Gedanken zum Sonntag – 28.02.2021:

Der Akku ist leer

Foto: Volkhard Guth
Foto: Volkhard Guth

 

Von Volkhard Guth

 

Der Akku ist leer! – Wie oft habe ich das schon gehört oder selbst erlebt? Ich bemerke bei mir eine ansteigende Nervosität, wenn die Ladestandsanzeige meines Smartphones in den roten Bereich gelangt. Meine Nervosität steigt dann nochmal, wenn ich kein passendendes Ladekabel zur Hand habe.

 

Warum? Weil der leere Akku beim Smartphone bedeutet, dass weite Teile meiner gewohnten Kommunikation nicht mehr stattfinden können. Dass Adressdaten, eingetragene Termine, Fotos, der ganze Zugang zum weltweiten Netz und damit auch zu wichtigen Grundfunktionen meines über dieses kleine Gerät gut organisierten Lebens mit einem Mal nicht mehr möglich sind.

 

Mich verunsichert das ganz gehörig. Dieser kleine leere Akku macht mir klar, wie abhängig wir alle mittlerweile geworden sind von Energie, wie wichtig der ständige Zugang zu Energiequellen ist und wie selbstverständlich wir oft mit scheinbar ständig verfügbarer Energie umgehen – in allen Bereichen.

 

Wenn der Akku leer ist – und wenn wir ihn nicht gleich wieder aufladen können - merken wir, wie grundlegend angewiesen menschliches Leben ist. Wo Menschen erschöpft und ausgebrannt ausfallen, wo Krankheit und Traurigkeit an den Kräften zehren, wo fehlende Begegnungen und Ansprache uns auf uns alleine zurückwerfen, da wird die Suche nach Energiequellen überlebenswichtig: Das Nachfragen, das Sich-kümmern, die Zuwendung, das Dabeisein, das Begleiten und Zuhören. Und für mich gehört da auch das Hinhören auf Gott dazu. Der Apostel Paulus, der in seinem Leben „energiearme“ Phasen gekannt hat, schreibt einmal, wie sehr es ihn trägt, darauf vertrauen zu können, dass da einer ist, der „kräftig in ihm wirkt“ - Gott. Stimmt.

 

Was mein Smartphone angeht, so habe ich begonnen, immer mal wieder den Flugmodus einzuschalten. Das ist nicht nur gut für den Energieverbrauch beim Akku, sondern schont auch meine Lebensenergie: nicht immer auf Sendung und nicht immer erreichbar sein zu müssen, nicht immer Nachrichten wahrnehmen zu müssen, die die Welt nicht braucht, und ich schon gar nicht. Sondern dann mit aller Energie bei mir, mit Freunden und Familie sein zu dürfen – und immer auch mal mit meinem Gott. Versuchen Sie‘s, bevor der Ladestand Ihres Akkus im roten Bereich angelangt ist.

 

Volkhard Guth, Dekan des Evangelischen Dekanats Wetterau