Gedanken zum Sonntag – 16.05.2021

Exaudi – „Herr, höre meine Stimme!“

Foto: Ulrich Bauersfeld
Foto: Ulrich Bauersfeld

Von Ulrich Bauersfeld

 

Kennen Sie eigentlich Baron Hans Ernst von Kottwitz? Nein? Ich kenne ihn auch nicht persönlich. Er ist bereits im Jahr 1843 verstorben. Der 13. Mai ist sein Todestag und damit auch sein Gedenktag, der in manchen christlichen Kalendern erwähnt wird.

Hans Ernst von Kottwitz (geboren 1757) stammte aus Schlesien. Er war ein Sohn wohlhabender Eltern. Als Jugendlicher wurde er Page am Hof Friedrichs des Großen. Als er 20 Jahre alt war, starb sein Vater und hinterließ ihm ein großes Vermögen. Kurz zuvor hatte er durch die Herrnhuter Brüdergemeinde zum Glauben an Jesus Christus gefunden. Er beschloss, sein geerbtes Vermögen nicht für sich selbst zu nutzen, sondern für andere einzusetzen.

Zunächst widmete er sich den Webern in seiner schlesischen Heimat, die durch die frühe Industrialisierung in Not geraten waren. Später ging er wieder nach Berlin und baute dort die „Freiwillige Beschäftigungsanstalt“ auf. Sein Ziel war es, unverschuldet in Not gekommenen, arbeits- und wohnungslosen Familien zu Unterkunft und Erwerb zu verhelfen und den Kindern Unterricht zu ermöglichen. Er begann damit in seiner eigenen Wohnung. Nach zwei Jahren zog man in eine leere Kaserne um, an die eine Schule, eine Speiseanstalt und ein Lazarett angegliedert wurden.

Kottwitz kümmerte sich auch um das geistliche Leben der Menschen. Täglich wurde eine gemeinsame Andacht abgehalten, wöchentlich eine Erbauungsstunde. Darüber hinaus war Kottwitz für viele Menschen ein Seelsorger.

Kottwitz, der für seine Aufgaben sein gesamtes Vermögen einsetzte, vertraute fest darauf, dass Gott ihm helfen würde. Der Philosoph Johann Gottlieb Fichte äußerte sich ihm gegenüber einmal etwas herablassend: „Das Kind betet; der Mann will!“ Darauf antwortete Kottwitz leise: „Herr Professor, ich habe sechshundert Leute zu versorgen und weiß oft nicht, wo ich das Brot für sie hernehmen soll; in solcher Not rufe ich zu Gott um Hilfe.“ Fichte schwieg. Dann sagte er: „Herr Baron, dahin reicht meine Philosophie nicht.“

Bis zu seinem Lebensende vertraute Kottwitz auf Gott. „Ich habe beschlossen, mich ganz dem Herrn zuzuwenden“, sagte er. Damit lebte er nach dem Motto des morgigen Sonntages, der den Namen „Exaudi – Herr, höre meine Stimme“ trägt und der auch uns dazu einlädt, uns ganz diesem Herrn zuzuwenden und von ihm alles zu erbitten.

 

Pfarrer Ulrich Bauersfeld,

Evangelische Kirchengemeinde

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