Gedanken zum Sonntag: 3. Advent, 15. Dezember 2019

„Bereitet dem Herrn den Weg!“

Foto: Gert Holle
Foto: Gert Holle

Von Ulrich Bauersfeld

 

„Bereitet dem Herrn den Weg; denn siehe, der Herr kommt gewaltig.“ – der Bibelspruch für den 3. Advent (Jesaja 40, 3+10).

„… denn siehe, der Herr kommt gewaltig.“ Manchmal wünsche ich mir, Gott würde „gewaltig“ kommen, er würde mit aller Kraft dreinschlagen und alles Üble mit Stumpf und Stiel ausrotten. Manchmal sehne ich mich nach solch einem „gewaltigen Kommen Gottes“.

Doch – wenn ich es recht bedenke: Würde Gott auf diese Weise kommen, dann träfe es ja auch mich. Auch ich handle falsch - immer wieder, auch ich bin mit verantwortlich für so manches Übel in der Welt.

 

„Bereitet dem Herrn den Weg; denn siehe, der Herr kommt gewaltig.“ Christen sehen hierin eine Prophezeiung auf Jesus Christus, in dem Gott vor 2000 Jahren in die Welt gekommen ist.

 

Jesus kam jedoch so ganz anders, als wir uns ein „gewaltiges Kommen“ in der Regel vorstellen. Er kam nicht als Kämpfer, sondern als Kind. Später ritt er nach Jerusalem auf einem Esel, nicht auf einem Schlachtross. Ein Kind ist wehrlos, es übt keine Gewalt. Auf dem Esel reitet ein Friedensbringer, kein Kriegsherr.

 

 „… denn siehe, der Herr kommt gewaltig.“ In Jesus bietet Gott uns den Frieden an. Er kommt nicht mit Macht und Kraft. Und doch kommt er auf seine Weise „gewaltig“. Er kommt „gewaltig“ im Sinne von „überwältigend“, „erstaunlich“. Gott überwältigt uns mit seinem Kommen, das ein Friedensangebot ist.

 

Gott will Frieden mit uns. Er bietet uns die Versöhnung mit sich an. Das ist die Botschaft von Weihnachten. Und sie gilt auch noch heute. Sie gilt auch uns.

 

Gott schenkt uns den Frieden. Er schenkt uns sich selbst. Wir müssen nur eins tun: Das Geschenk annehmen. Das ist wie bei der Bescherung an Weihnachten: Wenn ich ein Geschenk angeboten bekommen, es aber nicht annehme, dann habe ich’s auch nicht.

 

Gottes Geschenk nehmen wir an, indem wir den ersten Teil des Bibelspruchs tun: „Bereitet dem Herrn den Weg!“ Wir bereiten dem Herrn den Weg, wenn wir ihn in unser Leben hineinlassen, bildlich gesprochen: ihm unsere Herzen öffnen – wie es im „Adventslied Nr. 1“ heißt: „Komm, o mein Heiland Jesu Christ, meins Herzens Tür dir offen ist.“

 

Ich wünsche uns eine gesegnete Adventszeit. Ich wünsche uns allen ein „gewaltiges“ Kommen Gottes in unser Leben.

 

Pfarrer Ulrich Bauersfeld,

Evangelische Kirchengemeinde

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