Gedanken zum Sonntag – 5.02.2022

Erinnerung an Dietrich Bonhoeffer

Foto: canva.com / Gert Holle
Foto: canva.com / Gert Holle

Von Ulrich Bauersfeld

 

Vor 117 Jahren – am 4. Februar 1906 – wurde Dietrich Bonhoeffer geboren. Er gehört zu den bekanntesten Christen des vorigen Jahrhunderts. Es sagte einmal jemand, mit einem Augenzwinkern: „Die Katholiken haben die Heiligen, die Evangelischen haben Dietrich Bonhoeffer.“ Diese Aufteilung stimmt natürlich so nicht. Von den Heiligen können auch die Evangelischen viel lernen. Und Dietrich Bonhoeffer hat auch für Katholiken (und viele andere) eine große Bedeutung.

Dietrich Bonhoeffer hat sich im Widerstand gegen den Nationalsozialismus stark engagiert. Im Jahr 1943 wurde er deshalb verhaftet und zwei Jahre später, kurz vor dem Ende des Krieges, hingerichtet. Durch seine konsequente Haltung gegen das Unrechts-Regime ist er für viele Menschen ein Vorbild geworden.

Nach seinem Theologiestudium arbeitete Bonhoeffer als Pfarrer und Studienleiter. Dabei verfasste er mehrere Bücher über theologische Themen und zum christlichen Leben – z.B. das Buch „Nachfolge“. Besonders bekannt geworden sind Texte, die er während der letzten beiden Lebensjahre im Gefängnis schrieb. Diese wurden erst-mals unter dem Titel „Widerstand und Ergebung“ veröffentlicht.

Der wohl bekannteste Text ist das Gedicht „Von guten Mächten“, dessen letzte Strophe lautet: „Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“ Bonhoeffer schrieb dieses Gedicht wenige Monate vor seinem Tod. Er schickte es seiner Familie als Gruß zum Jahreswechsel. Mit diesem Lied und mit an-deren Texten hat Bonhoeffer seinen tiefen Glauben und sein festes Vertrauen auf Gott in Jesus Christus bezeugt. Vielen Menschen konnte er damit Trost geben und sie zum eigenen Glauben ermutigen.

Ein weiterer wichtiger Text ist für mich ein Gebet, das er für Mitgefangene geschrieben hatte: „In mir ist es finster, aber bei dir ist Licht. Ich bin einsam, aber du verlässt mich nicht. Ich bin kleinmütig, aber bei dir ist die Hilfe. Ich bin unruhig, aber bei dir ist Frieden. In mir ist Bitterkeit, aber bei dir ist die Geduld. Ich verstehe deine Wege nicht, aber du weißt den rechten Weg für mich.“ Diese Worte können auch heute noch zu unserem Gebet werden. Ich wünsche uns den Glauben, das Vertrau-en zu dem Gott, der auch Dietrich Bonhoeffer hindurchgetragen hat.

 

 

Ulrich Bauersfeld, Pfarrer der

evangelischen Kirchengemeinde

 

Wenings/Merkenfritz und stellvertretender Dekan im Dekanat Büdinger Land