Gedanken zum Sonntag -  15.07.2018

Zeit für Gottarbeit

Foto: Gert Holle
Foto: Gert Holle

 

 

 

 

Von Friedrich Fuchs

 

 

 

Ob ich im Urlaub besonders intensiv an Gott denke, wollte Moni wissen. Ich überlegte. Nö, eigentlich nicht. Wie immer halt. Aber jedes Mal zum Anfang der Ferien wird einem doch gesagt, jetzt sei es günstig, sich mit Gott zu beschäftigen. Auf dem Plakat im Schaukasten bei der Kirche steht: Urlaubszeit ist Zeit für Gott! Das geistliche Wort im Gemeindebrief geht in die gleiche Richtung. Moni findet, das wäre so eine Art kirchliches Dinner for One. The same procedure as every year, James! sagt die alte Miss Sophie, wenn es wieder soweit ist. Gott kann aber doch nicht einfach in die Ferien verfrachtet werden.

 

 

 

Da hat sie bei mir was angestoßen. Inzwischen kommt mir der übliche Kirchenton zu diesem Thema auch seltsam vor. Einerseits ist viel von Ausspannen und Erholen die Rede, von der Auszeit aus Alltags- und Arbeitsstress, von Freiheit und Selbstbestimmung, andererseits geht es um Nachdenken über sich selbst und die Beschäftigung mit Gott. Ich vermute, viele Leute ruhen im Urlaub gar nicht aus. Sie haben weiterhin viel zu tun oder machen sich Eigenstress. Aber mal angenommen, es gäbe viele Ausruhende: Nach meiner Auffassung ist Gottarbeit ziemlich anstrengend. Dabei geht es doch schließlich um Selbst-, Welt- und Gotteserkenntnis, um letzte Verantwortlichkeiten und Entscheidungen für Leben und Tod, um das, was einen unbedingt angeht. Hier ist Anspruchsvölle. Die Seele sollte dabei nicht allzu sehr baumeln. 

 

 

 

Das Schaufenster in der Buchhandlung kommt mir stimmiger vor. Jede Menge Reiseführer und leichte Unterhaltungsliteratur sind um einen maritimen Liegestuhl drapiert. Die Botschaft ist unzweideutig. Nix Geistliches. Sogar die Kässmann scheint für den Urlaub zu schwer. Wir machten für uns eine Gegenprobe, indem wir versuchten, uns Thomas am Strand vorzustellen. Wie er gerade Peter Sloterdijks Buch Nach Gott liest, während nahebei eine schrille Familie entspannt.

 

 

 

In der Bibel passiert es öfter, dass Gott quasi hinterrücks einen Menschen überrumpelt und ihm zutun aufgibt. Gott sprach zu Abraham: Pack zusammen, was zu dir gehört und zieh in ein Land, das ich dir zeigen will. Ich werde dich segnen und du sollst ein Segen sein. Dass Abraham gerade Zeit dafür hatte, steht da nicht. Mose hütete die Schafe des Schwiegervaters, als Gott ihm beim Dornbusch den Auftrag gab, die Israeliten aus der Sklaverei zu führen. Die Propheten wehrten sich oft gegen göttliche Ansinnen. Der Engel Gabriel schreckte Maria bei der Hausarbeit mit der Ankündigung, sie werde demnächst den Heiland gebären. Saulus war gerade stark mit Christenverfolgung beschäftigt, als Gott ihn vom Ross schmiss und zum Paulus umdrehte.

 

 

 

Wirklich mit uns vergleichen lassen sich die Großen der Bibel vielleicht nicht. Eine gewisse Tendenz gibt es aber. Moni brachte es auf den Punkt: Von denen sagte keiner, dass Gott jetzt  mal dran sein könnte, weil gerade Zeit war. War ja nicht. Gott kann immer dran sein. Es liegt wohl mehr an ihm, wann der richtige Zeitpunkt ist. Unser Gespräch verlief sich dann.

 

 

 

Ich überlege gerade, wie es nach den Sommerferien sein könnte. Einige von denen, die sich Gottarbeit vorgenommen haben, könnten von sich enttäuscht sein, wenn nix los war oder ihr

 

Vorsatz in Stress und Hektik der Erholung untergegangen ist. Ich werde Moni fragen, was sie dazu meint.

 

 

 

Friedrich Fuchs

 

Pfarrer in Aulendiebach, Rohrbach und Wolf