Gedanken zum Sonntag – 25.09.2022

Gedanken am Morgen

Foto: canva.com / Gert Holle
Foto: canva.com / Gert Holle

Von Ulrike Wohlfahrt

 

Gerade noch haben wir morgens früh die Fenster und Türen aufgemacht, um wenigstens etwas kühlere Luft in die Wohnung zu bekommen. Schon sind wir soweit, dass wir überlegen müssen, ob wir nicht doch die Heizung hochdrehen. Uns Menschen scheint man es nicht recht machen zu können. Dass sich das Wetter aber auch so gar nicht nach unseren Wünschen richten will!

 

Wir Menschen haben gelernt, mit Krankheiten umzugehen. Wir schaffen es, Energie so umzuwandeln, dass wir sie als Strom nutzen können. Wir bewegen uns mit Geschwindigkeiten, von denen vor zwei Jahrhunderten nur Träume erzählten. Fast könnten wir meinen, der Mensch könnte die Welt beherrschen. Dabei hätte uns das Covid-19-Virus  schon lehren können, Bescheidenheit zu üben. Doch sobald Erleichterung aufkommt, scheint alles vergessen.

 

Dann das: Krieg und Kriegsfolgen. Für die einen ganz direkt und katastrophal brutal. Für andere, auch uns, eher indirekt und trotzdem einschneidend. Es wird ein schwerer Winter: Kriegsfolgen, Energiewende, Inflation. Was das für uns im Einzelnen bedeutet, können wir im Moment kaum greifen. Doch die herrschende Unruhe und Anspannung zeigen, wie angreifbar wir sind. Wenn wir da doch etwas hätten, an dem wir uns orientieren könnten! So mancher Politmensch hat in den letzten Wochen den Heiligenschein verloren. Engelsflügel sind dahingeschmolzen. Eben gerade noch als politischer Heilsbringer gefeiert, nun Prügelknabe der Nation?

 

In der Berichterstattung über Queen Elisabeth II. wurde in den letzten Tagen auch berichtet, dass sie sich ganz zu Beginn der Krönungszeremonie Gott unterwarf. Vor Gott beugte sie die Knie, noch bevor das britische Volk sich ihr unterordnete – im Ablauf der Zeremonie jedenfalls. Das ist zunächst einmal eine Geste. Aber die Bedeutung dieser Geste reicht viel weiter als wir es uns oft vorstellen. Diese Geste setzt der königlichen Macht eine deutliche Grenze.

Es setzt auch uns eine Grenze, wenn wir anerkennen, dass da etwas ist, das größer und ganz anders ist als wir; etwas, das wir niemals unter Kontrolle bringen können. In vielen biblischen Texten geht es genau darum, dass wir nicht vergessen sollen, dass wir Menschen sind. Niemand von uns hat sich selbst gemacht. Niemand ist deshalb mehr wert als andere. Das könnte uns zu einem guten Miteinander verhelfen: Anerkennung füreinander,  Mitmenschlichkeit, Achtsamkeit für einander. Das, was wir im Allgemeinen Nächstenliebe nennen. Damit ist die ganz elementare Not noch nicht gelöst. Die Krise bleibt. Aber lasst uns wenigstens miteinander (!) durch diese Zeit gehen.

 

Ulrike Wohlfahrt,

Pfarrerin in Düdelsheim

 

Von Ulrike Wohlfahrt

 

Gerade noch haben wir morgens früh die Fenster und Türen aufgemacht, um wenigstens etwas kühlere Luft in die Wohnung zu bekommen. Schon sind wir soweit, dass wir überlegen müssen, ob wir nicht doch die Heizung hochdrehen. Uns Menschen scheint man es nicht recht machen zu können. Dass sich das Wetter aber auch so gar nicht nach unseren Wünschen richten will!

 

Wir Menschen haben gelernt, mit Krankheiten umzugehen. Wir schaffen es, Energie so umzuwandeln, dass wir sie als Strom nutzen können. Wir bewegen uns mit Geschwindigkeiten, von denen vor zwei Jahrhunderten nur Träume erzählten. Fast könnten wir meinen, der Mensch könnte die Welt beherrschen. Dabei hätte uns das Covid-19-Virus  schon lehren können, Bescheidenheit zu üben. Doch sobald Erleichterung aufkommt, scheint alles vergessen.

 

Dann das: Krieg und Kriegsfolgen. Für die einen ganz direkt und katastrophal brutal. Für andere, auch uns, eher indirekt und trotzdem einschneidend. Es wird ein schwerer Winter: Kriegsfolgen, Energiewende, Inflation. Was das für uns im Einzelnen bedeutet, können wir im Moment kaum greifen. Doch die herrschende Unruhe und Anspannung zeigen, wie angreifbar wir sind. Wenn wir da doch etwas hätten, an dem wir uns orientieren könnten! So mancher Politmensch hat in den letzten Wochen den Heiligenschein verloren. Engelsflügel sind dahingeschmolzen. Eben gerade noch als politischer Heilsbringer gefeiert, nun Prügelknabe der Nation?

 

In der Berichterstattung über Queen Elisabeth II. wurde in den letzten Tagen auch berichtet, dass sie sich ganz zu Beginn der Krönungszeremonie Gott unterwarf. Vor Gott beugte sie die Knie, noch bevor das britische Volk sich ihr unterordnete – im Ablauf der Zeremonie jedenfalls. Das ist zunächst einmal eine Geste. Aber die Bedeutung dieser Geste reicht viel weiter als wir es uns oft vorstellen. Diese Geste setzt der königlichen Macht eine deutliche Grenze.

Es setzt auch uns eine Grenze, wenn wir anerkennen, dass da etwas ist, das größer und ganz anders ist als wir; etwas, das wir niemals unter Kontrolle bringen können. In vielen biblischen Texten geht es genau darum, dass wir nicht vergessen sollen, dass wir Menschen sind. Niemand von uns hat sich selbst gemacht. Niemand ist deshalb mehr wert als andere. Das könnte uns zu einem guten Miteinander verhelfen: Anerkennung füreinander,  Mitmenschlichkeit, Achtsamkeit für einander. Das, was wir im Allgemeinen Nächstenliebe nennen. Damit ist die ganz elementare Not noch nicht gelöst. Die Krise bleibt. Aber lasst uns wenigstens miteinander (!) durch diese Zeit gehen.

 

Ulrike Wohlfahrt,

Pfarrerin in Düdelsheim