Gedanken zum Sonntag - 18.02.2018

Menschenrechte stärken

Foto: Michael Guist
Foto: Michael Guist

 

 

Von Hanne Allmansberger

 

 

 

Wir befinden uns in der Passionszeit, die tollen Tage des Faschings sind vorbei, als Christinnen und Christen blicken wir auf den Leidensweg des Jesus von Nazareth. Der Weg ans Kreuz ging über Höhen und Tiefen: Erfolge und Jubel an Palmsonntag, Verrat an Gründonnerstag und Tod am Karfreitag. In der Vorbereitung auf das Osterfest wollen wir uns erinnern und bedenken, was damals geschah. Wir wollen aber auch kritisch und selbstkritisch auf unsere Zeit blicken. In diesem Jahr gibt es wie jedes Jahr bei uns in Nidda ökumenische Passionsandachten. Wir treffen uns in der katholischen Liebfrauenkirche donnerstags um 19 Uhr. In diesem Jahr greifen wir das Thema „Menschenrechte“ auf. Die Menschenrechts Aktion 2018 der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) beschäftigt sich mit Fragen wie: Was ist Gewalt? Was schützt Menschen? Was verletzt Menschen? Gibt es eine Möglichkeit, mit erfahrener Gewalt umzugehen? Dabei sind immer zwei Seiten zu bedenken, einerseits die Präventionsarbeit, andererseits die Wahrnehmung und Stärkung der Opfer. Mit diesen und anderen Facetten des Themas wollen wir uns in den Passionsandachten befassen. »Zwing mich nicht!« – Das Wort Tamars aus dem zweiten Buch Samuel (13,12) steht für das Leid vieler Frauen, die Opfer sexueller Gewalt wurden. Weltweit wurde durch die „metoo“-Aktion viel darüber gesprochen, was vorher meist totgeschwiegen wurde. Der Wochenspruch für die kommende Woche aus dem ersten Brief des Johannes, Kapitel 3, Vers 8 lautet: „Dazu ist erschienen der Sohn Gottes,
dass er die Werke des Teufels zerstöre." Die Werke des Teufels sind nach meiner Ansicht all die Dinge, die Menschen schaden, sie an einem gelingenden Leben hindern. Wenn diese Dinge zerstört werden, die Menschen beeinträchtigen, dann sind wir schon auf dem richtigen Weg. Dann werden Menschen gestärkt, ihre Rechte respektiert. Dann werden Frauen nicht mehr sexuell belästigt, ausgebeutet oder vergewaltigt. Im Fokus steht beispielsweise auch das Menschenrecht auf freie Meinungsäußerung, das leider in vielen Ländern nicht wirklich vorhanden ist. Journalistinnen und Journalisten sitzen nicht nur in der Türkei in Gefängnissen. Krieg und Gewalttaten sind in vielen Ländern tägliche Realität. Wenn Journalisten an ihrer Arbeit gehindert werden, erfahren wir nichts von den schlimmen Dingen, die die Mächtigen dieser Welt anderen Menschen antun. Lassen sie uns daran mitarbeiten, dass die Menschenrechte gestärkt werden. Lassen sie uns in dieser Passionszeit besonders für die Menschen beten, deren Rechte missachtet werden. Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Passionszeit.

 

Pfarrerin Hanne Allmansberger, Nidda