Gedanken zum Sonntag – 29. Mai 2022

Die Liebe Gottes weiterschenken

Foto: privat
Foto: privat

 

Von Gert Holle

 

„Alles neu macht der Mai, macht die Seele frisch und frei…“ – so verspricht es ein altes Volkslied, dessen Verse der deutsche Schriftsteller Adam von Kamp im 19. Jahrhundert verfasst hat. „Neu“ ist immer faszinierend. Vorbei der kalte Winter, hinter uns die ersten sonnigen Tage, vor uns ein hoffentlich warmer Sommer mit weniger Einschränkungen als in der vergangenen Zeit. Hinter uns das Alte – Neuland im Blick. Mit vielversprechenden Möglichkeiten. Nun kann sich alles zum Guten wenden – hoffen wir – trotz aller Krisen, die täglich über die Medien direkt zu uns in unsere vier Wände kommen und uns belasten. Aber: alleine schaffen wir es nicht. Wir brauchen Hilfe. Die wird uns vordergründig vor die Füße gelegt: Verlockende Produkte, Patentantworten fürs Glück in so manchen Ratgebern, Versprechungen aller Art– ob im Supermarkt, in Geldinstituten, bei Reiseveranstaltern oder von unseren Regierungsvertretern… . Wir müssen nur noch zugreifen!

 

Doch unsere geheimen Sehnsüchte und Schwachstellen werden allzu oft ausgenutzt. Man spielt mit uns. Und wir lassen das zu, bis die Ernüchterung kommt: Alles bleibt beim Alten. Nur im neuen Gewand. Wie wir mit unserer Sehnsucht nach einem „neuen Leben“. Wir drehen uns nur noch um uns selbst. Und dabei gäbe es doch so viel Neues zu entdecken, in uns und um uns herum. Ein aufmunterndes Wort vielleicht, ein freundlicher Blick, ein wenig Menschlichkeit, ein Sonnenstrahl zwischen dunklen Wolken.

 

Am vergangenen Donnerstag haben wir Christi Himmelfahrt gefeiert, ein Fest der Hoffnung, - auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint. Wir haben daran gedacht, dass Jesus nicht mehr als Mensch unter uns ist. Doch wir erinnerten uns auch, wie er gelebt, gewirkt und geliebt hat. Und vielleicht kann uns diese Erinnerung eine Hilfe sein, wenn wir Altes verlassen und Neues beginnen wollen. Wenn wir uns immer wieder fragen: „Was würde Jesus an unserer Stelle tun?“

 

Vierzig Tage nach der Auferstehung und zehn Tage vor der Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten hatte Jesus seine Jünger gen Himmel verlassen. „Und eine Wolke nahm ihn auf - vor ihren Augen weg“, so beschrieb es der Autor der biblischen Apostelgeschichte. Eigentlich ernüchternd. Doch der Himmel war für die Jünger ein kleines Stück aufgegangen – mit und durch diesen Jesus.  Und nach Jesu Abschied machten sie sich entgegen allen Erwartungen mit fröhlichem Herzen auf und kehrten zurück nach Jerusalem. Denn nun wussten sie, warum Jesus in die Welt gekommen war. Und von da an erzählten sie von ihm. Seine Liebe, die sie direkt kennen gelernt hatten, schenkten sie weiter. Was er für sie getan hatte, wollten sie für andere tun. Durch die Zusage, dass er so wiederkommen würde, wie sie ihn haben gen Himmel fahren sehen, wussten sie, dass sie nicht für den Tod geschaffen waren, sondern für das Leben – ein Leben in Ewigkeit. Sie trugen sein Licht in diese manchmal so dunkle Welt. Sie beförderten seinen Heiligen Geist und ließen ihn in Worten und Taten lebendig werden. Sie wiesen den Weg, den wir auch heute als Christinnen und Christen gehen können: Leben in der Nachfolge Jesu. Lieben wie er, uns denen zuwenden, die ihm besonders am Herzen lagen: den Kleinen, den Schwachen und Ausgestoßenen.

 

Für die kommende Zeit wünsche ich Ihnen und uns allen, dass wir die Freude erfahren, die unsere Herzen wärmt und unsere Seele durchströmt. Möge uns ein aufmunterndes Wort, ein freundlicher Blick, ein wenig Menschlichkeit, ein Sonnenstrahl zwischen dunklen Wolken begegnen. Möge uns aufgehen, wie sinnvoll, wie wesentlich und wie unendlich wichtig es ist, die Liebe Gottes weiter zu schenken. Mögen wir Neues entdecken, in uns und um uns herum. „Gedenkt nicht an das Frühere und vertieft euch nicht in das Alte! Denn siehe, ich will ein Neues schaffen!“, lässt die Bibel Gott sagen. Mit dieser Zusage können wir gesegnet in dieses Wochenende gehen. Ihr Gert Holle

 

 

Gert Holle, Theologe und Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Evangelischen Dekanat Büdinger Land.