Gedanken zum Sonntag – 17.03.2019:

Unser Salz weitergeben

Foto: Gert Holle
Foto: Gert Holle

  

Von Gert Holle

 

In der Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern versucht so mancher von uns, auf lieb gewordene Gewohnheiten oder gar Laster zu verzichten. Der Ausstieg aus gewohnten Konsum- und Verhaltensweisen ist angesagt. Nicht nur bei Christen, die in dem Verzicht auf Speisen und Getränke in der so genannten Fastenzeit einen Akt der Buße und spirituellen Erneuerung sehen. Vielleicht nimmt der eine oder andere auch an der seit 39 Jahren etablierten und beliebten Aktion „Sieben Wochen ohne“ teil. „Mal ehrlich! Sieben Wochen ohne Lügen“ lautet das aktuelle Motto. Kurz gesagt geht es darum, über den Umgang mit Wahrheit nachzudenken – in der Gesellschaft und in unserem eigenen Reden und Handeln. „Wann lohnt es sich, für die Wahrheit zu streiten? Und was ist Wahrhaftigkeit?“ Vielleicht ist es ja im Nachdenken über diese Fragen möglich, Gottes Wahrheit ein wenig näher zu kommen … –  Sieben Wochen ohne Lügen auszukommen ist eine große Herausforderung, ehrlich. Denn, wie jeder sicher schon selbst irgendwann einmal erfahren hat: „Kleine Lügen machen das Leben leichter“. So singt es zumindest Max Raabe in einem Lied, das davon erzählt, dass die Wahrheit am falschen Ort zur falschen Zeit kleinere und größere Krisen heraufbeschwören könnte. Und mit einem Schuss Ironie schickt der Interpret voraus: „Kleine Lügen tun nicht weh.“ - Nun ja, aber sie können durchaus den Frieden untereinander gefährden und einem das Leben gehörig versalzen, sobald die kleinen Lügen enttarnt werden. –

 

„Habt Salz bei euch und habt Frieden untereinander“, sagt Jesus im Markus-Evangelium. Ohne Salz schmeckt das Essen fad. Salz ist die Würze - in der Suppe, auf den Kartoffeln und dem Hering. In den Wochen bis Ostersonntag werde ich mich fragen: „Was ist mein Salz, das ich bei mir trage? Was gibt meinem Leben die Würze? Womit würze ich das Leben der Menschen, die mir nahe sind?“ - Vielleicht mit meiner Überzeugung, dass das Leben schön ist, auch wenn sich so mancher schwierige Berg auftürmt? Mit Glaube, Hoffnung, Liebe? Mit meinem Lachen? Mit „Sieben Wochen ohne Lügen“? Mit Wahrhaftigkeit? Oder ist es doch etwas ganz anderes? -

 

Vor einigen Tagen sah ich mir mal wieder einen Dokumentarfilm aus meiner DVD-Sammlung an, der mich noch stärker anregte, über diese „Salz-Frage“ nachzudenken. „I am“ (Ich bin), gedreht 2010/11, handelt von Hollywoodregisseur Tom Shadyac, der nach einem lebensgefährlichen Unfall beginnt, über den Sinn des Lebens zu philosophieren. Zwei Fragen bewegen ihn besonders: „Was läuft falsch mit unserer Welt?“ und „Was können wir tun?“. Auf der Suche nach Antworten befragt er Wissenschaftler, Naturschützer, Philosophen, Religionsführer - darunter Persönlichkeiten wie Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu und Kapitalismus- und Globalisierungskritiker Noam Chomsky. In der Selbstfindungsdokumentation werden nicht unbedingt neue Dinge verraten, aber man bekommt eine Idee von dem, was die Ursache der Probleme unserer Welt sein könnte. Eine der Botschaften ist, dass alles miteinander verbunden ist. „Ich bin jetzt bewusster. Wenn ich mit jemandem zusammen bin, wenn ich in der Natur bin, oder auch allein mit mir“, sagt Tom Shadyac. Und der Schlüssel dazu scheint ganz einfach zu sein: „Geben“. So sieht er Geben auch als Lebensstil an. „Ich denke, du gibst in jedem Moment. Du gibst, auch wenn du an deinem Schreibtisch sitzt und es so aussieht, als wärest du isoliert von allem. Dann gibst du dich etwas hin, was du gerade gehört hast: einem kreativen Akt; dem Bemühen, ein Problem zu lösen; einer Verbindung mit jemandem am Telefon. All das sind Formen des Gebens.“ - „Habt Salz bei euch und habt Frieden untereinander!“ So einfach könnte es sein. – Wie wäre es, wenn wir das Salz, das wir bei uns tragen, weitergeben? Bis Ostern und darüber hinaus. – Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Zeit.

 

Gert Holle, Theologe und Öffentlichkeitsreferent im Evangelischen Dekanat Büdinger Land