Gedanken zum Sonntag - 15.04.2018

Vertrauen – auch wenn es dunkel ist

Foto: Michael Guist
Foto: Michael Guist

Von Ulrich Bauersfeld

 

„Wer in der Finsternis geht und wem kein Lichtstrahl scheint, der vertraue auf den Namen des Herrn!“ Dieser Satz (Jesaja 50, 10) ist einer der Bibelverse, die heute im Herrnhuter Losungsheft stehen.

 

„In der Finsternis gehen – und kein Lichtstrahl.“ Kein Lichtstrahl. Ja, das gibt es. Manchmal ist da kein Lichtstrahl. Gar keiner. Da ist wirklich nichts. Nur Dunkel.

 

Ja, das gibt es. In jedem Leben ist das möglich, zu jeder Zeit – auch im sonnigen Frühling oder in der meist so fröhlichen Osterzeit. Es können Dinge geschehen, die es finster machen, richtig finster.

 

Und dann hilft es nichts, sich etwas vorzumachen und so zu tun, als ob das alles eigentlich gar nicht so schlimm wäre. Nein. Besser ist es, die Sache zu benennen, wie sie ist. So macht es auch der Bibelvers: „Wer in der Finsternis geht und wem kein Lichtstrahl scheint …“. Doch der Vers bleibt dabei nicht stehen. Er schlägt einen Weg vor, den wir trotzdem gehen können: „… der vertraue auf den Namen des Herrn.“

 

Vertrauen (oder Glaube) muss manchmal „trotzdem“ geschehen – gegen allen Augenschein. Wir sehen nichts – und glauben trotzdem, vertrauen trotzdem. Es ist der Weg, den wir Christen gehen können: Gottes Hand in Jesus suchen, uns an Worte von ihm erinnern, ihn anrufen im Gebet – immer wieder, immer weiter – auch wenn wir den Eindruck haben: da ist keiner, da hört keiner, da sehen und spüren wir nichts. Ich bin sicher: Er ist trotzdem da, auch wenn wir manchmal nichts davon merken.

 

Der morgige Sonntag steht unter dem Bibelwort: „Jesus spricht: Ich bin der gute Hirte.“ (Joh. 10) Etwas später sagt Jesus: „Ich kenne die Meinen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.“ Daran glaube ich. Daran will ich mich festhalten – trotz allem. Christlicher Glaube ist kein Glaube, der uns ein durchweg sonniges Leben verspricht. Nein. Das Leben bleibt auch für Christen, was es ist: Durchwachsen von Licht und Dunkelheit. Und manchmal ist es ganz dunkel. Aber wir vertrauen darauf, dass Jesus trotzdem da ist, dass er uns den Weg führt und uns am Ende zum Ziel bringt.

 

Jemand sagte mal: „Gott hat uns keine ruhige Reise versprochen, aber eine sichere Ankunft.“ Ich glaube daran, dass dies stimmt. Wir haben oft keinen leichten Weg. Aber da ist einer, der geht mit, auch wenn wir ihn nicht sehen oder spüren. Er ist trotzdem da und lädt uns ein, ihm zu vertrauen.

 

 

Pfarrer Ulrich Bauersfeld,

 

Evangelische Kirchengemeinde

 

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