Für Herbst und Winter ist bislang nur eine Veranstaltung vorgesehen. Die scheidende Kantorin will es ihrem Nachfolger überlassen, eigene Akzente zu setzen. Am 12. November (17 Uhr) steht in der Marienkirche ein Konzert des Rosenmüller-Ensembles unter der Leitung von Arno Paduch auf dem Programm. Teilnehmen wird die Regionalkantorei Büdingen. Auch dieses Konzert setzt im Lutherjahr einen besonderen Akzent: Im Fürstlich Ysenburg- und Büdingen’schen Archiv werden Musik-Handschriften aus der Reformationszeit verwahrt. Diese Musikstücke wurden damals in Büdingen aufgeführt und sollen nun im Zuge der Reformationsfeierlichkeiten wieder in der Marienkirche erklingen.


Erste Chorproben mit neuer Kantorin

 

(BÜDINGEN(/pm) - Die Chöre der evangelischen Kirchengemeinde Büdingen beenden ihre Sommerpause. In der nächsten Woche beginnen die Proben unter der Leitung von Anne Wagner, der neuen Kantorin der Gemeinde. Am Dienstag, 5. September, trifft sich der Jugendchor zur Probe. Sie beginnt um 18.30 Uhr. Am Mittwoch, 6. September, startet der Spatzenchor für Kinder ab fünf Jahren von 15 bis 15.30 Uhr. Im Anschluss, von 15.30 bis 16.15 Uhr übt der Kinderchor, in dem Mädchen und Jungen ab dem zweiten Schuljahr mitsingen können. Die erste Singstunde des Kirchenchors beginnt am Donnerstag, 7. September, um 20 Uhr. Alle Gruppen treffen sich wie gewohnt im Gemeindesaal an der Marienkirche. Auch der Dekanatschor läutet seine Chorproben in der kommenden Woche ein. Sie finden am Freitag, 8. September, ab 20 Uhr in der evangelisch-methodistischen Kirche (Düdelsheimer Straße 18) statt.

 


Veranstaltungen im Überblick

Musik in der Büdinger Marienkirche und Remigiuskirche im Jahr  2017

 


12. November – 17.00 Uhr – Musik der Reformationszeit in Büdingen

In den Archiven der Grafen Ysenburg und Büdingen befinden sich Handschriften mit Musik aus der Reformationszeit, die damals auch in Büdingen aufgeführt wurde.
Am Sonntag, 12. November 2017 um 17 Uhr wird das Rosenmüller-Ensemble unter der Leitung von Arno Paduch zusammen mit Solisten und der Regionalkantorei Büdingen in der Büdinger Marienkirche Musik aus diesen Handschriften musizieren.

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